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Der Israelit · 1884-05-05 · Heft 36 (5.5.1884) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 36 (5.5.1884)
Date
1884-05-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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603 und ersuche darum, dieses Circular den Beamten zur Äcnntniß zu bringen. Der „Rcichsfrcund" weiß denn auch mitznthcilen, daß man beim königlichen Hauptsteneramt für ausländische Gegenstände den Eingang dieses Schreibens unter dem 46, März bescheinigt und mit folgender Verfügung versehen hat: „Cito! Eirculirt v. s. bei sämmtlichen Herren Beamtendes Packhofs und der Zollabfertigungsstellen zur Kcnntnißnahme und eventuellen Zeichnung. Königliches Hauptsteueramt für die ausländischen Gegenstände (gezeichnet von Pochhammer. Lichtwardt. Steffens. Fechner." _ Was war das für ein Geschrei, als der Verleger des „Berliner Tageblattes" sich seiner Zeit von den deutschen Konsuln die Adressen hervorragender Industrieller und GcschLststreibcnder erbeten hatte, um die Verbreitung des Blattes auch im Auslande weiter auszudehnen. Sofort wurden sämmtlichen deutscken Konsuln durch den Reichkauzler verboten, sich auf derartige Gesuche cjnzulasicn. Liegt die Sache hier nicht ähnlich? Die Behörden werden von dem antisemitischen Blatte ersucht, ihm zur Gewinnung .von Abonnenten behilflich zu sein, und wie das vorstehende Beispiel zeigt, haben sich ihrer mehr oder weniger dazu bereit finden lassen. Wir werden abwarten, ob der Reichskanzler jetzt denselben Eifer bezeigt, sein Veto cinzulcgcn. Wenn nicht, so wird der Verleger einer liberalen Zeitung die Behörde in ganz derselben Form um ihre Vermittlung angehcn, und es Uvird sich dann Herausstellen, ob Sonne und Wind in der ausgtcichenden Gerechtigkeit der Regierung gleichmäßig vcrtheilt sind. (Berl. Tbl.) Berlin. Der Verein „E s r a, Sammelbüchse für Palästina," hat nach den Mittheilungen des Central - Eomitö's in wenigen Wochen eine überraschende Ausdehnung angenommen. Am 28. April waren bereits über 1500 Mitgliedskarten ausgegebcn und außer in Berlin noch m Ezaruikau, Eberswalde, Hamburg. Hemsbach, Labiau, Leipzig, Königsberg i. Pr. und a.d. Ncumark, Memel, Obermoschel, Ostrowo, Posen, Ncgcnsburg, Nogasen, Schmiegel, Stettin, Soldau, Tempelburg und Tilsit, ferner in Grodno. Lodz, Kowel, Moskau, Warschau, Wexna, Wilna und Tiflis Sammelbüchsen theils errichtet, thcils in der Bildung begriffen. Wir theilen noch mit. daß das Central-Comitb au die Vorstände sämmtlichcr Vereine für Eolonisation Palästinas und für antimissionäre Zwecke im heiligen Lande die Bitte richtet, Statuten und sonstige Drucksachen an den Präsidenten des „Esra", Redactcur Karfunkel, Berlin 6., lUcitc Fricdrichstraße 33, gelangen zu lassen. Pr. Stargart. 2. Mai. Das Dunkel, das über der Asfairc in Sturz lagert, ist trotz der angestrengtesten. Recherchen des Kriminalkommissars Höft noch immer uicht gelüftet. Ter Vater des am 21. Januar verstümmelt gefundenen Knaben läßt noch immer nichts von sich hören und verhält sich auffallend passiv. Da die „wegen Bctheiligung am Morde des Knaben Onufry Sybula aus Sturz" verhafteten Handelsleute Boß, Vater und Sohn, ans der Untersuchungshaft entlassen worden sind, nachdem die Kanfleute Wolfheim in Pr. Stargardt eine Kaution von 10,000 M. garantirt haben und da Herr Höst seine Nachforschungen 'noch nicht anfgcgebcn hat, deren vorzeitige Besprechung sich bei der Amtsstellung dieses K Kriminalkommissars von selbst verbietet, macht es einen cigeNthümlichcn Eindruck, wenn die Antisemiten Folgendes bereits in die Welt hinansposannen: . Josephsohn wird" jedenfalls im Gefängniß verbleiben. Er soll häufig Gelegenheit gehabt haben, mit seinen auf freiem Fuße verweilrüden iGlaubensgenofsen zu verkehren, was die Gcsänguißwärter nicht immer verhindern können, da das Gefängnißgebäude so ungünstig gelegen ist, daß die Gefangenen fleicht bei Tage, am Abend und vielleicht auch in der Nacht mit dem Publikum durchs Fenster sprechen können." Wenn man diese diplomatische Note aus dem antisemitischeu Heerlager gleichlautend in verschiedenen Antisemitenblättern, ..Deutsches Tageblatt", „Thorner Presse", „Ostprcußische Zeitung" n. s. w. liest, wird man unwillkürlich an Neustcttin und an die in Könitz erlviescne Zeugenbcarbeitung gemahnt. —r-; Jekcrterinvslaw, 28. April. Heute fand die! Prozeßverhandlung wegen des Widerstandes gegen i die Behörden gelegentlich der vorjährigen Jekateri- - uoslaw'schcn Judcnexccssc statt. Den angeklagten j Bäcker Alypow erkannten die Geschworenen für! schuldig, aber mit mildernden Umständen. In Folge j dessen verurtheilte das Gericht Alypow zu einer achtmonalichen Gefäugnißhast. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 28. April. Dem in der „Wiener Ztg." publicirten Mai-Avancement entnehmen wir, daß Se. Kais. u. 51 gl. apostolische Majestät den Oberstabsarzt erster Elaste Dr. Kobjeek zum Generalstabsarzt, den Oberstabsarzt zweiter Elaste vi. EarlSobotka zum Oberstabsarzt allcrgnädigst zu ernennen geruhte. Beide gehören dem jüdischen Glauben an. Generalstabsarzt ist der höchste Rang der militärärztlichen Branche in der österreichischen Armee.

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