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Der Israelit · 1884-05-01 · Heft 35 (1.5.1884) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 35 (1.5.1884)
Date
1884-05-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXV. Jahrgang. Erste Leilage zu Kr. 35 -es Israelit. Leitender Artikel. Aas Hrciöen der WWon in Jerusalem. ^Oft schon ist in diesen Blättern von dem das religiöse Gefühl tief verletzenden Treiben der verschiedenen Misfionsgeseltschaften, die . sich das H.Land unserer Väter als besonderes Feld ihrer schändlicheil Thätigkeit ausgesucht haben, die Rede gewesen. Es ist da gezeigt worden, wie die sogenannten „Bekehrten" in fast allen Fällen 'nachweislich mehr dem Zwange der Roth und materiellen Bedrängniß als der Ueberzeugung folgen, und wie unsittlich es ist, daß die Häupter und Helfer jener. Gesellschaften, wiewohl ihnen diese Thatsachen nicht unbekannt, dennoch von ihrer das moralische Gefühl tief verletzenden Thätigkeit nicht lassen, und es noch als großen Triumph feiern, wenn durch derartige niedrige Ueberrednngsmittel Jemand in ihre Netze gerathet. Von je haben auch Mitglieder ^der chr. Kirche, die sich eine bessere Erkenntnis; bewahrt, dieses frivole Treiben, welches in dem Schacher mit dem Heiligsten und Höchsten zum Ausdruck kommt, scharf verurtheilt, und erst unlängst hat ein hervorragender Geistlicher der evang. Gemeinde in Jerusalem seine aus vieljähriger persönlicher Erfahrung gebildete gleiche Ueberzeugung in einem Aufsatze, der in der Zeitschrift des deutschen Palästinavereins (B. IV, H. I) erschienen ist, niedergelegt. Heute liegt uns ein ähnliches Urtheil eines den Orient bereisenden Christen, welches unter der Ueberschrift „Erfahrungell eitles Hadschi" in der „Köln Zgt." erschienen ist, vor. Wir lassen die bezüglichen Stellen jenes Reisebriefes im Nachstehenden folgen. „Palästina ist das Paradies der Missionen und Hospize. Schon in Beirut treten einem die stattlichen Gebäude englischer Gesellschaften entgegen; hier in Jerusalem beherrscht das Missions- und Hospizweseil die ganze Physiognomie des Lebens. Ist ein großes Gebäude weder Kirche noch Moschee oder Synagoge, so dient cs den Pilgern oder der Bekehrung. ' „In die Mission theilen sich wesenlich Protestanten, Griechen und römische Katholiken; die kleinen Kirchen des Orients streben lvcniger nach Erweiterung ihres Bestandes als nach Alifrechterhaltling dessen, was sie jetzt besitzen. „Die Missionsthätigkeit ist theils direct, an Erwachsene gerichtet, theils indirect, indem die.Kinder- und Kranken-Verpflegung mit Bekehrung verbunden wird. „Was die directe Mission angeht, so zerfallen die Leute, welche man bekehren könnte, in Mohainedaner, Juden und Christen.. Daß ein erwachsener Mohamedaner sich ernstlich zum Ehristenthum in irgend einer Form bekehrt hätte, das scheint nie vorgekommen zu sein. Theils mögen die Leute, welche einmal die islamitische Erziehung durchgemacht haben, für unsere religiösen Attschanungen vernagelt sein, theils ist nicht zu verkennen, daß das Zerrbild von Religion, welches ihnen in der Grabeskirche vor Augen gestellt wird, nicht danach angethan ist, irgend welche Achtung und Zuneigung bei ihnen M erwecken;. daß aber ein ungebildeter Araber lernen soll, durch das Zerrbild hindurch den Liefern Sinn des Christenthums zu erfassen, das ist nicht zu verlangen — er sieht eben nur das erstere und glaubt das.Ehristenthum selbst zu sehen. Uebrigens würde auch die Bekehrung dieser Leute praktisch unübersteigliche Schwierigkeiten haben; denn die Duldsamkeit der Türken hört bei dem Punkte plötzlich und vollständig auf. „Die Juden bilden das besondere Arbeitsfeld/ der englischen Mission, deren Organe übrigens durchgängig deutsche Prediger sind.' Die protestantische Geistlichkeit selbst verschließt sich der Wahrnehmung nicht, daß der regelmäßige Grund der Bekehrungen bei den Juden die materielle.' Noth ist. Einem Uebertretcnden in der Vorbereitungszcit zahlen die Engländer seinen Lebensunterhalt nebst etwa 1 M. täglich; nach der Taufe wird ihm eine Beschäftigung, eine kleine Werkstatt oder dergleichen zugewicsen. Früher waren die Unterstützungen, mit denen man zur Bekehrung anlockte, größer: der beste Gasthof der Stadt gehört noch heute einem getauften Inden, dem er ursprünglich von der englischen Mission eingerichtet worden ist. Jetzt, wo die Zahl der Bekehrten wächst, reichen die Mittel nicht mehr zu großen . Unterstützungen aus; aber kleinere muß man leisten — sonst treten die Bekehrten alsbald zu einer andern Religionsgesellschaft über, die ihnen mehr greifbaren Vortheil bietet. „Die übrige directe Missionsthätigkeit geht durchweg darauf aus, Angehörige einer christlichen Kirche zu einer andern Kirche herüber zuzichen. Dabei sieht man denselben Grundsatz herrschen, von dem wir sprachen, die Anwendung materieller Ueberredungs-

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