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Der Israelit · 1884-05-01 · Heft 35 (1.5.1884) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 35 (1.5.1884)
Date
1884-05-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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586 „August,"' sagte Solinger, „Du bist so brav und fromm, und trotzdem denkst Du nicht daran, das erste Gebot unseres Gottes zu erfüllen, wiewohl es Deine Mittel Dir reichlich gestatten, einen eigenen Hausstand zu gründen." „„Lieber Vater,"" sagte August traurig, „„ich bitte Dich, verschone mich mit solchen Aufforderungen!'" „Nein, mein Herzenskind," rief Friederike, „wir dürfen Dich nicht länger schonen. Das darf nicht so fortgehen. Du bist immer ernst und traurig. Deine Gesundheit leidet darunter. Schlage Dir doch endlich jenes Mädchen aus dem Sinne!" „„Ich denke nicht mehr an sie!"" „So sieh 2uf). um unter den Töchtern des Landes , und suche Dir eine Lebensgefährtin. Ein junger Mann wie Du, braucht ja nur zu wählen! Auf Geld Haft Du nicht zu sehen, und da kannst Du Dir ein Mädchen ausfuchen, wie Dein Herz es wünscht." ~ . „„Das ist es ja eben, liebe Mutter, dag mein Herz nichts wünschte Die Neigung, die ich einst empfand, habe ich gewaltsam entfernt, und da scheint mein armes Herz dabei gelitten zu haben."" r „Sprich nicht so thöricht," sagte Solinger. „Der ernste Wille überwindet Alles.' Wolle nur, und das krankhafte Gefühl, das Dir den Lebensmuts) raubt, wird neuer Lebenslust weichen. — Wir, Deine Mutter und ich, waren vorigen Sommer in Karlsbad. Dort lernten wir eine Familie Dormitzer aus Wien kennen. Prächtige Leute, der Mann, in der heiligen Thora sehr erfahren, die Frau, ein echtes, jüdisches Bicderweib, und die Tochter, die sich in Begleitung der Eltern befand, hat Deiner Mutter ganzes Herz gewonnen. Sie ist schön, liebenswürdig, gebildet und voll glühender Begeisterung für unsere heilige Religion. Reise nach Wien und lerne das Mädchen kennen!" „„Ich bitte Dich, lieber Vater . . . ."" „Deine Einwändc, liebes Kind," unterbrach ihn Frau Friederike, „werden diesmal nicht berücksichtigt. Glücklich der Mann, dem es vergönnt sein wird, Rosi Dormitzer heimzuführen! Ich habe ihr schon so viel von Dir erzählt, daß sie sehr wünscht, Dich kennen zu lernen. Also, reise nach Wien! Heute ist Donnerstag. Sonntag früh magst Du den Schnellzug benutzen. Dann hast Du die ganze Woche vor, kannst prüfen und überlegen, und zum Sabbat erhalten wir eine Depesche, die Deine Verlobung meldet." „„Ich kann aus dem Geschäfte gar nicht abkommen."" „Du kannst," sagte Solinger, „ich werde während der Zeit Deiner Abwesenheit, Dich so gut wie möglich zu ersetzen suchen!" „„Ich bitte Euch, zwinget mich nicht zu reifen; ich kann mich doch nicht entschließen, ein Verlöbniß einzugehen."" „Lerne nur Rost einmal kennen; nachher wirst Du schon anders sprechen." August schüttelte traurig das Haupt. „Wenn Du denn durchaus nicht willst," sagte Frau Solinger, „so bleibe hier und vertrauere Dein Leben wie bisher. Ich kann aber das nicht länger mit ansehen. Der Gram zerfrißt mein Herz und wird mich krank machen." Frau Solinger sing an heftig zu weinen. „„Lieh Mütterchen,"" sagte August, „„höre auf zu weinen; ich werde nach Wien reifen!"" Da umarmte Friederike ihren Sohn, küßte ihn und rief jubelnd: „Und als Bräutigam wiederkommen!" (Fortsetzung folgt.) Räthsel. Das höchste Gut auf dieser Welt, Dem ewiges Glück, der fest dran hält, .Ist aufbewahrt am heiligen Ort, Sorgsam umhüllt von meinem Wort. Und nach des Lebens Sorg' und Pein Schließt» Deine irdische Hülle ein; In ihm ruht sie in kühler Gruft, Bis einst des Herrn Posaune ruft. Groß-Umstadt. A. scheuer, Lehrer. Allslösung erfolgt in Rr. 37. Die Rainen der richtig Lösenden werden, wenn uns solche bis längstens Dienstag Vormittag den 6. Mai zngegangen, in der folgenden Nummer veröffentlich». Aufösung des Räthsels ans Nr. 82 n. 38: (Knoten) ~>rp — (Brett) En? — (Luge) ~>?w MM" Die Fortsetzung der Erzählung „Ans dem Leben eines orthodoxen Rabbiners" erscheint in der nächsten Nllmmer. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: I>r. Lehmann in Mainz. — Verlag und Grpednisn des »Israelit" gr. Bleiche 45. I. Gottslcben's Bnchdruckerei (MainzerAnzeiger).

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