Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 35 (1.5.1884)
- Date
- 1884-05-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Jugend dem seelcufängerischen Treiben der Missionäre | zn entziehen. j - Wie überhaupt die Herren Missionäre cs auf Nebertreibnngen oder Fälschungen abgesehen haben, - zeigt ein amerikanischer Agent dieser Gesellschaft, welcher berichtet, daß er in Evansville dm Lokalrabbiner und dessen Frau zur Taufe bewegte, wäh-! rend es Thatsache ist, daß an genanntem Platze nicht nur keine jiw. Gemeinde existirt, sondern nicht einmal ein einziger Jude daselbst wohnt. GHardaia (Algier.) Bei dem jüngsten außerordentlich heftigen Regen wurde ein Haus, in welchem eine jüdische Familie mit acht Personen wohnte, überschwemmt. Die Eivilbevölkerung sowohl als auch die Garnison setzten all ihre Kraft ein, um den Unglücklichen 311 Hilfe zu kommen, was ihnen auch nach üstündlger lebensgefährlicher Arbeit gelang; nur ein Kind wurde ein Raub der Fluthen. Diese edle Handlungsweise verdient öffentlich belobt zu werden. F e 11 i I I e t 6 11. Aur standhaft! xxxx. Herr Philipp Baumann, der Chef des großen Handlungshauses Philipp Baumann und Comp.- in D., war gestorben; sein Bruder Karl, ein verwittweter, kinderloser Greis, wünschte sich vom Geschäfte zurückzuziehen. Nun trat an Wilhelm, den einzigen. Sohn des verstorbenen Philipp, die Aufgabe heran, das gesammte große und ausgedehnte Geschäft zu übernehmen. Der junge, noch unerfahrene Mann fühlte sich dieser schweren Last nicht gewachsen. Er machte daher seinem ersten Buchhalter, Salomon Solinger, den Vorschlag, daß dieser als Compagnon in das Geschäft eintrete. „Herr Baumann," sagte Solinger, „so ehrenvoll und schmeichelhaft mir auch Ihr Antrag ist, so fühle ich mich doch in Ihrem Interesse verpflichtet, denselben abzulchnen. Sie bedürfen, um das Geschäft auf der Höhe zu erhalten, einer jüngeren und tüchtigeren Kraft. Ich bin nur ein Buchhalter, bin bei meinem Buche ergraut; zu den Dispositionen hat man mich nie zugezogen. Selbst als Compagnon würde ich nur Buchhalter bleiben, und als solcher bleibe ich Ihnen ohnedies treu. Dagegen möchte ich Ihnen einen andern Vorschlag machen. Mein Stiefsohn August . .. „„Ich weiß, was Sie sagen wollen,"" antwortete der junge Naumann. „„Auch ich habe in | erster Linie an meinen Freund Litauer gedacht und! fürchtete nur, Sie zu beleidigen, wenn ich den Sohn dem Vater vorzichen würde. Da Sie aber selbst - dazu rathen, so acccptire ich Ihren Vorschlag mit Freuden. Schreiben Sie Ihrem Sohne, daß er schleunigst von Japan zurückkehre und dann' sofort | als Associö bei uns eintrete."" Es war eine große Freudenbotschaft, die Solinger seiner Gattin brachte. Friederike zählte die Wochen und Tage, die bis zur Rückkehr ihres Sohnes verfließen mußten. Endlich, endlich kam der hcißcrsehnte Tag, an welchem August seine Eltern umarmen durste. Friederike konnte sich an ihrem Sohne gar nicht satt sehen. Er war von der heißen Sonne der Tropcnländer gebräunt; ein schwarzer Vollbart umrahmte sein intelligentes Gesicht, und tiefer Ernst lagerte auf seinen Zügen. Wiewohl er noch nicht , ganz 24 Jahre zählte, so ließen ihn doch die ansgestandenen Strapazen.und Entbehrungen viel älter . erscheinen. Eine der ersten Fragen, die August an seine Eltern richtete, war die, nach Bernhardine von Löwenheim. „Du denkst noch immer an sie?" fragte Solinger. „„Ja, lieber Vater, ich habe mir alle Mühe gegeben, sie zu vergessen — cs ist mir bis jetzt nicht gelungen."" „Sie ist für Dich verloren," sagte Frau Friederike seufzend. „Sie ist der Prinzessin als Hofdame gefolgt, und wird wahrscheinlich längst die Taufe empfangen haben." ' . Auch August seufzte. „„Es ist gut,"" sagte er, „„daß ich das erfahre; ich werde von nun an nur an sie wie an eine Verstorbene denken."" Mit großem Eifer beschäftigte sich August nn't den Angelegenheiten der Firma, in die er als Compagnon eingetrcten war. War er nicht im Geschäft thätig, so widmete er sich in Gemeinschaft mit seinem Stiefvater dem Studium der Thora. Für die Freuden der Geselligkeit, für Zcrstreungen und Vergnügungen schien er gar keinen Sinn zu haben. In D. war er bald als Sonderling verschrieen. Seine Mntter empfand darob tiefen Kummer. „Ach," sagte sie oft zu ihrem Manne, „wenn ich ihn nur einmal wieder lächeln sehen möchte! Dieser fürchterliche, unwandelbare Ernst! Das kann nicht gut thun; seine Gesundheit muß darunter leiden." „Er muß heirathen," pflegte dann Solinger zu antworten. Eines Tages nahmen sich die beiden Eltern vor, dem Sohne einmal tüchtig den Kopf zurecht zn setzen.