Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 35 (1.5.1884)
- Date
- 1884-05-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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,r%. 583 „Die russischen Flüchtlinge, welche sich in Pointed Woods niedergelassen, gehören der ärmsten Elaffe unserer Glaubensgenossen an; sie besitzen nicht alle die erforderliche Kraft und Energie, um sich durch Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen und sich selbst zu erhalten-. Nichts ist leichter als in Amerika Grund und Boden zu erlangen, man muß ihn nur zu bebauen verstehen. Selbst bei persönliäier Tüchtigkeit und einiger Kenntniß der Bodencultur, muß der Colonist mindestens 700 oder 800 Dollar besitzen, um, falls er Familie hat, seine Bedürfnisse bestreiten zu können. 500 Dollars würden für jede Familie genügen, wenn zwei Familien zusammen auf ein und dieselbe Concession arbeiteten; jedoch zeigen sich diese Flüchtlinge einem Zusammenwirken nicht geneigt. Es giebt jetzt in der Eolonie von Rointed Woods ungefähr CO Familien, von denen eine Anzahl noch nicht etablirt ist, wodurch die Fortschritte der Eolonie aufgehalten werden. .Als die ersten Colonisten erkannten, daß sie große Aussicht auf Gelingen hatten, haben sie einer bedeutenden Anzahl ihrer in den verschiedensten Theilen der Bereinigten Staaten und Canadas befindlichen Freunde gerathen, ihnen nachzufolgen. Viele sind gekommen und haben Boden erhalten, aber sie hatten nicht die geringsten Mittel, und die Meisten-von ihnen nicht die mindeste Begabung zur Bodenkultur. Bald nach ihrer Ankunft verhungerten die Familien, nachdem die Häupter derselben sich anderweitig um Stellung oder Beschäftigung bemühten. Unter solchen Umständen sah sich die Niederlassung wohl gezwungen, diese unglücklichen Frauen und Kinder zu unterstützen, was ihr schwere Opfer auferlcgte. Es muß hinzugefügt werden, daß die Eolonie 500 Meilen von St. Paul entfernt liegt und daß es außerdem keine näher wohnenden Israeliten gibt. Zudem ist die letzte Saison nicht günstig gewesen, da die Ernte durch übermäßige Trockenheit fast vollständig verloren ging. Ohne diesen bedauerlichen Zwischenfall hätte eine gewisse Anzahl der Eolonistcn sich halten können. Noch ein anderes Unglück hat die Auswanderer betroffen. Das Feuer der Prairien hat eine große Menge Heu und Acker- Werkzeuge zerstört. Große Ausgaben waren erforderlich, um diese Verluste zu ersetzen und Winternahrung für das Rindvieh zu beschaffen. Der Winter in dieser Region ist sehr lang und sehr streng, und man kann sich dort in dieser Jahreszeit keinerlei Arbeit verschaffen. Da die Ernte mißlungen, mußte man den Colonisten zu Hilfe kommen, und während mehrerer Monate ungefähr 260 Menschen erhallen. Das eine Familienhaupt ist im Krankenhaus an der Schwindsucht gestorben; cs hat eine zahlreiche Familie hinterlasscn, welche die Eolonie gezwungen war zu unterstützen. Ein anderes ist von derselben Krankheit besollen und hat keine Aussicht auf Wiedererlangung seiner Genesung, was die bereits so zahlreichen Schwierigkeiten der Eolonie noch erhöht. Herr Dr. Wechsler hat Pointed Woods vor einigen Wochen besucht und hat die Eolonistcn mit den allcrnöthigsten Nahrungsmitteln und Kleidungsstücken bis zum nächsten Frühjahr versorgt. Da die Mittel, welche Herrn Dr. Wechsler für diese Eolonie zu Gebote standen, erschöpft waren, wandte er sich an Herrn Baron von Hirsch. Dieser großmüthige Menschenfreund übersandte ihm 10,000 Frcs. Der Board von New-Zork, welchem die Alliance von Wien für die Eolonie der Bereinigten Staaten eine Subvention von 10,000 Frcs. bewilligt hatte, sandte gleichfalls einen Theil dieser Summe, nämlich 3000 Frcs. an Herrn Dr. Wechsler. Jedoch find dieseMittcl, wenn auch genügend «ffür die augenblicklichen Bedürfnisse der Colonisten, nicht hinreichend genug, um ihnen die erforderlichen Samen, das Rindvieh, die Wagen, die Ackerbauwerkzcuge in größerer Anzahl, sowie eine Menge unentbehrlicher Gegenstände zu beschaffen. Herr Dr. Wechsler ist der Ansicht, daß eine Subvention von ungefähr 500C. Dollars und zwar vor der Zeit der Saat geboten sein wird, um die Einwanderer in den Stand zu setzen, sich künftig durch ihre Arbeit zu erhalten, ohne neuer Subvention zu bedürfen. Einige der jetzigen Eolonisten, welche niemals als Ackerbauer reüssiren werden, müssen anderweitig als Handwerker untergebracht werden, den übrigen muß bedeutet werden, daß sie fernerhin zum Leben nur auf sich selbst angewiesen sein werden, und, da in Pointed Woods der Boden ein sehr fruchtbarer ist, darf man sich der Hoffnung hingeben, falls dieser Niederlassung jene neue Beisteuer von 5000 Dollars bewilligt wird, sie einer gedeihlichen Rufuuft entgegengeht". Die Eolonie Pomted Woods hat bereits verschiedene Subventionen erhalten. Außer den 10,000 Frcs.. welche Baron Hirsch dieser Niederlassung gewährt bat und den 3000 Frcs., welche der Board von New-Z)ork entnommen, um sie Herrn Dr. Wechsler zu überweisen, hat das Central-Eomita der russischen Juden zu Berlin in verschiedenen Raten eine Gesammtsumme von 3,700 Dollars gespendet, das Eomittz des MansionS-House zu London eine Gesammtsumme von 1,200 Pfd. St. (30,000 Frcs.), das Eentral-Eomittz der Alliance 5000 Frcs.. und das Comite special de secours pour les Israclites russes zu Paris, desgleichen 5000 Frcs. Infolge der erneuten Bitte um Subvention, welche Herr Dr. Wechsler an das Central-Eomitö zu Gunsten der Eolonie von Pointed Woods gerichtet, hat dasselbe nochmals einen Credit von 5000 Frcs. und das Comite des Mansion-House einen Beitrag von 300 Psd. St. (7,500 Frcs.) votirt.