Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 35 (1.5.1884)
- Date
- 1884-05-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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werben. Feierlich und würdevoll wurde die Grundsteinlegung vollzogen. Herr Dr. L. Löwen st ein .Rabbiner und Prediger zu Lemberg, hielt bei dieser Gelegenheit eine mit großem Veifalle aufgenommene Rede, die die Zuhörer, aus Christen und Inden bestehend, im buchstäblichen Sinne des Wortes hingerissen hatte und sie derartig begeisterte, daß sie zur Kasse, welche zu dem Zwecke hingestellt war, um etwaige Spenden entgegen zu nehmen, hinliefen"und., jeder fein Schärflein beigetragen hat. Nicht nur unsere Glaubensgenossen, auch Christen betheiligten sich mit namhaften Spenden. Nun steht dieser prächtiger Ban fast vollendet da und somit ist die hiesige Stadt um ein architectonisch und künstlerisch bedeutendes Wert reicher geworden, welches nicht nur vom Ernst und Eifer, mit welchem der Baukünftler'dem Studium des Synagogenbaues sich hingegeben hat, Zeugniß ablegt, sondern auch von der Opferwillkgkeit, die die hiesigen Gemeindemitglieder, die im Ganzen und Großen nicht zu den Neichen gezählt' werden dürfen, dem Synagogenbau brachten. Nebst den vielen Freunden und Gönnern, die der hiesige Synagogcubau sich zu erfreuen hatte und die auch ihr Schärflein dazu beigetragen haben, wie beispielsweise die Herren v. Bleichröder aus Berlin, v. Günzburg aus Petersburg, Selig Goldschmidt aus Frankfurt a.M.u. s. w. u. s. w. hat auch die hiesige Gemeinde ihre Kräfte übersteigende Opfer gebracht und sich mit namhaften Spenden betheiligt. Wie ich höre, beabsichtigt die hiesige Gemeinde nach der Vollendung des Cynagogenbaues eine nipv zu bauen und so rufe ich dem wackern Vorstände pan, pm zu. SMetvar. (Wahlbewegungen in Ungarn.)" Der Diözesan-Vischof hat" den antisemitischen Kandidaten Kaplan Rathmann nach einem slavonischen Dorfe versetzt, weil dieser sogar von der Kanzel herab antisemitische Lehren zu verbreiten suchte. Temesvar. In einer Programmrede sagte Balthasar Horvath u. A.: Und bedarf es eines besseren Beweises für den Verfall des Gemeingeistes, meine Herren, als jene traurige und zugleich gefährliche Bewegung, welche im vorigen Jahre in diesem Vaterlande ihre Orgien feierte und die uns unter dem Namen Antisemitismus bekannt ist? Wir haben erlebt, daß das Volk selbst, welches vor kaum vier Jahrzehnten sich seiner Fesseln entwand, Massenpetitionen an einen Factor der Gesetzgebung sandte, um gegen die Gleichberechtigung zu protestiren, vergessend, daß Derjenige, der die Segnungen der Freiheit einem Andern verweigert, die letzteren für sich allein als Privileg fordert. auch selbst leicht den Privilegien Anderer zum Opfer fallen könne. Und was soll ich von der Demokratie sagen? Ich meine nicht jene Demokratie, welche sich mit unedlen Leidenschaften verbündet, die Unwissenheit mit lügenhaften Versprechungen an sich kettet und ihren schmutzigen Beruf darin sucht, den guten Ruf und Namen, das Recht und die Autorität anzugreifcn. Frankreich. Paris, 23. April. Es dürfte Vielen der geehrten Leser unbekannt fein, daß hier in Bezug auf die Bestattung der Todten ein bedauerlicher Mißstand herrscht, der jedoch in den Staatsgesetzen seine Begründung hat und deshalb nicht zu heben ist. Die Gebeine der Verstorbenen werden nach*Abkauf von > fünf Jahren ihren Gräbern entnommen und in eine gemeinsame Grube geworfen. Will Jemand dein Vorbeugen, so hat er für ein Grab in Eigenthum 600 Frs. zu zahlen. Es ist einleuchtend, daß von dieser Wohlthat nur reiche Leute Gebrauch machen können. Es bat sich daher bereits seit längerer Zeit hier eine Gesellschaft gebildet, La socifctG de secours mutuels des Enfants de Japliet, die es sich zur Aufgabe macht, ihren Mitgliedern bei derem Tode ein Grab in Eigenthum zu sichern, sowie auch alle Begräbnißkosten zu bezahlen. — Aus dem jüngst ausgegebenen Rechenschaftsberichte ersehe ich mit Freuden, daß dieser Verein von Jahr zu Jahr ganz bedeutend zunimmt. Möge derselbe auch fernerhin blühen und gedeihen nsA.nim xvn'v np. E„ M. Paris. Monatsbericht (März 1884) der „All Jsr. Univ." (Die russischen Colonien in Amerika.) Die in! Pomted Woods (Minnesota) etablirte russische Colonie,! welche von Herrn Dr. Wechsler, Rabbiner in St.! Paul geleitet wird, hat sich seit ihrer Gründung be- , deutend vergrößert. Sie bestand ursprünglich aus! dreißig Familien. Diese Familien, welche sich allmählich eine gewisse landwirtschaftliche Erfahrung angeeignet und durch ihre Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienten, haben ihre Verwandten und Freunde aus den verschiedensten Theilen der Vereinigten Staaten und Candas herangczogen. Heute besteht die Colonie zu Pomted Woods aus 71 Männern, 52 Frauen und ungefähr 90 Kindern. Die neuen unerfahrenen und unbemittelten Ankömmlinge sind eine schwere Last für die Colonie geworden, deren Lage heute weniger befriedigend ist wie bisher. Anbei die sehr interessanten Mittheilungen, welche diesbezüglich von Herrn Dr. Wechsler an das Central-Comitb gemacht worden sind: