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Der Israelit · 1884-04-28 · Heft 34 (28.4.1884) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 34 (28.4.1884)
Date
1884-04-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXV. Jahrgang. Anlage ju Mt. 34 des Israelit Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e u t sch l a n b. Frankfurt a. M Das israelitische Waisenhaus vahier hat sich, obwohl seine Finanzlage keine glänzende ist, genöthigr gesehen, in Berücksichtigung der großen Dringlichkeit der betreffenden Fälle, weitere ^0 Zöglinge (7 Knaben und 3 Mädchen) mit Beginn des neuen Schuljahrs auszunehmen. Cassel. Die Wiederbesetzung des Stadt- und Laudi abbinats scheint doch nicht so glatt und so rasch vor sich zu gehen, als es unser Vorsteher-Ämt wohl beabsichtigte. Wenn auch von den Schritten und Plänen dieser Behörde nur wenig in die Oeffentlichkeit dringt, so genügt doch das Wenige, um die Zuversicht zu beleben, die Kgl. Negierung werde die durch das Vorsteheramt in Vorschlag gebrachten Persönlichkeiten nicht so ohne Weiteres acceptiren. Die Negierung will entschieden einen auf dem Boden des gesetzestreuen Judenthums stehenden Landrabbiner; doch darf mau sich keiner Täuschung darüber hingeben, daß so lange in der Kasseler Synagoge ein'unjüdischer Eultus bestehe, der beste regierungsseilige Wille nicht, ausreicht, um einen gesetzestreuen Rabbiner auch nur zu veranlassen, daß er sich um die vacante Stelle bewirbt. Daher kommt es denn auch, daß z. B. nicht ein einziger der hessischen Proviuzialrabbiner sich unter den Bewerbern um die Landrabbincrstelle befindet, wie denn überhaupt die Zahl der eingclaufenen Bewerbungen beträchtlich hinter derjenigen zurückblcibt, die z. B. bei der Landrabbinerwähl in Hannover eingclaufen war. Die gesekestreuen Rabbiner sind nämlich durch den hiesigen Orgelgottcsdieast eo ipso fämmrlich von'der Eoncurrenz ausgeschlossen. Von den Schülern der Dr. Hildesheimer'schen Schule und Richtung befinden sich, soweit meine Information reicht, nur die Herren Rabbiner Dr. Goldschmidt in Weilburg und Stiebet aus Strasburg (Westpreußen) unter den Bewerbern. Die Meldung des letzteren soll auf Grund irriger Information beruhen und nach einer allerdings nicht verbürgten Mitthcilung wieder von ihm znrückgenommen sein. — Ta man sich die Namen der beiden Herren für spätere Vakanzen wohl merken wird, so wäre es in ihrem Jntereffe erwünscht, wenn sie Klarheit in die Sache brächten. i Das Hauptcontingent der Bewerber stellt die 1 Breslauer Schule, unter ihnen auch Herr Dr. Krön er in Erfurt. Derselbe hat vor einigen - Monaten, als in Erfurt der Beschluß gefaßt wurde, . eine Orgel in die Synagoge eknzuführen, das llngci setzliche dieser Neuerung dargethan und sich an or-; 1hodoj?e Autoritäten mit einer Anfrage gewandt, ob! es dem gesetzestrcuen Juden nicht verboten sei, einen j derartigen Gottesdienst zu besuchen?! V Und nun bewirbt sich Herr Dr. Kroger selber •i lim eine Rabbinerstelle an einer Orgelsynagoge! — j Sei der großen Entfernung zwischen hier und Er- , furt war Herr Dr. K. wohl nicht in der Lage, sich j vor seiner Meldung über den Charakter der Caffeler! Synagoge zu informiren.! Kleineibstadt. Wenn der Leugner unserer! heiligen Wahrheiten sein stets scharfes Seciermcsser j besonders gerne an den Glauben der Wunder ansetzt i und deren Existenz bezweifelt, so ist sein Blick eben; getrübt; er schaut nicht das wunderbare Walten, mit dem die Vorsehung uns noch immer umgibt. Wie oft können wir uns hievon überzeugen! Der folgende Vorfall bietet abermals hiezu ein sprechendes Belege: Einen Tag nach dem Pcsachfeste entfloh einem christlichen Bürger dahier eine Henne und nahm ihren Weg zu dem Heuboden des jüdischen Nachbarn; der Verfolger eilte hintendrein. Dort angekommen und im Begriffe, den Flüchtling zu ergreifen, gewahrte er, daß sich .im Heu etwas rege. Näher tretend sah. er ein junges Mädchen, das äußerst schwach, sich nicht aufrecht zu erhalten vermochte. Auf weitere Inquisition ergab sich's, daß es ein Hirtenmädchen ans einem 1 Stunde von hier entfernten Dorfe war, das, weil ihm irgendwo ein Verdienst entgangen, aus Lebensüberdruß oder aus Furcht vor Strafe — sein Ende auf dem Heuboden des Israeliten abwarten wollte. Das Mädchen weilte schon mehrere Tage ohne jede Nahrung in seinem Verstecke, war ganz entkräftet und es hätte voraussichtlich _ nicht lange mehr ausgchalten. Wenn es dann später todt im Gebiete des Israeliten gefunden worden wäre, welche Eonscquenzcn hätte das nach sich gezogen! Wohl sind unsere Behörden gerecht und human, doch hat die Saat des Gistes der antisemitischen Blätter in der großen Menge allzu ergiebigen Boden. Tie Gcmüther sind vom dichten Nebel der Vorur-

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