Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 34 (28.4.1884)
- Date
- 1884-04-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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] ■ . ' Üfi; 568 berichten. In der Nacht vom 10. auf den 11. d. M., sind Antisemiten-Jünger in den vor drei Jahren angelegten jüdischen Friedhof, der sehr, nahe zur Stadt und nur 150 Schritte weit vom christlichen gelegen ist, eingedrungen und haben daselbst eine grauenhafte Verwüstung angerichtet. Vierzehn Grabsteine wurden umgestürzk, zwei gänzlich zertrümmert und an den anderen, wie am Leichenljause, Beschädigungen versucht. Das war nicht das Werk einiger betrunkener Bösewichte, sondern einer ganz ruchlosen Bande, die wahrscheinlich alle Monumente zerstört haben würde, wenn dieselben nicht durch Größe und Schwere Widerstand geleistet hätten. Am Morgen, als die Kunde davon in der Stadt verbreitet war, strömten Viele hinaus auf den Friedhof, den Schauplatz dieser Schandthaten und wie der Korrespondent des „Nemzet" berichtet, waren die Christen eben so empört und entrüstet über die Bosheit und bestialische Gefühllosigkeit, die diese himmelschreienden Unthaten verübten und die Menschheit schänden wie die In-, den selber, deren theure Todten man in ihrer Ruhe störte, indem man die ihnen geweiht gewesenen Merkzeichen der Pietät vernichtete. Wir wollen das gerne glauben und diese Aeußerung als halben Trost annehmen. Ob aber an den darauf folgenden Ostertagen in den hiesigen 8—10 christlichen Kirchen einer der Prediger die Gelegenheit wahrgenommen hat, gegen diesen Vandalismus, diese ruchlose Ncligionsschändung und Unnienseblichkeit von der Kanzel hinab ein eindringliches Wort ertönen zu lassen und auf das Geschehene, als auf ein mahnendes Schreckbild des Ncligionshasses hinzuweisen — das haben wir bis zur Stunde nicht gehört. Wie hätte der einzige Rabbiner einer Gemeinde gedonnert, daß es weithin gehallt hätte und den Leuten durch Mark und Lein gegangen wäre, wenn Juden sich zur Begehung eines solchen Sacrilegiums vergessen hätten! Daß der von den Antisemiten geschürte Judenhaß so tief in die unteren Volksschichten gedrungen, ist gar nicht zu verwundern, wenn man weiß, daß selbst die Hüter und Wächter der Ordnung sich in sehr anständigen jüdischen Gasthäusern das berüchtigte Spottlied: „Scchszehne-Sicbzehne" ausspielcn lassen und für die ausgewählten Speisen und Getränke drauf zahlen. Abgesehen von der Verletzung ihrer Amtspflicht, welche Rohheit und Herzlosigkeit und Unbildung gehören dazu, einer jüdischen achtbaren Wirthin und anderen jüdischen Gästen solchen Spott und Hohn ins Angesicht zu schleudern! Wenn nicht der Staat alle Präservativmittel auwenden wird, wenn nicht alle Confessionen von der Kanzel aus Front machen werden, den Antisemitismus äußerlich wie innerlich auszurottcn, so wird die Volksverwildernng Dimensionen annehmen, die das Schlimmste befürchten lassen. Das Vorhandene ist schon schlimm genug; aber es können noch barbarischere Scenen, wie in Rußland cintrcten. Es schnitt Schreiber dieses durch die Seele, als ihm gestern ein sehr achtbarer, in Ehren grau gewordener Mann die Worte sagte: Herr, wenn ich um zehn Jahre jünger wäre, ging ich fort, fort von Ungarn, wo die Behörden wenigstens die Todten zu schützen wissen vor Lerunehrung nnd Ruhestörung " Ach, wohin ist es mit unserem Vaterlande gekommen, unter dessen Kronjnwelen die religiöse Toleranz am herrlichsten funkelte! Schütt - Szerdaheky (Ungarn)*). Am 'n -nx 'rm wurde hier einer der hervorragendsten Männer unserer Gemeinde zu seiner letzten Ruhestätte geleitet; es ist dies der weithin über die Grenzen unseres Landes rühmlichst bekannte won ,pns v'x yai D-ptrxs -vsjrx p'x 'rva pnn paai a~>n. Sein Tod wird ganz gewiß in den Herze» Aller, die ihn gekannt, tiefe Trauer erwecken. Als ehemaliger Oberrabbiner zu Galanthn wirkte er 17 Jahre hindurch äußerst erfolg- und segensreich, und als er dann in Folge eines anhaltenden Nervenleidens feinen Rabbknerposten quittirend nach seinem Geburtsorte Schütt -Szerdahely zog, konnte er o»ro m*n r^rv?, trotz seines kranken Körpers, nicht unterlassen. Der Heimgegangene war der Besten einer. Mit einem von Natur edlen und gefühlvollen Herzen ausgcstattet, hörte er nie von Noth und Elend, ohne solches nach Kräften zu lindern, wo aber seine eigenen schwächst Kräfte nicht ausreichten, da wußte er stets Andere, für die jeweiligen Wohlthatigkektsacte zu entusiasmiren. Was jedoch sein geistiges Vermögen betrisst, kann man ihn kühn einen Heros des Geistes im Allgemeinen, und des spcciell jüdischen Geistes insbesondere nennen; schon in seinem 19. Lebensjahre verfaßte er ein dem Tode seines hochberühmten Lehrers p'vs pso *mo ntsyn **nnn mn gewidmetes Merkchen ,;i*2D ny," welches allgemeines Aufsehen erregte. Einige Jahre später in seinem 26. Lebensjahre erschien ein zweites seiner Geistesproducte „nnx nspys," welche ihm seitens des weltberühmten Mannes des bxiV* x'tw ,5xnx zfri mrt r -sxox x-n* 'nia den Titel „3n"icn vxjn einbrachte. Bekannter und verbreiteter als diese beiden Erstgenannten jedoch ist der »nrom nso,* zu welchem die anerkannte Größe, der seither verstorbene Lemberger Rabbiner S. S. Nathanson, ihm zwei niD2on sandte, die erste, noch bevor er das Manuscript zu Gesichte bekam, da ihm offenbar seine aus rabbinischem Briefwechsel bastrcnde Bekanntschaft mit ') Unlieb verspätet.