Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 34 (28.4.1884)
- Date
- 1884-04-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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567 lich nichts anderes, als was Herr Dr. Jellinek darin gefunden, so enthält er auch keine Ethik. Ein solcher Mann muß schon gut bezahlt werden , wenn er in drei Jahren eine finden und gar schreiben soll. Der Talmud enthält eine symbolische Darstellung der am Ende aller Zeiten winkenden Annäherung und Verbrüderung der gcsammten Menschheit unter dem Bilde des Levijathan; — lnnb rad. mb — und weist ferner hin, wie dieser harmonische Einklang im mensckcngksellschastlichcn Leben auch in der ganzen Natur dann hervortreten werde, indem dann die Erde ihren Ertrag kämpf- und mühelos der Menschheit zur Nahrung darbiete, so daß, wie der terminus lautet, die Traube dann den fertigen Wein schon in sich berge, ~oren \\ > Daß derartige, dem Mißverständniß und der Böswilligkeit leicht ausgesetzte allegorische Darstellungen von Eisenmenger und auch von Rohling in ihr Gcgentheil verkehrt wurden, um sie für ihre talmudfeindliche Zwecke zu verwcrthen, ist begreiflich. Wie äußert sich aber der Prediger der Wiener Eultusgemeinde Herr Dr. Jellinek über diese talmndifche Allegorie? „Daß jeder fromme Jude einst ein gutes Stück Liwjatan und ein Glas von jenem Weine erhalten wird, der so alt wie die Schöpfung, also von Anno Eins herrührt, (idiä. Seite 20.) . Dürste das nicht Rohling geschrieben haben? Wem diese Citate noch nicht genügeii sollten, um Jellineks Qualifikation als Anwalt des Talmud fcstzustcllen, der kann sie aus den Schriften des Wiener Predigers noch reichlich ergänzen. Wir wollen uns zunächst mit einigen Worten seinen beiden Herren College» znwenden. Herr Jellinek, der sich wohl auf die Zeit versteht und einen Mantel besitzt, den er nach jedem Winde hängen kann, hat in den jüngsten Jahren es durch, verschiedene talmudfreuudliche Publikationen verstanden, auch dem gegenwärtig wehenden „konservativen Hauch" Rechnung zu tragen. In drei Jahren wird er cs wohl so weit gebracht haben, den Talmud, den er in seinen „Sieben Zeit-Predigten" noch beschimpfte, durch eine Ethik zu glorisiciren. Die Antisemiten werden sich an den Jellinek der „Sieben Zeit-Predigten" halten und die Philoscmiten an den der talmudischen Ethik. So glücklich ist Herr Prof. Steiuthal nicht. Dieser hat noch vor wenigen Wochen in öffentlicher Versammlung erklärt, man müsse darauf hiuwirken, daß kein jüdisches Kind mehr etwas von dem Schulchan Aruch, also dcmDuche erfahre, das die im Talmud niedergclcgten gesetzlichem Bestimmungen codificirt enthält, damit cs auf die Anklage der Judenfeinde die Antwort geben könne, es kenne nicht einmal dem Namen nach das Buch, für das man es verantwortlich mache! Ist das nicht die Denk- und Redeweise eines Mannes, der redlich 20,000 Mark für das Jntcllcktopfcr verdient, eine Ethik des Talmud zu schreiben? Und Herr Professor Lazarus? .Wenn wir von seinen Schriften ganz abschen, wenn wir nur seine Eigenschaft als Präsident diverser Nabbinerversammlungen und Synoden ins Auge fassen, die in der ausgesprochenen Absicht zusammentraten, sich vom Talmud und seinen gesetzlichen Bestimmungen zu emancipiren, wer sähe dann nicht ein , daß dieser Mann wie dazu geschaffen ist, der eigentliche Macher der talmudischeu Ethik zu werden, und dafür auch den Löwcnantheil der 100,000 Mark einzig heimsen?! Auf diesen nervus rerum muß mail immer wieder znrnckkommen, weil er allein die Garantie bietet, daß aus der Sache nichts, wird, wenn die Herren sich nicht dazu verstehen^ billiger zu arbeiten. Der Herr Oberrabbiner vm?.Prag hat kürzlich im Aufträge der Wiener Gemeinde eine ihrer Tendenz nach ähnliche Arbeit geliefert, aber jede Honorirung dafür abgelchnt. Er hat damit nach der Ethik des Talmud gehandelt, die jenes wunderliche Beth- Din schreiben will. Herr Rabbiner Hirsch ln Frankfurt a. M. hat dieser Tage eine Schrift veröffentlicht: „Heber die Beziehung des Talmuds zum Judenthum und der socialen Stellung seiner Bekenner," die nicht nur besser ist als das, was das erwähnte Kleeblatt beim besten Willen zu leisten vermag, sondern auch hunderttauseudmal so billig, da sie für eine einzige Mark bezogen werde» kann. Die beiden Herren sind nun richtige Talmudjuden pur excellence und es wird den Herren Prof. Lazarus und Eousortcn schwer fallen mit ihnen zu concurriren. Denn jene leben und handeln bereits nach der Ethik des Talmuds, welche diese Herren erst in drei Jahren für hunderttausend Mark schreiben wollen! Oesterr.-Ungar. Monarchie. Veßprlm, 14. April. Unsere Antisemiten fangen an, ihre rohen und entmenschten Gesellen ans Lahnen zu führen, wo schon Ncligkonsschändung und Vandalismus beginnen. Nicht davon„wollen wir reden, daß man blasphcmistische Aufschriften auf die Mauern des hiesigen jüdischen Tempels hinschmicrt, welche die Religion eines ansehnlichen Theils der hiesigen Bevölkerung öffentlich schänden — wir haben leider noch Entsetzlicheres, Empörenderes zu