Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1884)
- Date
- 1884-06-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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sssamsaBS 832 dacht; die „fr o m m e n" Breslauer auf der Rabbiner- Versammlung haben gezeigt, daß er nicht so Unrecht hatte. Es ist jedenfalls eine der wenigen Lichtseiten dieser Versammlung, daß sie wieder einmal vor aller Welt gezeigt hat, wie weit die Charakterfestigkeit »nd Gesinnungstüchtigreit der Breslauer Frommen reicht! Um 3 Uhr Nachmittags erfolgte der Schluß der Versammlung, durch eine Rede von Dr. IM. Dieser reihte sich eine von Dr. Goldschmidt— Leipzig gehaltene Dankrede an die Adresse des Vorsitzenden an. Sinnig verglich er, in antisemitische Zeiten zurückgreifend, die Versammlurg mit den Farben des Negenbogens. Eine Specialisirung der einzelnen Farben, wäre noch erwünscht gewesen, wie die einzelnen Reden Grün re. rc. repräsentirten. Auch der vielfach bemängelte Ausschluß der Oeffentlichkekt hätte durch einen Hinweis auf das talmudische nppa ^anor^ nm (Chagiga fol. 16.) leicht gerechtfertigt werden können. Besonders aber wäre die beim Anblick des Negenbogens vorgeschriebene nana geeignet gewesen durch ihr finale das wackere Benehmen der Breslauer Frommen, in seiner in allen Regenbogenfarben schillernden Grazie zu beleuchten und zu verschönern, wie cs gar nicht so leicht sein müsse, sein frommes Wort auch aufrecht zn halten, wenn Wort-Halten no*<oa d'p\ uns als Specialität Gottes nahe gelegt wird, die man von weibgeborenen Amtsbrüdern daher nicht so ohne Weiteres verlangen dürfe. Ueberaus passend hätte sich Rückerts Schilderung des Negenbogens hier verwerthen lassen (Weisheit der Brahmanen XIV. Buch 57): Blick auf und sage Dir: wo ist der Regenbogen? (Sr scheinet dort dem Saume der Wolken angeflogen. Doch in der Wolke, war' er dort wohl ohn' ein Auge, Das Deinige, das ihn Dir in die Seele fange? Du wirst cs Dir bewußt: cs sind der Sonne Strahlen, Die Tu getrunken hast ans Regendogenschalen. Nichts ist das Farbenspiel, nur wirklich ist die Sonne Die lichte Täuschung doch ist Deiner Augen Wonne! Zum Schluß brachte Joel noch ein Hoch auf den Kaiser aus, in welches das „Parterre von Königen" — pan wbv i«v — begeistert einstimmte. Auf einen Wink von Dr. Lew in—Coblenz nahmen die 5—6 Rabbinen, die das Zeichen ihres Amtes aufhatten, das Käppchen ab und Lew in schwenkte es sogar, was recht gelungen aussah. Der Versammlung schloß sich Abends im Saale der Gesellschaft der Freunde (Reue Friedrichsstraße) ein Festessen an. welches die Berliner Gemeinde den versammelten Rabbinen veranstaltet hatte. Es waren 50 Rabbinen , im Ganzen 95 Personen beisammen. IM toastete auf dieHohenzollern, Prof. Steinthal auf die Rabbinerversammluug, Dr. Cohn- Potsdam auf die Berliner Rabbiner, Ludwig Löwe auf die Rabbiner, Rabb. Klemverer auf die bedeutenden Männer der Versammlung, also auf alle 68, da im Grunde genommen einer von ihnen so „bedeutend" wie der andere ist. — Zur Charakteristik des religiösen Sinnes der Festtheilnehmer, den zu heben, die Herren ja eigentlich nach Berlin gekommen waren, bemerke ich, daß 6, schreibe sechs Flaschen n»a i» consumirt wurden, und daß diese Zahl der Flaschen größer als die der Refiectanten war. Für heute bin ich zu Ende, aber mein Material ist es noch nicht. i»a atro oaua^ 'nrrnpv noo nm* Es handelte sich jedoch in diesem Berichte nur um die Betonung einiger Momente, welche vielleicht von den Redactoren der officiellen Verhandlungen aufzunehmen vergessen werden könnten. Das Erscheinen derselben werde ich abwarten, um sie dann einer Besprechung zu unterziehen. Der größte Theil der Amtsbrüder wird über nie? noch hier bleiben, wenn sie aber nächste Woche nach Hause pilgernd, den Geist der Rabbinerversammlung in ihre heimathlichen Kreise tragen, dann wird für die deutsche Judenheit eine neue Aera begonnen haben. Von der Macht ihrer interkonfessionellen Erklärung wird der Antisemitismus beschämt und besiegt die Waffen strecken, die jüdenfeindlichen Zeitungen Hören zu erscheinen auf, Löwe und Rind werden friedlich beisammen lagern und sich an dem leeren Stroh weiden, das sie in Berlin gedroschen haben. — Den religiösen Sinn aber werden sie so hoch gehoben haben, daß keine Spur mehr in den Herzen derer zurückbleibt, die von dieser Versammlung ihr religiöses Heil erwarten. Und zu derselben nebelhaften Höhe schwingen sich die durch einen neuen Verband verknüpften leichten Seelen der Ämtsbrüder empor, die mit der Religion auch aller leidigen, religiösen Differenzpunkte ledig sind, singen laut ihr neues Lied, und gestatten, was sie nicht hindern können, daß ein von ihrem hohen Geisterfluge nicht der Wirklichkeit Entrückter die Noten dazu schreibt. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 19. Juni. Wir haben heute für die Armen, Nothleidenden rc. im heiligen Lande dem Ccntralcomitö zu A m st e r d a m 2669 M.?5Pfg. überschickt. Die von uns für obige Zwecke ln diesem Jahre gesammelten und überschickten Gelder betragen