Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1884)
- Date
- 1884-06-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449453--20343-2509580- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
833 nunmehr 5876 M. 45 Pfg. — Wir benutzen diese Gelegenheit, das Mitleid unsrer geehrten Leser und Leserinnen für diese Armen anzuregen, die namentlich in jüngster Zeit durch Krankheiten und andcre'Calamitäten Vieles zu erdulden hatten. Der allgütige Gott gewahre allen edlen Spendern, die inwerkthätiger Liebe unsrer armen Brüder im heiligen Lande gedenken. Seinen reichsten Segen! England. Lsndon, 13. Juni. Der Minister für „Unterricht und Erziehung" tlio Rigth Hon: A. J. Mundclla, richtete nachstehendes Schreiben an unseren verehrten i"i, Rev. Mr. B. Spiers Privy Council Office 31. Mai 1884. Ew. Ehr würden wollen mir gestatten. Ihnen meinen wärmsten Dank für . Ihr interessantes und werthgeschätztes Werk: „Das Schulsystem des Talmud's" auszusprechen. Ich hatte zwar aus den Schriften und Conversationen des sel. Emanuel Deutsch entnommen, daß ein vorzügliches Erziehungs-System unter den Israeliten in enger Verbindung mit deren Nationalleben schon von der Zeit des Exiles an existirte und wird auch dassebe in talmudischcn Schriften eindringlich besprochen —; aber ich hatte keine Idee davon, daß dieses System so präcise dargestellt, so gut organisirt und den modernen Systemen so weit vorgeschritten war, wie dies in Ihrer Abhandlung nachgewiesen wird. ' Jhr Werkchen wird von mir als eines der werthvollsten und lehrreichsten Exemplare meiner Sammlung über Erziehungswesen geschätzt. Ich bin Ew. Ehrwürden getreuer und dankbarer A. I. Mundella. Dieses eigenhändige Schreiben unseres Ministers beweist hinlänglich, in welch' hoher Achtung der Talmud bei der hiesigen Nobilität stehet. In ähnlicher Weise äußerte sich unlängst der berühmte Dr. Nichardson bei Gelegenheit der Preisvertheilung der Stepney-School über den unschätzbaren Werth der hebräischen Literatur und legte den Schülern an's Herz ihre jüdischen sinnreichen Nameti, die von den ehrwürdigen Vätern abstammen, nicht gegen moderne, von Hohlköpfen erdichtete nichtssagende Namen zu vertauschen. Amerika. New-Uork, 25. Mai. Im Tempel der isr. Gemeinde „Gates of Hope" an der 86. Straße, sprach der Rabbiner Dr. Brown gestern Abend über die neuerdings von Dr. Gustav Gottheil gesuchte Anbahnung verschiedener ritueller Reformen, .namentlich über die Abschaffung des bisherigen Sabbats und Hcilighaltung des Sonntags an Stelle desselben. Dr. Brown begann mit den Worten, daß er nicht zu einem Einzelnen oder zu seiner Gemeinde spräche, son- ' bcrit zu den Millionen Israeliten in den Vereinigten Staaten, und zwar durch die Presse des Landes, welche sich des Gegenstandes bemächtigt habe und sich stark dafür zu interessiren scheine, wie er aus den Zeitungen aus allen Theilen der Union ersähe. Redner erinnerte dann an das alte Wort: „Herr, bewahre uns vor unfern Freunden!" und bedauerte, daß es soweit unter den israelitischen Gemeinden gekommen sei, daß sie sich gegenseitig befehden müßten. Er ging dann direkt zur ursprünglichen Einsetzung des Sabbats über und bewies an der Hand der Geschichte, daß der jüdische Sabbat selbst noch: hundert Jahre von Christen gefeiert worden sei, dann erst sei der Sonntag eingesetzt, doch nicht als Tag der Ruhe, sondern als Tag der Freude. Dreihundert und zwanzig Jahre später sei der Sonntag dann endgültig als der christliche Feiertag erklärt worden, mithin habe es schwer gehalten, den jüdischen Sabbat, als den traditionellen Ruhetag, selbst bei den Christen abzuschaffen. Der Rabbiner kam dann. speciell auf den Urheber dieser beabsichtigten Rcforni, den Rabbiner der Emanu-El-Gemcinde, zu sprechen und protestirte im Namen der übrigen Gemeinden des Landes in beredten Worten gegen eine solche Zumuthung, selbst wenn dieselbe von einer sogenannten leitenden Gemeinde ausginge. Etwas müsse in derselben faul sein, denn wenn sie auch die reichste Gemeinde sei, so sei sie doch zugestandenermaßen religiös bankerott, ihr Tempel stände öde und verlassen, ihre Kinder verständen kein Hebräisch, sie muffe zu allerlei Neuerungen greifen, um das erlahmte Jutercffe aufzufrischen, und gäbe er ihr den guten Rath, einen freien Lunch einzuführen oder Bob Jugersoll als Sprecher zu engagiren — das würde ziehen uub die leeren Bänke wieder füllen. Im weiteren Verlauf seiner Rede sprach der Redner sein Leidwesen aus über das Auftauchcn „dieser neuen Sorte von isr. Theologen"; in Sr. Louis habe einer der Rabbiner die Einsetzung des Weihnachts-Festes empfohlen, in Cincinnnati ein anderer die Abschaffung dcr Bcschneiduug und es scheine fast den Anschein zu haben, als wenn man aus den Juden noch Nnitaricr machen wolle, was vorläufig nur den Nachthcil hätte, daß sie ihren Geistlichen dann dreimal so viel Salär zahlen müßten. Er sagte dann, daß, im Gegensatz zur Emanu-El-Gemeinde, die übrigen Tempel New- Nork's sich eines lebhaften Besuches erfreuten, welche er in folgender Weise klassificirtr: Die orthodoxe