Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1884)
- Date
- 1884-06-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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m XXV. Jahrgang. Erke Seilage zu Nr. 50 -cs Israelit Leitender Artikel. Die Mreskauer unter sich. (Schluß.) Aus der geheimen Sitzung muß ich noch ein Moment herausgreifen, das für die Auffassungder Betreffenden, etwas rühmliches ist, und dessen Veröffentlichung daher Dnu'tto keine Indiskretion bedeutet. — Die Herren Dr. Werner und Kroner setzten nämlich eine Resolution durch, daß der erwähnte dem roser!?i}n vorzubeugen bestimmte Antrag nur aus formalen, nicht aber aus materiellen Gründen abgelehnt worden sei. Diese Resolution setzt allem bisherigen die Krone auf und wirft ein charakteristisches Streiflicht auf die Gesinnungstüchtigkeit des rechten Flügels, auf die Ehassidim der Breslauer Schule. Daß an der Spitze dieser Versammlung D'-od und Ostens standen, die im Abfall und Treubruch schon soweit vorgeschritten sind, daß sie an die Möglichkeit glaubten, man brauche die schneidenden Gegensätze nur todtzuschweigen, um sie auch zu beseitigen und ein einheitliches Zusammenwirken zu ermöglichen — das war von vornherein Jedem bekannt. Begierig durfte man nur sein, wie sich die „frommen" Breslauer zu dem Ansinnen in dem Momente stellen würden, der sie mit ihren angeblichen Antipoden unter einen Hut bringen will. Daß sie mit Worten wacker streiten würden, war sicher, die Frage war nur ob und in wie weit sie diesen Worten auch die That folgen laffen. Sie gebehrdeten sich also in Wirklichkeit auch ganz fromm. Als Kroner im Namen seiner Gesinnungsgenossen erklärte, die interconfessionellc Erklärung nicht unterzeichnen zu können, vergaß man einen Augenblick, daß er sich um ein Rabbinat an einer Orgclsynagoge bewirbt, als Schwarz gegen den ros? ^rn seine Zwischenrufe in die Versammlung warf, vergab man den njv, den er selber öffentlich durch Uebertretung des nttsm begeht, aber all diese Wortheiligkeit hinderte die Herren nicht, schließlich in Bausch und Bogen zu Allem Amen und Placet zu sagen, und so ihr Wort durch ihre That zu dcsavouiren. Die Thatsache, daß rav pftrj für diese Versammlung einen religiösen Differenzpunkt bildet, haben die Herren Antragsteller und ihre Gesinnungsgenossen in cclatanter und schneidiger Weise constatirt. Sie habeu den tiefen Riß gezeigt, der zwischen ihnen und dem Gros der Versammlung klafft; statt nun mit männlichem Ernst die Konsequenz ihrer eigenen Reden zu ziehen, kleben sie ein englisches Heftpflaster in Form einer Resolution über diesen Riß, und bereden sich und andere, der Riß sei setzt geheilt!! — Von ihrem Meister haben sie doch dieses Auftreten in einer Rabbinerversamnilung nicht gelernt. — Als die Frankfurter Nabbincrvcrsammlung die Frage verneinte, ob die Rabbinen streben sollen, - das Heb-, räische im Gebet zu bewahren, und die Beibehaltung nur als rathsam erklärte, damals trat Frankel aus dieser Versammlung aus und motivirte seinen Austritt durch ein Schreiben, welches folgenden Passus enthält: . „Die gestrige Sitzung führte zu einem Resul- „tate, dessen ich nur mit Kunnner gedenken kann;. „nur mit tiefem Schmerze rufe ich mir zurück, „daß in einer Rabbinerversammlung eine Frage „zur Abstimmung kommen konnte, eine Frage so- „gar durchsiel, die einen mit den religiösen Interessen des Jndcnthums auf's innigste verwachsenen „Gegenstand behandelte und von den Religions- „führern des Volkes doch zumeist in Schutz ge-.' „nommen werden mußte. — — — — Aus diesen „Gründen sebe ich mich veranlaßt, nicht nur gegen . „obigen Beschluß laut zu protestiren, sondern „zugleich zu erklären, daß mein Standpunkt ein „ganz anderer als der der Versammlung sei und „ich in ihrer Mitte nicht Sitz und. Stimme haben „kann." (Protokolle der II. Rabb.-Vers. Seite 87—89.) Halb wie sie in Allem sind, haben sie von ihrem Meister nur das Protestiren acceptirt, im klebrigen bleibt es beim Heftpflaster, selbst wenn eine Frage durchfällt, die, wie oiv vnn, einen mit den religiösen Interessen des Jndcnthums doch noch viel inniger verwachsenen Gegenstand behandelt, als die bloße Rathsamkeit des Hebräischen im Gebete. Ihr Mund-spricht fromm, aber ihre That zeigt, was von der Frömmigkeit ihrer Worte zu halten ist.!npn. — Ich hatte einen Bekannten, dessen excentrisches Wesen auch seinen Glöffen und Bonmots anhaftete. Dieser sprach, wenn von den Breslauern die Rede war, immer per Briß-lan von ihnen, weil man, wie er sagte, nicht mit ihnen nnu mo sein könne. An diesen Mann habe ich in den jüngsten Tagen oft gem