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Der Israelit · 1884-06-23 · Heft 50 (23.6.1884) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 50 (23.6.1884)
Date
1884-06-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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830 Nahe! streichelte die Wangen des Knaben. i „Wir gehen ja schon. Simon!" beruhigte sie ihn. j An den Amtsrichter gewandt, versetzte sie mit \ lieblichem Lächeln:! „Sie sehen, Monsieur Simon wird ungeduldig, ' Soll ich vielleicht den Todtcngräber beauftragen, einen! Wagen für Sie zu besorgen?"! „0 nein! Ich danke recht sehr!" entgegnete! der Amtsrichter mit einer liefen Verbeugung. ..Aber in diesem beschmutzten Anzug können Sie doch nicht durch die Stadt gehen!" — wagte Nahet mit mißbilligender Gebehrde zu bemerken. „Ich werde mir von dem Todtcngräber eine Bnrsie geben lassen." — crwicderte der Amtsrichter mit Ruhe. „Dann Adieu, mein Herr!" - „Adieu mein liebes Fräulein, nochmals meinen herzlichen Dank." „O ich bitte!" Mit sprachlosem Entzücken schaute der Amtsrichter der mehr schwebenden als gehenden jugendlichen Gestalt nach, welche den Knaben an der Hand führend, dem Thore zuschritt. Was war nur mit ihm geschehen? - Welche Umwandlung ist mit ihnl vorgegangen? Er glaubte alle Gefühle der Liebe seien bei ihm erstorben. Die Jntriguen eines Weibes stürzten ihn in einen endlosen Abgrund und seit jener Zeit glaubte er, daß sein Herz zu Eis erstarrt und keiner warmen Regung mehr fähig sei. Und jetzt? Ja, jetzt preßte er seine Hand an die Brust, um das Pochen seines Herzens zu beschwichtigen. Sollte auch ihm noch das Glück des Friedens zu Theil werden? Sollte er in der That noch für seine Enttäuschungen belohnt werden? . Er faßte sich mit beiden Händen an den Kopf, er wollte sich vergewissern, daß er nicht träume. Wo sind nur die beängstigenden Gefühle der Rath- und Friedlosigkeit hingekommen? — Wie frei athmete er jetzt! Reizender und schöner erschien ihm die Welt als jemals. Er warf noch einen langen Blick zu dem Grabe seines Vaters hinüber, und dann hoben sich seine Augen zum Himmel empor. „Dank, Dank, allmächtiger Gott! Deine Gnade ist zu groß für den Sünder!" murmelte er wonnetrunkenen Blickes. Rebb Susmann war nicht wenig erstaunt, den .Herrn, welcher ihm den Thaler gab, von der die Schnapsflasche den besten Beweis gab, daß er die richtige Verwendung gefunden, in sein Stübchen emtreten zu sehen. Das Gläschen, welches er im Begriffe war, zu seinem Munde zu führen, fiel ihm aus der Hand. „Was ist dem gnädigen meschug ... Herrn gefällig!" — kreischte Susmann mit heiserer Stimme und machte eine Verbeugung nach der andern. „Darf ich Sie vielleicht um eine Bürste ersuchen!" entgegnete der Amtsrichter, ein Lächeln unterdrückend. „Eine Bürste?" — fragteSusmann und machte eine Gebehrde, als wolle er sich vor einem Wahnsinnigen schützen. — „Ich, eine Bürste?" „Ja ich bitte Sie, mir eine Bürste zu geben!" sagte der Amtsrichter verdrießlich. „Ich, eine Bürste?" — wiederholte Susmann wie geistesabwesend. — „Ich, eine Bürste! Habe eine solche mein Lebtag noch nicht gebraucht!" „Dann bestellen Sie mir einen Wagen!" — lachte Amtsrichter Stein. „O das ist gleich geschehen!" entgegnete Susmann und setzte seinen Hut auf — „wollender gnädige Herr nicht nnterdeß Platz nehmen?" Er schob den einzigen Stuhl den er besaß, vor den Amtsrichter und verließ mit schwankenden Schritten — die Wirkung des Branntweines — das Stübchen. In wenigen Minuten kam er mit einem Wagen zurück. „Ich danke Ihnen sehr" — sagte der Amtsrichter, während er in den Wagen stieg und drückte noch ein Geldstück in die Hand das R>bb Susmann, welcher vor Schreck zusammenzuckte. „Habe ich es nicht gesagt" — kreischte Rebb Susmann dem fortrollendcn Wagen nachschanend. — „Der ist Choser Deho, zuerst gibt er mir für nichts und wieder nichts einen Tahler, dann verlangt er von mir eine Bürste, jaja, eine Bürste. Zum Schluffe gibt er mir . . . .!" „Na wie viel gab er mir?" — er schaute aus das Geldstück in seiner Hand. „Ah er ist Meschngge und Choser Deho!" — schrie Susmann. laut — er gab mir noch einen Thaler. (Fortsetzung folgt.) MU" Die Fortsetzung der Erzählung „Nur standhaft" erscheint in der nächsten Nummer. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redactton: vr. Lehmann in Main,. — Verlag nnd Expedition de» .JSraeNt' große Bleiche 45. Z. Äot t «lebe»'» Buchdruckerei (Mainzer Anzeigers

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