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Der Israelit · 1884-06-23 · Heft 50 (23.6.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 50 (23.6.1884)
Date
1884-06-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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mnq ' V'- 829 heute aber in Folge der nnausgesetztenVedrückungen ' bis weit unter oie Hälfte obiger Ziffer herabgesunken ist! Und schließlich bestand dann auch der gesaunntc! Effekt der vom Berliner Kongreffe ergriffene iniernationalen Initiative zur Lösung der rumänischen Judenfrage darin^ daß nach mancherlei Schwierigj leiten eine Neuformulirung des Artikels VII. der! rumänischen Verfassung ausfindig gemacht wurde, welche trotz der prinzipiellen Anerkennung der bürgerlichen Gleichberechtigung aller Konfessionen dem rumänischen Antisemitismus doch Mittel und Weg genug darbot, um jeden Israeliten ohne Angabe eines Grundes vom rumänischen Bürgerrechte auszuschließen. Wirklich wurden denn auch alle von Israeliten eingebrachten Jndigenatsgesuche, welche nicht unter dem frischen Eindrücke der Verhandlungen des Berliner Kongreffes eingebracht worden waren, mit nur spärlichen Ausnahmen abschlägig beantwortet. Ja, viele Herren Senatoren und Deputirten machen gar kein Hehl daraus, daß für sie die israelitische Konfession eines Jndigenatswerbers ein hinreichender Grund zur Verweigerung des Bürgerrechtes ist. Doch ist das schließlich eine Sache, an welcher bei dem heutigen Stande der Dinge nicht viel zu ändern ist. Eine andere Frage ist es aber, ob Rumänien nicht dazu verhalten werden kann, um jenen im Lande ansässigen Israeliten, welche kein anderes Vaterland kennen, nicht wenigstens die Heimathsberechtigung zuzugestehen mW ihnen durch die Ausstellung entsprechender Legitimationsurkunden dem Auslande gegenüber wenigstens jenes Recht der Freizügigkeit zu sichern, dessen allseitige Uebnng unser Jahrhundert mit Fug und Recht verlangen darf. Heute ist Rumänien für seine Landeskinder israelitischer Konfession zu einem großen Ghetto geworden, deffen moralischer Zwang '.tiefer und schwerer empfunden wird, als die Schranken in welche der Glaubenshaß des finsteren Mittelalters den jüdischen Mitbürger zurückdrängeu zu niüsien glaubte. Beweis deffen der Ilmstand, daß dem durchwegs in antisemitischem Fahrwasser segelnden Botuschaner Lokalblatte zufolge auf Grund des Gesetzes, welches nur rumänische Vollbürger zur Ausübung der Schankgerechtigkeit in den Landgemeinden berechtigt, auch solche israelitische Einwohner aus den Dörfern der Moldau vertrieben wurden, welche im Ackerbau ihren Lebenserwerb finden. Ueberhaupt ist es eine irrige Ansicht, wenn man glaubt, daß der rumänische Antisemitismus sich auf den Vorwand stützen kann, daß die Juden des Landes mit Vermeidung aller produktiven Arbeit blos vom Schacher leben. Ter Jude Rumäniens hat vielmehr zu allen ihm zugänglichen Erwerbszweigen gegriffen und namentlich dem Handwerk, eine große Zahl tüchtiger Kräfte zusogar neben dem emgewanderten Deutschen geradezu als eine der Hauptstützen des Gewerbes zu bezeichnen, ebenso wie er als Pächter kleinerer Landgüter (der Grundbesitz ist ihm als Nichtvollbürger selbstverständlich verwehrt) redlich zur Erhöhung der Produktionskraft des Landes beiträgt. Daß der Rumäne, den Traditionen des alten Bojarendünkels folgend, seine direkte Mitwirkung am Handwerk vielfach als erniedrigend betrachtet und lieber zu den entwürdigendsten Erwerbszweigcn greift, als sich durch Arbeitssamkeit eine weniger problematische Existenz zu sichern, daß ferner ein großer Theil unserer Großgrundbesitzer an den Folgen einer sinnlosen Verschwendung zu Grunde geht — daran ist der Jude Rumäniens wahrlich ebensowenig Schuld, als an der Demoralisation unseres politischen und Vcrwaltungswesens, von welcher die Blätter tagtäglich die haarsträubendsten Berichte zu bringen haben. Schreiber dieses ist kein Jude und stehtim Solde keiner Partei. Aber der Wahrheit gerecht zu werden und auf die seltsamen Widersprüche aufmerksam zu machen, in welche Rumänien zu den Intentionen des Berliner Kongresses bezüglich Lösung der Jndenfrage gerathen ist, ist schließ- ' lich Sache der publizistischen Ehrenhaftigkeit. (Fr. Zt.) . Fenillelo n. Z-lus dem Leben eines ortljodorm Aabbiners. Skizze von Dr. Sta (Fortsetzung.)' „Fühlen Sie sich wieder unwohl?" frng Rahel mit warmem Interesse. „O nein" — fuhr er aus seinen Gedanken auf — „nicht im Mindesten; ich dachte aber, daß Sie mich verachten werden, wenn ich Ihnen sage, daß ich vor wenigen Wochen noch meinen Bruder in dem Moment verleugnet habe, wo er mir seine Hand liebevoll cntgegcnstreckte. O verachten Sie mich nur, liebes Fräulein! ich verdiene Ihre Verachtung!" — rief er aus, als sie ihn mit sprachlosem Entsetzen ansah. „Ich Sie verachten?" brach es zögernd über ihre Lippen. — Sie schlug tief beschämt ihre Augen nieder, dann, versetzte sie: „Nein, ich habe keinen Grund Sie zu verachten. Ich glaube mit Gewißheit, daß Ihr Herr Bruder Ihnen gerne verzeihen werde, wenn er erfährt, daß Sie den begangenen Fehltritt wieder gut zu machen suchen. Meinen Sie cs nicht ebenfalls so?" „Tante Nahe!" — rief der Knabe, dem die Uuterhaltnug langweilig zu werden schien und zupfte Rahel am Kleid. — „Tante Rahel, laß uns nach Hanse gehen, mich hungert so sehr!"

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