Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1884)
- Date
- 1884-06-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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826 aufmerksam liest, findet, daß es nicht die groben Kapitalisten sind, welche die Achtung gebietenden Summen für humanitäre und gemeinnützige Zwecke zusammenschießen. Der Mittelstand ist es, und die ärmere Klasse, welche mit ihren einzelnen Mark- und Pfennigbeiträgen die Summen aufbringen, durch welche den: geistigen und leiblichen Nothftand leidender Glaubensgenossen Linderung gebracht wird.' Die hochherzigen Schenkungen jüdischer Neichen sind leider vereinzelt dastehende Ausnahmen der Regel, daß auch jüdische Herzen durch den Besitz von Geld hart und unempfindlich gemacht werden. Wenn die der materiellen Unterstützung bedürftigen, jüdischen. Anliegen auf die Reichen angewiesen wären, so wäre es schlecht um sie bestellt. Woher sollten also die beträchtlichen Capitalien kommen, welche für eine Subvcntionirung der Presse erforderlich sind? Man darf getrost sagen, daß auch nicht eine einzige Mark nachzuweisen ist, welche von Juden verausgabt wird, um politische Zeitungen zu Gunsten der Juden zu stimmen. . (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutsch lau d. Würzburg, im Juni. (Eine Zeiterscheinnng). Der jüd. stuck, meck. B. G-. hatte in einem Duell eine Wunde erhalten, zu deren Heilung er in das Jnlins-Hospital verbracht wurde. Sei es im Schmerze der Wunde oder im Fieberdelirium, in einem unbewachten Augenblicke stürzte er sich vom dritten Stock zum Fenster herab und war sofort eine Leiche. Da er dem Studentcncorps Frankonia angehörte, so übernahm dasselbe die Besorgung des Leichenbegängnisses, woran sich denn die ganze Studentenschaft unter allen üblichen Ehrenbezeugungen betheiligte. Es war ein großartiges, pompöses Lcichenbegängniß vom Spital nach dem Bahnhof bei Musik und Fackeln, aber es war ein confesfionsloses, es hatte sich weder die jüdische noch christliche Geistlichkeit daran betheiligt und auch die Beerdigung war keine jüdische, denn die Leiche wurde nach Gotha transportirt, um dort verbrannt zu werden. Eppingen, 17. Juni. Die Nr. 46 Ihres geschätzten Blattes enthält einen Artikel datirt Evpingcn den . . welcher nicht weniger als denGroßh. Oberrath der Israeliten, den Rabbiner, den Synagogenrath nnd den Lehrer, also alle jüdischen Angestellten und Behörden angreist. In Erwägung nun, daß bei Uneingeweihten der Verdacht der Beschuldigungen sich in erster Reihe auf das Naheliegende, also auf hiesige Verhältnisse gelenkt werden könnte und aus Grund des D.-vm wird hiermit erklärt, daß der Eorrespondent nicht hiesige Verhältnisse im Auge gehabt haben könne, da jene^ Anschuldigungen nicht für die hiesige Gemeinde- und Schulverhältniffe passen, indem Alles hier in Ordnung ist. Bei dicler Erklärung dürfen wir aber nicht unerwähnt lassen, daß in dem Artikel Behauptungen enthalten sind, die einer Zurückweisung bedürfen. Es ist nicht der Wahrheit entsprechend, daß der Großh. Oberrath der Israeliten die Zeit des wöchentlichen Unterrichts in den besonderen israelitischen Religionsschnlen auf 9 Stunden festgesetzt habe, sondern derselbe hat durch Beschluß der Religions-Conferenz v. 18. Februar 1881, die wöchentliche Unterrichtszeit aus 18 Stunden bestimmt. (Hier werden aber freiwillig und unentgeltlich 6 weitere, also 24 Stunden Religionsunterricht ertheilt. Außerdem noch an Abenden und an: ra» Nachmittag.) Es ist ferner nicht der Wahrheit gemäß, daß ein Rabbiner Badens nur dann zur Prüfung einer Schule komme, wenn er von der Gemeinde dazu aufgefordert wird, sondern es werden in allen Schulen des Landes, sogar in solchen von geringer Kinderzahl, alljährlich und ohne besondere Aufforderung seitens - der Gemeinden Prüfungen abgehalten. Der Bescheid über dieselbe, das wird Niemand bestreiten, ist jedenfalls mit größerer Wahrheitsliebe geschrieben, als die Anschuldigung, daß die Rabbiner falsche Prufungsbescheide ausstellen. Die Prüfenden werden sich durch den Eorrespondentcn, nicht irre machen lassen und werden auch ferner dein erprobten, fleißigen und pflichttreuen Lehrer zu seiner ferneren Aufmunterung im Dienst die verdiente Anerkennung nicht versagen. Was der Correspoudent weiter geschrieben hat. können wir nicht beurtheilen. da weder Name noch Ort genannt wird und deshalb auch nicht, wo ein Kind von 10 Jahren getroffen wurde, das noch nicht lesen kann. Es ist ja möglich, daß die Absichten des Correspondenten die besten sind; es wäre ihm jedoch sehr zu rathen, vorsichtiger zu sein und nicht durch allgemein ausgesprochene Anklagen, auch Männer zu verdächtigen, die durch Fleiß und Berufstreue alle Anerkennung verdienen. * B. AnS Thüringen. Am 12. d. M. spielte, wie bereits kurz berichtet, vor der Strafkammer in Eisenach ein antisemitischer Preßprozeß, dessen Ausgang cs wohl verdient, Notiz von ihm zu nehmen. Der Redakteur derin Kaltennordheim erscheinenden „Feldazeitung", eines wenig verbreiteten Blättchens, Herr Unglaube, hat schon seit einiger Zeit in demselben Stylübungen in antisemitischen Hetzartikeln zu Tage gefördert. So brachte er auch vor Kurzem eine