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Der Israelit · 1884-06-23 · Heft 50 (23.6.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 50 (23.6.1884)
Date
1884-06-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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I 825! Eine solche statistische Darstellung wurde -aber nicht nur zur Richtigstellung dieser antisemitischen Lüge, sondern nicht minder auch zur Orientirung über den fördernden und hemmenden Einfluß der Prcffe auf die Bestrebungen des Antisemitismus schr wesentlich beitragen und gewiß für viele jüdische Kreise recht überraschende Resultate zu Tage fördern. Es fehlt nämlich nicht an Anzeichen, welche darauf Hinweisen, daß der Einfluß der Presse ans die Beurtheilung jüdischer Angelegenheiten vielfach zu niedrig und andererseits auch wieder zu hoch geschätzt wird. Es haben doch sicher wenige eine Ahnung von der Zahl, Tendenz, Organisation, und Verbreitung der Flugschriften und Zeitungen, welche die Judenfeinde täglich unter die Massen streuen, um den friedlichen Sinn der Leser zu vergiften und ihn gegen ihre jüdischen Mitbürger zu verbittern. Ebenso fehlt es an einem Neberblick über diejenigen Organe der Presse, welche sich berufen fühlen, diesem schmachvollen Treiben entgegen zu treten. — Das bedeutsame Interesse an einer solchen Zusammenstellung, springt so von selbst ins Auge, daß cs hier nicht weiter bcleucktet zu werden braucht. Allzuschwer erscheint die Ausarbeitung einer solchen Statistik nicht. An Verzeichnisten sämmtlicher deutscher Zeitungen fehlt es nicht, es handelt sich nur darum sie für den genannten Zweck zu gruppiren. Dieselben zerfallen in zwei Hauptgruppen, in jüdische und nichtjüdische Zeitschriften. Unter erstcren, sind die von und für Juden redigirtcn Wochen- und Monatsschriften zu verstehen, die aber alle zusammen noch kein volles Dutzend ausmachcn. Sie können bei einer Arbeit wie die bczeichncte, ganz außer Acht bleiben; vielleicht böte aber auch diese Veranlassung erwünschte Gelegenheit zu einer Bemerkung über diese eigentliche, einzige Vertretung der Judenpreffe. In diesen Zeitschriften, die meistens Partei-Organe der verschiedenen religiösen Richtungen innerhalb der deutschen Jndcnheit sind, gehen die Wogen des Meinungsstreites oft recht hoch. Hinsichtlich ihrer Auffassung der intercoufessionellen Stellung des Judenthums sind sie aber alle von den gleichen Anschauungen und Principicn getragen. Die Organe des orthodoxen wie des reformirten Judcnthums sind von dem Geiste der Vaterlands- und Menschenliebe so voll und ganz durchdrungen, daß dieses Moment fast das einzige allen Richtungen gemeinsame ist. Man kann sich denken, mit welcher Aufmerksamkeit die judenfeindliche Hctzprcsse jede Zeile dieser Judenblätter xar exeollenee beschnüffelt und der Umstand, daß dieselben auch nicht den leisesten Anhalt zu antisemitischem Klatsch bieten, zeugt von der Vortrefflichkeit des Geistes, mit dem die sociale Stellung der Juden von den jüdischen Zeitschriften begriffen und vertreten wird. — Dicjüdisch. Zeitschriften selbst können dieses höchst beachtnngswerthc Momcnt nicht Angehend erörtern und ins rechte Licht setzen, ohne'sich den Verdacht des. Sclbstlobcs zuznzichcn. Aber in einer Statistik der Judenpreffe, wäre eine Betonung dieses Punktes wohl am Platze. Die sämmtlichcn in Deutschland erscheinenden übrigen Preß-Erzeugnisse ließen sich unter diesem Gesichtspunkte in 'folgende 1.0 Rubriken vcrthcilcn. 1) Jndenfcindlich-Klerikale llHcrmania, re.) 2) Judcnfcindlich-Sociale (Staatsbürger-Zcitnug). 3) Politische Zeitungen mit jndenfrcnndlicher Tendenz (Vossischc Zeitung). \ 1) Politische Zeitungen mitjndcnfcilidlichcr Tendenz (Krcuzzeitung). 5) Politische Zeitungen, die nur bei bestimmten Anlässen (Llntanklage n. dgl.) und dann nur ganz objcctiv — also günstig — berichten. Hiezu gehören die meisten liberalen Zeitungen.. , 6) Politische Zeitungen, die auch ohne bestimmte /■, Veranlassung über Inden und Judcnthnm unparteiisch rcfcrircn. — Diese Kategorie ist leider sehr schwach vertreten. In mustergiltiger Weise zeichnet sich unter ihr ' die „Allgcmeine Zeitung" aus, welche (früher in Augsburg) in München erscheint. Dieses Blatt, das ganz besonders die politische Stellung der Inden in Oesterreich-Ungarn in unbefangener Weise bespricht, zählt unter seinen vielen Vorzügen, auch seine Referate über Inden und Jndenthum. 7) n. 8) Jndenfreundliche und jndenfcindliche Wochenschriften, Monatsschriften, Revuen, ohne politische Tendenz zur Belehrung und Unterhaltung. (Jllustrirte Welt, fliegende Blätter, Wahrheit rc.) 9) u. 10) Broschüren und Flugschriften anti- und philoscmitischer Tendenz. Dieses Schema, das noch sehr der Erweiterung und Verbesserung fähig ist, wäre im Sinne der ausznarbcitcnden Statistik auszufüllen. Es wären die in jeder Provinz erscheinenden Zeitungen zufammenznstellen, und diese Zusammenstellung an einzelne in der betr. Provinz seßhafte Vertrauensmänner mit der Bitte znzusenden, die einzelnen Zeitungen nach diesem Schema zu gruppiren, und etwaige Bemerkungen noch, bcizusügm. — Wenn jüdisches Eapital Einfluß auf die Prcpe ansnbt, so wäre dieser Einfluß doch nur unter der Rubrik 3, 7 u. 9 zu suchen. Zu finden ist er sicherlich nirgends, denn es ist gar nicht abzusehen, von woher das jüdische Eapital kommen soll, das für solche Zwecke erforderlich ist. Das jüdische Geld fließt so leicht nicht, als man in vielen Kreisen zu glauben scheint. Wer z. B. die Spendenlisten in den jüdischen Blättern

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