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Der Israelit · 1884-06-19 · Heft 49 (19.6.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 49 (19.6.1884)
Date
1884-06-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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rnoBm u 813 Familien der Lebensunterhalt gewaltsam genommen wird. Dazu kommt eine Reihe anderer Chitonen, welche speciell gegen die jüdische Handwerker gerichtet sind. Euer Excellenz! Das vorauszuschende plötzliche Hereinströmen der ärmeren jüdischen Bevölkerung Rumäniens nach Oesterreich wird eine Verlegenheit sein auch für die k. k. Negierung und Euer Excellenz erlaube ich mir gehorsamst der Erwägung zu unterbreiten, ob es nicht rathsam wäre von den diplomatischen Agenten der k. k. Negierung über die Lage insbesondere des ärmeren Theiles der jüdischen Bevölkerung in Rumänien, über die Maßregeln der dortigen Negierung gegen dieselben, über die voraussichtlichen Folgen dieser Maßregeln genaue Berichte abzuverlangen und event. in dieser Angelegenheit irgend welche diplomatische Schritte zu unternehmen, zur Wahrung des internationalen Rechtes, der Interessen österreichischer llnterthanen und zum Schutz gegen mancherlei Verlegenheiten für die k. k. Regierung. Wir wünschen und hoffen, daß dieser verdienstvolle Schritt des Herrn Abgeordneten nicht ohne Wirkung bleiben werde. - F e it Ule t p st. Kur standhaft! xLvn. „Habt Ihr denn mein Telegramm nicht erhalten?" fragte August seine Eltern. Sie hatten keins erhalten. Auf der Station, auf welchem August es anfgegeben hatte, war der Andrang so groß gewesen, daß in der Beförderung der Telegramme eine namhafte Verspätung cingetreten war; nur die Reporter der Zeitungen hatten ihre Depeschen als dringend aufgegeben, so daß die Extrablätter die Kunde von dem schrecklichen Ereignisse früher gebracht, als die Privattclegramme angekommen waren. Aehnlich war es auch mit der Depesche gegangen, welche August an Bernhardine abgcschickt hatte. Die Nachricht von dem Eisenbahnunfalle hatte Bernhardine und deren Großmutter in die größte Aufregung versetzt. Bernhardine malte sich das Unglück, welches August betroffen haben konnte, mit den grellsten Farben aus. „Vielleicht," sagte sie zu Frau Bndweis, „liegt er schwer verwundet in einer elenden Bauernhütte, verlassen und ohne Pflege! Ich werde Hinreisen und ihn aufsuchen." Die Großmutter stimmte zu, und eine Stunde nachher fuhr Bernhardine nach der nächsten Eisenbahnstation und stieg in den Eourierzug ein, der nach der Richtung von D. abging. Kaum war die junge Dame fort, so kam das Telegramm, in welchem August meldete, daß er unversehrt geblieben. Gern hätte Frau Budwcis ihre Enkelin zurückberufen — — es war zu spät; auch schien es unthnnlich, ein. Telegramm nachzusenden. Unterließ fuhr Bernhardine voll Angst und Besorgnis der Stätte des EisenbahnnnfallS zn. Alle Züge hielten daselbst, weil von weit und breit die Freunde und Verwandten der Unglücklichen dorthin eilten. Bernhardine stieg aus und sah mit Schrecken die noch nicht weggeräumten Wagentrümmer und die Vlutspnren der getödteten oder verwundeten Menschen. Sic begab sich in das benachbarte Dorf, in jedem Bauernhaus einkehrend und den Geliebten suchend. Sollte sie sich freuen oder darob bekümmert sein, daß sie ihn nicht fand? War er unversehrt geblieben, war er leicht verwundet oder war er gar getödtet morden? Bernhardine war bis ans Ende des Dorfes gekommen und trat in das Haus der jüdischen Wittwe, wo August den armen Polen untergebracht hatte. Die Wittwe trat ihr entgegen und verneigte sich vor der vornehmen Fremden bis auf die Erde. ' «Sind auch bei Ihnen," fragte die junge Dame, „Verwundete untergebracht?" „„Ja wohl,"" sagte die Wittwe, „„ein armer Pole, der eine Quetschung am .Bein erlitt. Es geht ihm sehr gut, und er wird bald wieder gesund sein.. Eben schläft er. Ja, wenn der junge Herr Liffauer nicht gewesen wäre . . . ."" -,Sie kennen Herrn Liffauer?" „„Er war auch in dem verunglückten Zuge. Er hat den armen Mann hierheraebracht, dem ich mein einziges Bett cinräumen mußte. Alles hat der liebe junge Herr bezahlt, und ich habe mir auf seine Kosten ein neues Bett anschaffen müssen."" „Ist Herr Liffauer verwundet worden?" „ .Gott sei Dank, es ist ihm nicht das Geringste passirt. Nur seine Kleider waren von Blut überströmt, weil er geholfen hat, die Todtcn und die verwundeten Menschen hervorzuziehcn. Sind Sie vielleicht seine Schwester?"" „Nein, Herr Liffauer hat gar keine Schwester." „„Dann sind Sie wohl seine Eousine?"" „Auch das nicht." „„Was ist er Ihnen denn, daß Sie sich so genau nach ihm erkundigen?"" „Ich bin seine Braut."

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