Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 49 (19.6.1884)
- Date
- 1884-06-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Wer ner—Danzig und Kran er—C-rsnrt cinbrachten. Dasselbe lautete (dem Sinne nach): „Auch soll der Rabbiner dafür sorgen, daß die Kinder in der Schule den Sabbat zu entweihen nicht gezwungen sind." An den privatim gepflogenen Verhandlungen zwischen einem der Antragsteller und dem Vorsitzenden konnte jeder sehen, daß sich letzterer nur schwer zur Verlesung des Antrags verstand, weil er religiöse Differenzpunkte berührte. Die Antragsteller und ihre Gesinnungsgenossen drängten aber so ungestüm auf Verlesung ihres Antrags, daß cs zum Eclat gekommen wäre, wenn man nicht ihrem Drängen Rechnung getragen hätte. Vorsitzender Bamberg er erklärt daraufhin, daß es ihm fern läge, den Antrag zu unterdrücken, das Papier sek nur heruntergefallen, er bringe ihn aber jetzt zur Verlesung. In kurzer, schneidiger Weise begründete Werner den Antrag, der das Nebel berühre, an dein unsere Verhältnisse kranken, deshalb müsse hier eingeschritten werden. Eine große Anzahl von Kindern frommer Eltern, werden mittelbar gezwungen, den Sabbat zu entweihen, der Rabbiner müsse sich? mit dem Schuldirector ins Benehmen setzen 2C. Dagegen ereiferte sich, wie bei ähnlicher Gelegenheit schon früher, auch jetzt wieder Herr Dr. Joel, der sich durch diesen Eifer als würdiger Präsident dieser Gesellschaft bewährt hat. Man könne dann ebenso gut auch die Speise-Verbote oder andere Dinge hineinsetzen und dann — — Es entstand nun ein so heilloser Tumult und wüster Lärm, daß Alles außer Rand und Band gehen zu wollen schien. Dr. Gronemann—Hannover wollte reden, wurde aber niedcrgeschricen. Wie geronnene Milch liefen die Amtsbrüder zusammen und stürzten sich auf die Antragsteller, siebestürmend, den unheilvollen Zankapfel wieder wegzunehmen. „Wenn Werner den Antrag zurückzieht," rief! Gronemann dazwischen, „so nehme ich ihn auf." Er blieb aber fest, obwohl das Schicksal des Antrags entschieden war. Er war ein guter Gradmesser für die Höhe des religiösen Sinnes der ganzen Versammlung wie ihrer einzelnen Mitglieder. Dr. Schwarz —Karlsruhe rief ganz laut dazwischen: „Wir wollen doch mal die Gesinnungstüchtigkeit unserer Rabbiner sehen, und was sie von nutcr ton halten!" Der Antrag fiel; er hat es nur auf 22 Stimmeu gebracht! Dafür stimmten ausier den Antragstellern u. a. Schwarz-Karlsruhe, Gronemann —Hannover, Theodor—Bromberg und Appel- Homburg. Damit schloß nach einstimmiger Annahme der These II um 1 Uhr die sogenannte öffentliche Sitzung. Von 1—3 erfolgte in einer von den Versammelten selbst als geheim bezeichnten Sitzung die Bildung eines Rabbinerverbandes. In derselben wurde auch — wie bereits erwähnt — das Schreiben der 35 Rabbinen mitgethcilt und zwar mit Rücksicht auf College Rahmer nur dem Inhalt nach. Mit dieser Rücksichtnahme haben die leitenden Kreise dieser Versammlung die journalistischen Gepflogenheiten dieses Herrn gutgebeißen. Sie können daher auf kein höheres Maß von Achtung Anspruch machen, als ihr Schützling. Wer „die Anstand und Berufsehre verletzenden Schmähungen" kennt, welche diese Herren damit als der Rücksicht würdig und bedürftig erklärt haben, wird es begreiflich finden, daß ein Berichterstatter, dem noch ein Funke von Selbstachtung in der Brust glimmt, nicht mit glacöbehandschuhter Hand über deren Rathen und Thaten referiren kann. Die Versammlung hat den höflichen Conjunctiv, nach welchem das Rahmer'sche Hetzblatt als ihr Parteiorgan gelten „dürfte," in einen positiven Indicativ nmgewandelt. Wer die Grobheit der Klötze kennt, wird die der Keile in Ordnung finden. Wer sie nicht kennt, mag sie aus dieser Keilschrift entziffern. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Sorrefpondeuzen. Deutschland. Berlin. Der diesjährige Bericht über das Reichenhcimschc Waisenhaus enthält einen Rechnungsabschluß, nach welchem das Vermögen dieser Anstalt einen Zinsertrag von jährlich 25,000 M. ergiebt, während zur Bestreitung aller Kosten ein Zuschuß der jüdischen Gemeinde in Höhe von ca. 23,000 M. nöthig war. Aus den statistischen Angaben entnehmen wir, daß die Beköstigung eines Kindes pro Tag auf ■iV/i Pfg. zu stehen kommt. Von einzelnen Fonds für besondere Zwecke erwähnen wir der Fonds für entlassene Zöglinge, zur Erweiterung des Waisenhauses und eines allerdings noch sehr kleinen Fonds für Reise- und Gesundheitszwccke (Ferien-Eolonicn schwächlicher Zöglinge). Frankfurt a. M. Der 36. Bericht des israe^ litischen Franenvereins ist erschienen. In diesem Mädchenwaisenhans ist eine wesentliche Organisations- Veränderung vor sich gegangen. Die schulpflichtigen Mädchen sind nämlich mit Beginn des Wintersemesters in öffentliche Schulen getreten, und zwar 11 in die Petersschule, 7 in die Liebfrauenschnle, welche 18 den Religionsunterricht in der unter Leitung des Herrn | Rabbiners Dr. Horvitz stehenden Religionsschule emj psangen. Für die älteren Zöglinge wurde der häus-