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Der Israelit · 1884-06-19 · Heft 49 (19.6.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 49 (19.6.1884)
Date
1884-06-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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608 hilitreten vor den Ewigen, vor die Priester und Richter, die in selbigen Tagen sein werden. Und die Richter sollen genau nachi'orschenniid sehen, ist der Zeuge ein salschcr Zeuge, Lüge hat er gezeugt wider seinen Bruder, so sollt ihr an ihm thun, wie er getrachtet, an seinem Bruder zu thun, und Du sollst austilgen das Böse ans Deiner Mitte." Die Sadducäer lehrten, daß der falsche Zeuge, Domy, nur dann hmgerichtct werde, wenn der falsch Beschuldigte wirklich den Tod erlitten. Um ihnen gegenüber ein Beispiel zu constatireu, ließ Jehuda bcu Tabbai einen der Lüge überfnhrtcn Zeugen, der allein die Hinrichtung des Angeklagten gar nicht hätte verursachen können, mit dem Tode bestrafen. Da trat Schimeon bcu Schatach gegen ihn auf und sprach : Fürwahr, es wird Dir angercchnct *), als habest Du unschuldiges Blut vergossen; denn so lehren die Weisen: Die falschen Zeugen können nur dann hingcrichtet werden, wenn sie beide als falsch erwiesen wurden, können nur dann die Strafe der Geißelung erleiden, wenn si e beide als falsch erwiesen wurden. — Allsoglclch nftnmk Jehuda ben Tabbai sein Unrecht und nahm auf sich, künftighin nur in Gegenwart, des Schimeon bcu Schatach ein Urtheil zu fällen. Von da an undwerter verbrachte Jehuda ben Tabbai sein Leben m Rr»c und Bußübltngen. Er suchte das Grab des Hingerichteten falschen Zeugen auf, warf sich aus dasselbe nieder und weinte so laut, daß seine Stimme in weiter Ferne vernommen wurde (Mackot 5 b). Schimeon ben Schatach war auss Mßr. Seine Hobe Würde legte ihm schmerzliche PKchKn auf. Ein Sklave des Königs Jannaeus hatte eine Mordrhat begangen. Der König mußte diesechalb vor dem Synhedriou erscheinen. Er ließ in die Quadcrhalle des heiligen Tempels einen Thronsesscl bringen und setzte sich darauf. Da sprach Schimeon: Stehe auf, König Jannaeus; nicht vor uns, sondern vor dem Herrn des Weltalls, der da geWrvchcrr (5. B. C. 19 B. 17): Und cs sollen st eh e n die Männer vordem Ewigen. — Und der König sprach: Nicht wie Du sagst, Sohn des Schatach, sEdkru wie die andern Richter bestimmen, so werde ich Wrn. — Im Halbkreise sahen die Richter, zur ReHtru und Linken des Fürsten. Ilnd Schimeon wandte seinen Blick zur Rechten; aber die Richter zu seiner ÄksDen wagten nicht, die Wahrheit zu bekennen EsFsrcht vor dem Könige; sie senkte» das HaM MMita zu Boden, lind Schimeon schaute zur aber auch diese senkten das Haupt und bSckteu zu Boden. — Da sprach Schimeon: Ihr färMel EMh mehr vor einem Menschen als vor Gott? So möge denn Der, der *) So ist der Tkortlaul im Ieruschatun: «n Babli hcisri es: Du hast luuchnldigeS Btul u^rGc». die Gedanken kennt, die verdiente Strafe über Euch bringen! — Da schickte Gott seinen Engel, und die zaghaften Richter starben zur selbigen Stunde. — Das neue Synhedrium stellte als religiöse Vorschrift fest, daß künftighin ein König nicht vor Gericht gezogen werden soll. (Sanhedrin 19 b). Ehe noch Schimeon den Schatach Fürst geworden, hatte er sich vorgenommen, daß er, wenn er einst diese hohe Würde erlangen sollte, die Bösewichter, die den Tod verdienen, hknwegräumen würde aus Israels Mitte (Jernschalmi Sanhedrin C. 6 § 6). Als er nun dieses Ziel erreicht hatte, ließ er die Todesstrafe an 80 vornehmen, verbrecherischen Frauen vollziehen. Die Verwandten derselben dürsteten nach Rache. Sie stellten falche Zeugen auf, die den Sohn des Schimeon ben Schatach eines todteswürdigen Verbrechens beschuldigten. Der junge Mann wurde zum Tode vernrtheilt, und als er zur Hinrichtung geführt wurde, sprach er: Wenn ich das mir zur Last gelegte Vergehen begangen, so soll mein Tod die Sünde nicht sühnen. — Die falschen Zeugen bekannten, daß sie von den Freunden jener bestraften Frauen zum falschen Zeugniß gedungen feien. Allein es war zn spät. — (Rasch i zu Sanhedrin 44 d. *). Wie Schimeon ben Schatach streng im Gericht war, ebenso rechtlich war er in Bezug ans seinen Verkehr mit seinen Mitmenschen und ebenso uneigennützig. Es gab eine Zeit, in der Schimeon ben Schatach arm war und einen Handel mit Flachs betrieb. Einst sagten seine Schüler zn ihm: Rabbi, wir wollen Dir einen Esel kaufen, den Du mit der Waare beladen magst, damit Du nicht so schwer zu tragen brauchst. Und sie thaten also, und als sieden Esel hcimbrachten, da fanden sie an demselben ein kostbares mit Perlen besetztes Halsband. — Siehe, sprachen die Schüler, Gott hat Dir einen Schatz gegeben, ans daß Du ungestört dem Studium der Thora leben mögest. — Schimeon aber sprach : Gebt das Halsband, das ohne Wissen des ehemaligen Eigenthümers in meinen Besitz gekommen, zurück. — Die Schüler thaten, wie ihnen der Lehrer besohlen hatte. Und als ocr ehemalige Eigenthümer des Esels — es war ein Heide — sein kostbares Halsband wieder erhielt, ries er aus: Gepriesen sei der Gott der Juden, der seinem Volke besohlen, so rechtlich zu sein! — Ais die Schüler ihrem Lehrer Bericht *) Bei bit’jcr Eelegenheil wollen wir ans Folgendes aufmerksam machen. Die Eemara schreibt ganz kurz f>'z'n?ü'i» f),cc> *2 br-'n. Rabbi Iesaiaö Berlin verweist ans Aruch und verwundert sich, daft Aruch das Wort sv2 nicht erklärt, Es wird aber im Jernschalmi (Sanhedrin 6, G) der Steuereinnehmer p*rn genannt. wovon r»'-72 in unsrer Eemara eine Znsammenziehung oder Eorrnmpinmg zu fein scheint; es ist also fr*ra ein Eigenname, der der Erklärung nicht bedarf. Vergleiche auch Rappapoct in seiner rebensgeschichte des Verfassers des 'Aruch.

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