Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-06-16 · Heft 48 (16.6.1884) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 48 (16.6.1884)
Date
1884-06-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449451--20307-2509542
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

M 1 •a~ g-- y >■? •’ywv-^ --> >L-L fc* 't :: XXV, Jahrgang. Seilage zu Nr. 48 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. Commentar zu den Sprüchen Salomos von R. Abraham Aden Esra zum ersten Male nach einer alten, in meinem Besitze befindlichen Handschrift herausgegeben von Chajim M. Horwitz. Frankfurt a. M. 1884. Der große Denker und Grammatiker R> Abraham Aden Esra hat neben zahlreichen andern wissenschaftlichen Werken auch einen exegetischen Commentar zu den 24 Büchern der heiligen Schrift verfaßt. Von diesen sind nur der Commentar zur Bibel, sowie der zu den spätern Propheten und Hagiographen auf uns überkommen. Aber auch von einzelnen der Genannten wird billig bezweifelt, ob sie auch mit Recht den Namen führen, auf dem sie gehen. -Dies gilt von dem Aben Esra zngeschriebenen Commentar über Esra und Nehemia und namentlich von dem über die Sprüche Salomos. Man braucht nicht gerade ein besonderer Kenner des sprachwissenschaftlichen Standpunktes und der exegetischen Auslegeweise Jbn Esras zu sein, um zu erkennen, day der ihm zugejchriebene und unfern npnj rrtopo unter seinem Namen beigedruckte Commentar zu den Sprüchen nicht von ihm herrühren kann. Zwar fehlt es in diesem nicht an Stellen, die ganz in der Art Jbn Esras klingen; wir brauchen nur — mit Umgehung der gramm. Berührungspunkte, die' ja bei allen Exegeten und Lexikographen sich Nachweisen ließen — an jene Stelle des Commentars zu erinnern (Spr. 26, 2), in welcher mit stillschweigender Beziehung auf die talmudifche Auslegung des Wortes im (Beza 24 a.) gesagt ist: nipp cpoi inns m nioPna on d'jipnm iptp iptt ms*yn wer kennt diesen Ton nicht und wer würde hinter ihm nicht sofort Aben Esra vermuthen? wäre nicht anderseits der Commentar voll von Stellen, die diese Bermuthung geradezu unmöglich machen. In der That hat bereits Reifmann im „Zion" 1841 mit gründlicher, kritischer Beleuchtung und scharfsinniger Beweisführung dargethan, daß dieser Commentar zu den Sprüchen nicht von Jbn Esra. sein kann. Diese Ansicht haben die späteren Untersuchungen Geigers (Orient 4841), sowie Lippmanns (Zion 1842) vollinhaltlich bestätigt. Reifmann ging noch weiter und versuchte den Nachweis zu erbringen, daß jener Commentar auf die Autorschaft Moses Kimchis, Bruder des bekannten Grammatikers R. David Kimchi, zurückznführen sei; auch diese Behauptung haben spätere Untersuchungen und mehrere Handschriften, über welche Dukes im Orient (1847 S. 25), Berliner im Jeschurun v. Kodak (1868 S. 102) und Geiger im Ozar Nechmod (1857 S. 21) bc- . richtet haben, voll und ganz bestätigt. Nun ist es aber unzweifelhaft, daß auch Jbn Esra einen Commentar zu den Salomonischen Sprüchen verfaßt hat (er erwähnt ihn z. B. in seinem Commentar zu Ruth 3, 11 und in dem zu Exodus sPräg 1840 S. 96], woselbst er schreibt: isnsnn ’naro ^po'^av ruani njm npan ra), den man lange für verloren hielt, bis Herr So ave aus Italien im Jahre 1880 mehrere Handschriften, worunter einen exegetischen Commentar zu den Sprüchen Salomo's mitbrachtewelcher vorgab der Commentar des Jbn Esra. zu diesem Buche zu sein und es auch zu sein schien. Das Mannscript ist durch Herrn Dr. N e u b a u e r in dcy Besitz der Oxforder Bodleian-Bibliotbek übergangen und in demselben Jahre durch den Gelehrten S. R. Driver unter dem Titel: „A commeiitary : on the- Book of Proverbs attrilmted the Abraham ibn Ezra“ (hebräisch: iiwo'p-rp"a Dnrp 'bvv r<im px oniDvx '-ö) .herausgegeben worden. In einer längeru, englisch geschriebenen Einleitung resumirt der gelehrte Herausgeber ziniächst die Untersuchungen Reifmanns und anderer bezüglich des alten dem Jbn Esra zngeschriebenen Commentars; dann gibt er eine Beschreibung des von ihm edirten Manuscrkpts, das die Uebcrschrift Dmax #-o ppp a-iiy px trägt, und knüpft daran eine längere Untersuchung, in wie weit diese Uebcrschrift ihre Berech- . tigung hat. Das Resultat dieser mit scharfer Beobachtungsgabe und feinem Tact geführten Untersuchung ist, daß zwar Vieles in jenem Commentar auf den Namen des in der Uebcrschrift genannten Autors führe, daß aber Gewisses hierüber aufzustellen unmöglich sei, da andere Erwägungen sehr dagegen sprachen, ja so sehr, daß Dr. Friedländer, der durch seine „Essays on the Writings ot Abr. ibn Ezra“ berühmte Kenner der. Schreib- und Gedankeuweise Jbn Esras bestimmt erklärt habe, auch dieser zweite Commentar sei nicht von Ibn Esra. Nach diesen vielfachen, vergeblichen Versuchen den richtigen Commentar des Jbn Esra zu den Salomonischen Sprüchen zu finden, mußten wir nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.