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Der Israelit · 1884-06-16 · Heft 48 (16.6.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 48 (16.6.1884)
Date
1884-06-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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794 Lehren (Subventionen, Wanderlehrer); e. durch Fernhaltung ungeeigneter Elemente von dem Neligionslehrerstande; k. durch Fürsorge für Heranbildung geeigneter Lehrer und zwar: 1)durch Subventionen an unbemittelte Lehramtskandidaten, 2) durch Neugründung von Lehrerbildungsanstalten, 3) durch Fürsorge für altersschwache, durch Krankheit dienstunfähig gewordener Lehrer und die Hinterbliebenen Lehrerfamilien; g. durch Schaffung eines geeigneten Lehrbuches sür den geschichtlichen Religionsunterricht zum Gebrauche für die Lehrer; Ir. durch Entwertung eines Lehrplans für den Religionsunterricht an Gymnasien und Realschule. B. Fruchtbarmachung des Religionsunterrichts und religiöse Erbauung der Jugend: a. durch Theilnahme der Schüler an den öffentlichen Sabbat- und Festtagsgottesdiensten und durch Veranstaltung besonderer Jugendgottesdienste; lr. durch Schaffung einer den religiösen Sinn stärkenden und das religiöse Wissen vermehrenden Lektüre für die Schuljugend .(Jugendschriften, Schülerbibliotheken); e. durch Religionsfortbildungsschulen für die reifere, der Schule entwachsene Jugend. 0. Veranstaltungen zur Belehrung der Erwachsenen: a. durch Bezugnahme auf hervorragende Personen und bedeutsame Ereignisse aus der jüdischen Geschichte in den gottesdienstlichen Vorträgen; d. durch Vorträge außerhalb des Gotteshauses über das Judenthum und seine Geschichte, nicht nur in der eigenen Gemeinde, sondern auch in den. Nachbargemeinden (Wandervorträge); e. durch .Herausgabe geeigneter unterhaltender und zugleich belehrender Schriften (Literaturverein.) II. Sie erachtet es als dringliche Forderung und als heilige Aufgabe der Gemeinden und ihrer Vcrtetungen: a. ihre Rabbiner in den vorstehend näher bczeichueten Bestrebungen zu unterstützen, b. an dem Aufbau wahrhaft jüdischen Gemeindclebens durch Förderung und Pflege des religiösen Sinnes und Lebens in Haus und Familie selbstthätig zu arbeiten. Dieser Erklärung schließen sich die Anträge an, derselben die Zustimmung zu ertheilen und zweitens, eine Kommission mit der Aufgabe zu betrauen, auf Grund dieser Vorschläge und zur praktischem Durchführung derselben einen vollständigen Organisationsplan zu entwerfen und zu veröffentlichen. 68 redcdurstige Rabbiner, von denen keiner nach Hause kommen will, ohne wenigstens durch einige unpassende Worte, feinen Obolus zur Hebung des religiösen Sinnes beigetragen zu haben, finden Angesichts einer so reichhaltigen Pandorabüchse voll Religionshebungsmitteln vielen Stoff zu langen Reden. Hier kann nur eine Auswahl vom Gröbste» folgen. Referent Dr. Vögelst ein (Stettin) leitet sein Referat damit ein, daß nur der Zufall seines nahen Wohnorts bei Berlin ihm die Referentenwürde eingebracht habe. — Der Zufall hat hier jedenfalls den richtigen Mann getroffen. — Herr Dr. Vögelst ein ist nämlich einer der wenigen Amtsbrüder, die auch die Augsburger Synode mitgemacht haben. Aus derselben hat er eine geharnischte Philippika sür Aufhebung der Chalizah und für Abschaffung der Zinsgesetze gehalten. Von den Opiergesetzen, wie sie im Leviticus und Numeri stehen, sagte damals der ehrenwerthe Herr Amtsbruder, daß er selbst für den Fall der Wiederherstellung des jüdischen Staates und Tempels, darauf bestehen würde, fie dürsen nicht in Kraft treten, (als ob Herr Dr. Vogelstein bis dahin gefragt würde!) (Vergl. Verhandlungen der zweiten israelitischen Synode zu Augsburg, S. 146 147). Schon damals wurde dem Redner von Herrn Prof. Lazarus das Zeugniß ausgestellt, „daß er sich auf's eifrigste und ehrenwertheste angelegen sein lasse, seine Anschauung vom conservätiven Judenthum'frei und fest zu vertreten" (ibid.) wer könnte also geeigneter erscheinen, als ein so wohl legitimirtes. gläubiges Gemüth, um seinen 67 College» Vorschläge über die Hebung des religiösen Sinnes zu machen?! Der vorliegende Punkt, fährt der Referent also fort, sei allerdings sehr schwierig ja man habe geglaubt, es sei nicht möglich über Hebung des religiösen Sinnes zu berathen, ohne religiöseDifferenzpunkte zu berühren. Ein College habe ihm geschrieben: „Wenn ich ein Mittel zur Hebung des religiösen Sinnes, wüßte, würde ich nicht erst auf die Rabbiner- Versammlung warten." Ein anderer schrieb: „Mittel zur Hebung des religiösen Sinnes kommen mir vor, wie Mittel zur Beseitigung der Armuth." Obgleich so der eine für förderlich halte, was dem anderen für schädlich gelte, so glaube er doch, das ein allen gemeinsamer Boden gefunden werden könne und zwar-ich glaubte, jetzt käme das Festessen, aber nein, es ist der Religionsunterricht!! Zuerst glaubte ich, ich hätte mich verhört. Religion, jüdisches Religionsgesetz, seine Kcnntniß und Anerkenntniß, seine Verkennung und Verleugnung, seine Verbindlichkeit und seine Abrogirung, das sind ja eben die Momente, welche allein ihren scheidenden Einfluß auf die Brüderlichkeit der Amtsbrüder geltend machen, das sind doch die Kriterien, nach welchen die Richtungen und Parteien in heterogene Gegensätze auseinander gehen, und der Unterricht, die Belehrung in dieser Religion, sollte der Boden sein, auf dem man von diesen Gegensätzen nichts merkte.

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