Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 32-33 (23.4.1884)
- Date
- 1884-04-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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nt» u 544 Onodianer und Konsorten, die vor 2 Jahren die T. Eszlarer Blnt-Bilbul-Assaire heraufbeschworen haben, ruhen und rasten auch heute nicht, uns den Kelch des heiligen Osterfestes zu verbittern. Aufrufe an christl. Väter und Mütter in Hundcrttausenden von Exemplaren haben sie an allen Ecken und Endendes Landes verbreitet, worin sie dieselben mahnen und warnen, auf ihre Kinder acht zu geben, damit sie nicht zum Pesach-Opfer in die Hände der jüdischen Schächter fallen!!! Diese schmachvollen Pamphlete, die auch in Placatform an allen öffentlichen Straffen zu lesen waren, sind auch an die Eingangs-Pforte der Somogjer Synagoge affichirt worden. — Dank unserem wackcrn und energischen Minister Tisza, der in einer jeden jüd. Gemeinde, wo bis jetzt die Antisemiten ihr Unwesen begonnen, durch das Militär genügenden Schutz angedeihen ließ! Den Bürgermeistern und Stadthauptmännern wurde strengstens der Auftrag ertheilt, jedwelche Ausschreitung im Keime zu ersticken. — Wahrlich, wir hatten d’-post So im vollsten Sinne des Wortes, aber das wachsame Auge Gottes '"ousr nu» rur. hat unser fröhliches Fest nicht stören lassen. Der heilige Glaube erweckt uns zu neuem Leben, verscheucht und zerstreut die trüben und düsteru Gedanken, damit wir unerschrocken dieses erhabene Pesachfest mit der alten, nationalen Begeisterung feiern. Sehr sinnig ist das Pesach-Lied von L. A. Frankl.. Die Tafel glänzt, es prunkt der Saal, Licht schimmert zu dem Feste, Wir sind vereint zum Sedermahl Viel edler Männer Gäste. Nichb Lieb allein und Wein und Luft, Uns einet und verbündet. Der heilige Glaube in der Brust Am Gottesberg entzündet. Und nun freuen wir uns, daß die schönen Pcsachtage in Frieden und ohne jegliche Störung in unfern Kronlanden vorüber sind. — Die Freude des wahrhaften Jehudi ist aber dennoch keine vollkommene. Der jüd. Gemeinde Erdö szt György (der einzigen jüd. Gemeinde im Szeklcr Land) ist von der Siudtbehörde im Monate März d. I. der Auftrag ertheilt worden, die Tobten aus einem neuen roSy r.o zu beerdigen, da das alte überfüllt ist, und, da in der nächsten stütze der Stadt belegen, auch sanitätswidrig ist. Die Verordnung an und für sich ist eine gerechte — das Unrecht ist aber, daß man der jüd. Gemeinde keine Zeit gelassen hat, ein neues Grundstück zu diesen heiligen Zwecken anzukaufen, und die tapfern Szekler, die auch hartgesottene Antisemiten sind, wollten kein an der Stadt nahe gelegenes Grundstück verkaufen. Am 1. Tag Pesach geschah es, daß ein Todesfall eintrat; man wollte zur Beerdigung schreiten; die städtische Behörde erlaubte nicht eine» Spatenstich und verwehrte kür den Tobten das Grab unb fr* war die Gemeinde gezwungen, die Beerdigmrg in dem nahe gelegenen Orte- Bözcd Uyfalu „cm genannt, wo 235 jüd. o’-tt wohnen, vorzunehmen. Im nächsten Briefe will ich Ihnen, geehrter Herr Redacteur, wenn Sie es erlaubend — von letztgenannter Gerim-Gemeinde Bericht erstatten. Schließlich erlaube ich mir dem Correspondenten aus Klausenburg zu sagen", daß in D6es darum die rD'»' aufgelöst wurde, weil der dortige Rabbiner seit anderthalb Jahren leider schwer erkrankte, und meist zu Bette war. Kein Ministerial- Erlaß noch eine städtische Behörde hat die Schließung der Dieser r,Tv' angeordnet. — Was die Klausenburger ro'ff' anbelangt, — 50 on-ra waren dort, vor langer, langer Zeit— so hat diese sich selbst ausgelöst. — 2-ß. Englan d. London, 16. April. In Limerick in Irland gab es am Sonntag Abend eine Judenhetze. Der Pöbel stürmte einige von Juden bewohnte Hauser und steinigte die Einwohner, als diese die Flucht ergriffen. Ein Kind ist schwer verletzt. Der Polizei gelang es, die Ruhe herzustellen und mehrere Excedenten zu verhaften. Rußland. Petersburg. Unter der Aufschrift „Alte immer wiederkehrende Geschichte", theilt die deutsche „Pet. Ztg." folgendes aus Tiflis mit: Kürzlich erzählte eine Grusterin einem Polizeisoldaten, eben wäre sie durch die Grjasnaja gekommen; in der Nähe des Soldatenmarktcs hätte sie aus dem Kellergeschoß Rr. 46 heraus das Schreien und Jammern eines Kindes gehört. Dort befände sich eine jüdische Fleischbude. Die Nähe des Osterfestes und die alte Geschichte von dem zu den „Matzes" nöthigen Christenblut genügten, um die ganze Bevölkerung jener Stadtgegend in Bewegung zu setzen. Die Straße» waren durch Volkhaufen geradezu versperrt. Um Nachmittags, so berichtet die Zeitung „Now. Obosr." erschienen der Prokurator des Bezirksgerichts und der Polizeimeifier zur Vornahme einer Untersuchung an Ort und Stelle. Das ganze Haus und sogar der km Hofe befindliche Brunnen wurden auf's Sorgfältigste untersucht; natürlich fand man weder ein jammerndes Kind noch sonst irgend etwas verdächtiges. Es stellte sich her» aus, das in deul zur Fleischbude gehörigen Kelleraefchloß Lämmer eingesperrt waren, deren Blöcken *) Wir bitten darum. Red. —