Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 32-33 (23.4.1884)
- Date
- 1884-04-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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KöniAShütte im April. In welch' verabscheuungswürdiger Weise gewisse Ultramontane für i ihre Parteizwecke und Bestrebungen die Gcmüther in; gehässige Erregung zu versetzen, und an sich Harmlose Vorgänge auszunützen nicht müde werden, dafür! liefert der nachfolgende Vorgang abermals einen! recht drastischen Beweis. Die „Königshütter Ztg." j schreib: „In den Verdacht eines rituellen Mordes ist am Freitag ein hiesiger Studiosus der Medizin dadurch gerathen, daß bei seinem Umzuge irgend ein Arbeitsmann in einem nicht verschlossenen Kasten mehrere Menschenknochen fand und hiervon sofort der PoliZ-i Anzeige machte. Auf diese Denunziation hin verfugte sich der Herr Polizei-Inspektor mit einem Wachtmeister und noch einem Polizeisergeanten an Ort und Stelle und richtig, man fand, o Grausen, ein — Fuß- und Armskelet. — Da der Hauswirth, auf dessen Bodenraum man diese Mcnschentheile fand, gerade in der Synagoge sich befand, so faßten die drei Herren vor der Synagoge Posto und warteten, bis der Gottesdienst zu Ende war, den Hauswirth ab, den sie nun auf der Straße verhörten. Hierbei stellte sich nun heraus, daß der betreffende Studiosus die Knochen von der königlichen Anatomie zu Berlin als Erinnerung und zu Studirzwccken mitgebracht hat. Der erste sensationell aufgebauschte Theil dieses Vorfalles war in verschiedene ultramontane Blätter, so auch in die „Germania" übergangen; die sehr harmlose Aufklärung des Thatbestandes durch dieselben Blätter wird aber noch zur Stunde vermißt. Grätz (Prov. Posen). Um das Andenken seiner so früh verstorbenen Tochter .“öp mo rwan zu verewigen, hat der Kaufmann Herr Leibusch Weinlaub der isr. Gemeinde eine prachtvolle nun -'so mit vollständigem en? geschenkt, welche am ersten Peßachtage unter den üblichen Feierlichkeiten der Gemeinde übergeben wurde, Lessen, 6. April. Am Sonntag, den 4.;o'j, starb nach kurzem Krankenlager, nach ra-ero -rao, gerade mit dem Morgengebete beschäftigt, tut 83. Lebensjahre, von allen geliebt, unser hochgeehrter und edler nvpvrrb am 't mn p-is ,tvd, dessen unermüdliches Streben nur der Thora und der Abodah galt. So ruhig, so friedlich wie sein Leben, war auch sein Tod. In seiner 38jährigen Wirksamkeit in unserer Gemeinde war er stets bemüht, den Frieden zu erhalten und zu fördern. Den Spruch unserer Weisen „vir« “a o'.ara onpo hat er im wahren Sinne des Wortes erfüllt. Selten findet man solch einen geschickten wie der Verewigte - war. Seiner Uneigennützigkeit wie der Biederkeit seines Charakters hat unsere Gemeinde viel zu verdanken. Fast alle Gemeindemitglieder zahlte er zu seinen Schülern. An seinem Begräbnisse bethciligtc sich nicht nur die ganze Gemeinde, auch Nichtjuden, bei denen er ebenfalls sehr beliebt war, wohnten demselben bei. Da wir aber in den po 'w stehen, so konnte Herr Rabbiner Dr. Rosenstein, der zu der' r.'ti aus Graudenz herbeigceilt war, nur eine kurze Ansprache halten, i'naniro;naxi dp dan n"a"s"j"n Oesterr. - Ungar. Monarchie. Pesth, 21. April. Die gestrige Kandidatcnrcde Karl Eötvös' im siebenten Budapester Bezirk macht allgemeinen Eindruck. Da Eötvös wegen des Tisza- Eszlarer Prozesses seinen bisherigen Wahlbezirk ver- -liert, betrachten die in der Majorität befindlichen israelitischen Wähler des siebenten Bezirkes Eötvös' Wahl gegen den Staatssccretär Matlekovics als Ehrensache. Krakau, 19. April. Die dahier erscheinende „Reforma" brst-gt einen umfangreichen Bericht des Warschauer Gouverneurs, General Gurko, nach Petersburg bezüglich der erforderlichen Mittel zur Reform der geistigen Ausbildung resp. der vollständigen Russifizirung der jüdischen Bevölkerung in Kongreß-Polen. In dem Bericht wird zunächst der stete Kampf zwischen den Orthodoxen und den Fortschrittsjudengeschildert und. die fortschrittliche Partei als jene in dem Judenthum Russisch-Polens und Galiziens dargestellt, die nach der.Vermischung mit den Polen behufs gänzlicher Polonisirung sämmtlicher Juden strebt und deshalb dem russichen Elemente feindlich sei. Der Bericht sagt: „Die jüdische Fortschrittspartei ist zwischen zwei Feuern: entweder muß sie offen sich für die Regierung erklären und die Ilmgestaltung der polnischen Juden in treue Unterthanen anstreben oder der nationalen polnischen Partei huldigen, im Sinne der polnischen Ideale wirken und den sprichwörtlichen Typus eines „Polen mosaischer Religion,, repräsentiren; leider ist letzteres der Fall." Der Bericht schildert die Haltung der aufgeklärten Juden im Aufstande von 1863 und sagt, so lange die polnische Intelligenz dem russischen Staatssystem feindlich gesinnt sei, so lauge die jüdische Fortschrittspartei sich mit der polnischen Intelligenz zu verschmelzen strebe, müsse die russische Negierung im eigenen Interesse Die orthodoxen und die konservativen Juden im Kampfe mit den aufgeklärten schützen, um die Polonisirungsbestrebungen der letzteren lahmznlcgen. NuS Siebenbürgen. Mit Bangen und Ii.i .n sahen unsere Glaubensgenossen in mancher Gemeinde in Sb. die Pesachtage herannahen. Die