Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 32-33 (23.4.1884)
- Date
- 1884-04-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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542 Behrendt, welcher seine Wohnung in der Anstalt hat. Zweckmäßige Lebensweise, gute Ernährung, Bäder, Elektrotherapie, Gymnastik, für Damen Beschäftigung im Hause und der Küche, für Herren Beschäftigung im Garten, bilden neben Arzneien und Mineralwasser die hauptsächlichsten Heilmittel. Die Anstalt besteht aus mehreren getrennt liegenden Gebäude- Eomplcxen, die in theils größeren, theils kleineren gesonderten Abtheilnngen eine allseitige Rücksichtsnahme auf die verschiedenen Krankheitsformen gestatten. Auf die Trennung der unruhigen, störenden Patienten von den Ruhigen ist besondere Sorgfalt gelegt. Selbstverständlich gilt es, wie in jeder gut geleiteten Anstalt als fester Grundsatz von allen mechanischen Zwangsmitteln abzusehen, den Kranken die größtmöglichste Freiheit zu gewähren und dieselben am Familienleben theilnehmen zu lassen. Für Ermunterung und Zerstreuung der Patienten, soweit es deren Zustand gestattet oder erfordert, ist hinreichend gesorgt (Billard'und Musikzimmer, Bibliothek, gesellschaftliche Abende und Tanzkränzchen in der Familie des Besitzers). Zu Spaziergängen und größeren gemeinschaftlichen Excursionen bietet die herrliche Lage und Umgebung zu jeder Jahreszeit reichliche und bequeme Gelegenheit. Aelteren Personen und Solchen, denen in Folge der Krankheit das Gehen schwerer fällt, stehen zwei dem Besitzer gehörende Equipagen zur Verfügung. Dem Bedürfniß nach religiöser Erbauung wird durch gemeinsamen Gottesdienst in der Anstaltssynagoge an Sabbat nnd Feiertagen oder bei sonstigen Gelegenheiten unter Leitung eines Cultusbeamten genügt. Auch der, dessen Geistesthätigkeit erlahmt ist, soll nicht losgeriflen werden vom religiösen Leben. Sabbat und Festseier, Gottesdienst >md Beachtung der religiösen Gebräuche sollen Lichtstrahlen hineinwerfen in die Umnachtung, sie sollen mithelfen diese Umdunklung wieder zu scheuchen. Ich hatte sogar einmal Gelegenheit dem Gottesdienste in der Anstalt beiznwohnen und machte die ruhige Andacht der Kranken wirklich einen tiefen Eindruck auf mich und alle Kranken äußerten mir ihre große Befriedigung über diese Einrichtung. Als Pensionat für Leichtverstimmte und Reconvalescenten, als Uebergangsstation aus der Anstalt in die eigene Familie, werden tbeils die in der Prkat-Billa des Besitzers disponiblen Wohnungen, theils die im Jahre 1882 nenerbaute große Billa betrachtet. . Auch finden hierin alleinstehende ältere Herren und Damen ein passendes Heim, in dem ihnen außer guter Kost und entsprechender Wohnung ein gemüthlichcs Zusammenleben, eine gute Pflege für gesunde wie für kranke Tage geboten wird. In Folge vieler an den Besitzer ergangener Aufforderungen hat derselbe auch im Jahre 1882 ein besonderes Institut zur Pflege und Erziehung körperlich und geistig zurückgebliebener Kinder, von der Anstalt auch räumlich getrennt, errichtet. Auch diese neue Abtheilung hat schon bewiesen, dag sie Gutes und Erfreuliches zu leisten verniag. Es ist eine Lust zu sehen, mit welcher Liebe die armen Kinder, besonders von den Damen des Hauses gepflegt werden, wie durch sanfte Lenkung Unarten beseitigt, die etwa schlummernden Fähigkeiten geweckt werden. Am Schluffe meiner kleinen Beschreibung will ich nicht verfehlen, auf die großartige, wirthschast- Einrichtung der Anstalt hinzuweifen. Neben einer schönen Hühner- und Entenzucht, liefert eine Anzahl stattlicher Kühe, den Milch- und Butterbedarf der Anstalt. Herr Jacoby besitzt eine sehr ausgedehnte, eigene Oeconomie, in welchen der ganze Bedarf au Feldfrüchten, Gemüsen re. gedeckt wird. Meinen besonderen Gefallen erregte die bedeutende Obstzucht (Aepfel, Birnen, Steinobst re.) Allen denen, die sich für dieses großartig organisirte für das Judeuthum so segensreiche Institut interessiren, kann ich nur einen. Besuch der Jacoby*- schen Anstalt anempfehlen, damit Sclbstsehen die Würdigung derselben zum Heile für viele Unglückliche in den weitesten Kreisen verbreite. ZeitungSuachrtchten und Correfpoudeyze». Deutschland. I) Heilbronn a. N Der Württ.. Bezirks- Verein zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten, welcher nun seit Januar definitiv aufgelöst ist, versendet gegenwärtig .seinen 6. und letzten Jahresbericht. Im Vorwort spricht der Ausschuß wiederholt sein Bedauern über die nothwendig gewordene Auflösung, besonders zu einer Zeit, da allerorts von Staat und Gemeinde die größten Anstrengungen zur Lösung der Armensrage gemacht wurden, aus. Aus dem Bericht selbst entnehmen wir, daß bei einer Einnahme von M. 14,166 89 Pf. für 2272 Gaben und die Verwaltung M. 13,694 22 Pf. verausgabt wurden, somit ein Kassen-Ueberschuß von M. 472 67 Pf. verbleibt, welcher nach § 13 der Statuten an die 32 Verbandsgemeinden nach Maßgabe ihrer Lektragsquote? zur Rückzahlung gelangt. Möge» mm die einzelnen Verbandsgemeindeu fort und fort bestrebt fein, durch ihre Ortsvereine das Loos unserer armen Nebenmenfchen nach Kräften und Möglichkeit zu verbessern.