Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 32-33 (23.4.1884)
- Date
- 1884-04-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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3 540 wird, das hängt allerdings von ihm selbst ab, und je groher und je hoher er in der sittlichen und religiösen Pflichterfüllung steigen wird, desto größer wird auch sein Antheil sein am ewigen Leben. Wir wollen hier zwei Mißverständnissen entgcgcntreten, die diesem Ausspruche unsrer Weisen begegnen könnten. Das erste ist, wenn man meinen möchte, daß „ganz Israel", ausnahmslos, Antheil habe an der zukünftigen Welt. Dieser irrigen Meinung tritt schon der Schlußsatz der in Rede stehenden Mischnah entgegen, in der diejenigen Israeliten bezeichnet werden, die keinen Antheil haben am künftigen Leben, wieder, welcher behauptet, daß die Thora die einstige Auferstehung der,Tobten nicht lehre oder der, welcher den göttlichen Ursprung der Thora leugnet; die Worte irxnr’ vs wollen nur besagen, daß jeder Israelit, der ringt und'strebt, seinem Israel-Beruf gemäß zu leben , der künftigen Seligkeit wird thcilhaftig werden. Auch das von der Mischnah als Beweis angeführte Prophetenwort bestätigt das, es bezieht sich auf die messianische Zeit; dann werden die Israeliten, die treu beharrt in der Furcht vor Gott und in der Liebe zu Gott, alle vollkommen Fromme sein und der ewigen Seligkeit theilhaftig weiden. Das ununterbrochene Heil des ewigen Lebens fällt beut Israeliten nicht wie eine reife Frucht in den Schooß, er muß danach ringen und es zu erstreben sich bemühen. Daß andere Mißverständnis ist das, wie wenn die Worte „ganz Israel", alle andern Menschen vom künftigen Leben, von der Unsterblichkeit und deren Wonne .ausschließen wollten. Eine solche Ausschließlichkeit liegt der Religion Israels durchaus fern. Wir kennen keine alleinseligmachende .Kirche. Und so lehren auch unsre Weisen (Toßephtha zu Sanhedrin C. 13; vergleiche auch Sanhedrin :105 a.): „Es heißt in der heiligen Schrift (Psalm 9, B. 18): OH^X D'U r.'HXttfV Q’JJan '2'2" „Es werden hinabsinken in die Gruft alle Frevler, alle Völker, die Gott vergessen. — Rabbi Josna lehrte: Es heißt nicht: es werden hinabsinken in die Gruft (ohne Wiedererstehung) alle Völker, sondern alle Völker, die Gott vergessen son - p^n 2.1irar nioixa D’pns r* xn, daraus folgern wir, daß es auch unter den Nichtjuden Fromme gibt, die Antheil haben am ewigen Leben." Diese Lehre des Rabbi Josua wird von Maimonides (Eduth E. 11, § 10, und Teschnbah E. 3, 8 5) als Halachah, als maßgebende religiöse Vorschrift recipirt, indem er lehrt: ton p,n dd1? e" otnyn no-x n’on „Die Frommen aller Rationen haben Antheil au der zukünftigen Welt." Ja, Maimonides schließt gerade aus der m Rede stehenden Mischnah den oben mitgetheilten Grundsatz. Die Mischnah zählt nämlich in ihrem weitern Verfolge Bileam unter denen auf, die keinen Antheil am künftigen Leben haben, wozu Maimonides in seinem Mischnah-Commentare bemerkt: NIO'X ’TDiTZr ’Sb -XIV'O N X X1HV ’y*na □y'SP ^*Tni xsn 2d:yv p^n on> w* ohyn x3n a^y^ ppn V7 rxi D^'-yn mc:x „Die Mischnah muß deßhalb Bileam, der ein! Nichtjude war, erwähnen, weil auch die frommen ' Nkchtjuden Antheil haben an der zukünftigen Welt; Bileam aber gehörte zu den Bösen, und ging deßhalb der ewigen Seligkeit verlustig." Unter den Frommen der Nationen sind diejenigen zu verstehen, welche die sieben Noachidifchen Gebote beobachten, die sich fern halten von Mord, Götzendienst, Unkeuschheit, Raub, Gotteslästerung, die vielmehr Recht, Gerechtigkeit und Tugend lieben und sich nicht nur den Mitmenschen, sondern auch den Thieren gegenüber der Roheit und Grausamkeit enthalten. Die Worte bx^2" wollen also keinesweges die Nichtjuden von der ewigen Seligkeit ausfchließe»,! wollen vielmehr uns andeuten, daß Jeder, der das! Glück hat, im Jndenthume geboren zu sein, den geebneten Weg vorfindet, der da hinaufführt in das! Haus unsres himmlischen Vaters. I (Fortsetzung folgt.) Meöer Merven-, HemWs- und Geisteskranke. Eine Erscheinung, die fast durch alle Landes- Statistiken bewiesen scheint, ist die fortschreitende Häufigkeit des Irrsinns in moderner Zeit. Alle Momente die nun die Wissenschaft für die Zunahme dieser Krankheiten in Betracht zieht, werden an Bedeiltung überwogen durch den Umstand, daß die fortschreitende Civilisation verfeinerte und complkeirtere Lebensbedingungen und Bedürfnisse schafft und damit den „Kampf ums Dasein" steigert. Diesen Kampf, um ein behaglicheres, aber bej dürfnißreicheres Dasein, muß das Gehirn kämpfen . und wo. immer ein Organ zu einer vennehrten Leij stung genöthigt ist, erkrankt es auch leichter und! wird schneller abgenützt. Die gesteigerten Anforde- - rungen im Kampf um's Dasein treten heutzutage an I das Gehirn des Einzelnen schon auf der Schulbank i heran und die Concurrenz auf allen Gebieten der j Kunst und Wissenschaft, des Handels und der Jndu- . ftrie, der Drang nach Genuß und schnellem Reich-