Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 30-31 (18.4.1884)
- Date
- 1884-04-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449436--19986-2509494- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXV. Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 30 L 31 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. Frankfurter Nab binen. Ein Beitrag zur (beschickte der israel. Gemeinde in Frankfurt a. M. III. — N. Jakob Josna Falk u. R. Abraham Lissa (1740—1769). Von Di-. M. H or o v i tz, Rabbiner. Commissions-Verlag der Ja eg er'-/ scheu Buchhandlung. In dieser Arbeit wird uns ein äußerst bewegter Abschnitt aus der Geschichte der Frankfurter Juden vorgesnhrt, der zum Theil vorwiegend von Bedeutung für die Lotalgeschichte ist, theilweise aber großes, allgemeines Interesse bietet. Der. Verfasser schildert eingehend das Leben des Rabbi Jakob Josna Falk, gewöhnlich nur nach dem Namen seines berühmtesten Werkes „Pene Iehoschua" genannt, und dessen Wirksamkeit, in der Frankfurter Gemeinde, wo ihm leider seine Anwesenheit durch den Kann-Kulp'schen Streit verbittert wurde. Was der tiefere Hintergrund der Streitigkeiten zwischen der Kaun'schen und Kulp'schen Partei war. die mit solcher Erbitterung geführt wurden, war bisher vollständig dunkel. Aus einem vom Verfasser anfgefundenen und in dieser Arbeit zum Abdruck gebrachten Protokolle geht hervor, daß es sich hier hauptsächlich um die Umgestaltung der Gemeinde- Verfassung in demokratischem Sinne handelte. In dem Kampfe gegen R. Jonathan Eibenschütz, der des Einverständnisses mit Sabbathai Zcwi beschuldigt worden war, nahm bekanntlich N. Jakob Josna Falk eine sehr hervorragende Stellung unter den Gegnern des N. Jonathan ein- Die Darstellung seines Vorgehens beruht hauptsächlich ans den bereits bekannten, im Lause des Streites erschienenen Druckschriften, welche hier erschöpfend benutzt werden. Neu ist dagegen ein Auszug aus einer Schrift des christlichen Professors David Friedrich Megerlin, welcher eine Schntzschrist für N. Jonathan verfaßte. Zwar ist,e» auch dem Verfasser ebensowenig, wie allen bisherigen Behandlern des Streites gelungen, diese Schrift aufzutreiben , und es will beinahe scheinen, als wenn dieselbe absichtlich von der einen oder der anderen Seite der Vernichtung preisgegeben worden ist: dagegen fand er eine andere Schrift Megerlin's, in welcher derselbe den Inhalt dieser seiner Schrift skizzirte, welcher hier zum Abdruck gelangt ist. Besondere Anerkennung verdienen dann die Proben der schriftstellerischen'Leistungen R. Josna Falk's, von welchen neben mehreren agadischen Stellen auch eine halachische, der Pene Iehoschua zu Makoth 2n, angeführt worden ist, so daß auch dem Laien ein Einblick in die eigenthümliche Geistesthätigkeit eröffnet wird, die sich in den von gewissen modernen Historikern über die Achsel angesehenen Snpercommentatoren bekundet. Während des Rabbin.ats des R. Abraham Lissa wurde Frankfurt wiederum der Mittelpunkt eines Streites, der weite.Kreise in Anspruch nahm, nämlich des Streites wegen des. sogenannten Clever Get. Der Verfasser stellt sich, dem Satze rm r»x ropo' entsprechend, auf die Seite der am meisten angefeindeten Partei, er nimmt sich warm der in dieser Sache viel geschmähten Frankfurter Nabbinen an. An der Hand der in dieser Frage gewechselten Schriften sucht er darzuthun, daß die Frankfurter Nabbinen durchaus correct verfuhren, indem sie die in Eleve vollzogene Scheidung für ungiltig erklärten, Und glaubt, daß die rabbknischen Eorhphäen jener Zeit dem ränkevollen Simon Kopenhagen allzuviel Glauben geschenkt und deßhalb sich gegen die Frankfurter hätten.einnehmen lassen. — Interessant sind auch die Charakterbilder mehrerer bedeutender Männer jener Zeit, so des Rabbi Moses .Kann, der sich ein besonderes Verdienst dadurch erworben, daß er die Freigebnng der Talmudbücher erwirkte, die damals durch die Wühlereien der Judenfeinde unter Schloß und Riegel gelegt worden waren, und ebenso des in vielen Zweigen der Wissenschaft und namentlich in der jüdischen Literatur hervorragenden Dr. Worms. Die ganze höchst verdienstvolle Schrift schließt sich würdig den voransgegangenen beiden ersten Theilen des Werkes an. Es wäre' sehr zu wünschen, daß diese und mehrere andere, in neuerer Zeit erschienenen Specialgcschichten Nachahmung finden, und daß jede Gemeinde, die eine hervorragende Stellung in der Geschichte Israels einnimmt, es sich zur Ehre rechne, die Thatcn und Schicksale ihrer Vergangenheit zn verzeichnen. Erst ans diese Art werden wir zu einer wahren jüdischen Geschichte gelangen.