Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 30-31 (18.4.1884)
- Date
- 1884-04-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Jischmael um das ihm zukommende väterliche Vermögen zu betrügen. Ich werde nun nachzuweisen versuchen, daß man daran unrecht gethan und daß unsre Mutter Sarah die Verehrung, die wir ihr zollen, in hohem Maße und in jeder Beziehung verdient. Die betreffende Stelle der heiligen Schrift lautet wörtlich: Nnd es sah Sarah den Sohn der ägyptischen Hagar, den sie geboren dem Abraham, scherztreibend. Und sie sprach zu Abraham: Vertreibe diese Magd und ihren Sohn, denn es wird nicht erben der Sohn dieser Magd mit meinem Sohne, mit Jizchak. — Das hebräische Wort mezachek, das ich niit „Scherz treibend" übersetzt habe, bedeutet nach der Tradition ein Ergebensein den größten und schlimmsten Lastern. Sarah befürchtete, daß Jischmael ihren um vierzehn Jahre jüngeren Sohn Jizchak zum Götzendienste und zu einem unsittlichen Leben verführen würde. Deßhalb verlangte sie die Verbannung des entarteten Jünglings aus dem väterlichen Hause. Soweit wäre Alles einfach und klar. Allein, was bedeuten die Worte: denn es wird nicht erben der Sohn dieser Magd mit meinem Sohne, mit Jizchak? — Wie so oft wird der Sinn dieser Schriststelle durch die Vergleichung mit einer andern klargelegt werden. Es heißt im 5. B. M.: Wenn Dich zum Götzendienste verführen wird Dein Bruder, der Sohn Deiner Mutter. — Unsre Weisen fragen im Talmud: Kann denn nur der Sohn der Mutter, kann nicht auch der Sohn des Vaters verführen? Die Antwort ist, daß der Mensch seinem Bruder, der nur der Sohn seiner Mutter und nicht der seines Vaters ist, weniger mißtraut; weil der Bruder mütterlicherseits nicht mit ihm zugleich erbberechtigt ist. Wenn sein Bruder väterlicherseits ihn zum Götzendienste verfuhren wollte, so würde der Gedanke erwachen: Vielleicht will mein Bruder mich deßhalb zu einem Verbrechen, auf das der Tod steht, verleiten, um mich aus dem Wege zu räumen, damit er allein der Erbe unseres Vaters sei. Bei dem Bruder mütterlicherseits fällt dieses Bedenken weg, denn der beerbt ja einen andern Vater. Daher sagt die heilige Schrift: Wenn Dich verführen wird Dein Bruder, der Sohn Deiner Mutter, dem zu mißtrauen Du nicht Ursache hast. — Aehnlich verhält es sich mit Jizchak und Jischmael. Der Letztere , als der Sohn einer Sklavin, war nicht^erbberechtigt. Daher sprach Sarah: Vertreibe den Sohn dieser Sklavin, damit er mein Kind nicht verführe, und diese Verführung könnte um so eher Erfolg haben, da Jizchak keinen Grund hat, seinem Bruder zu mißtrauen, denn es wird ja nicht erben der Sohn dieser Magd mit meinem Sohne, mit Jizchak. — Wir sehen also, daß es nur die edelsten Motive waren, welche unsre Mutter Sarah veranlaßt haben, die Verbannung Jischmaels ans dem elterlichen Hanse zu verlangen."" Herr Kalmus setzte sich wieder nieder, und Frau Bndweis dankte ihm für die schöne und inhaltreiche Belehrung. Bernhardiue faß stillschweigend da. Eine neue; Welt ging ihr auf. Auch sie hatte beim Unterricht in der biblischen Geschichte das Andenken unsrer Mutter Sarah verlästern gehört. Nun war sie eines AOern, Bessern belehrt worden.. Sie empfand, wie wchig sie vom Judenthum wußte. Die Ansprache der Großmutter rüttelte sie ans ihren Gedanken empor. „Willst nicht auch Du Herrn Kalmus eiu freundliches Wort sagen?" fragte Frau Budweis leise. „„Herr Kalmus,"" sagte Bernhardiue. „„ich habe eine große Bitte an Sie. Würden Sie vielleicht die Güte haben, mich an diesen langen Winterabenden in der jüdischen Religion zu unterrichten?"" „Gnädige Baroneffe," antwortete der Verwalter, „ich fühle mich durch Ihren Wunsch hochgeehrt." Frau Budweis hörte mit Entzücken diese Bitte ihrer Enkelin. „Auch Frau Kalmus," sagte sie, ..die jetzt zum Besuche bei ihren Eltern weilt und dieser Tage zu uns zurückkehrt, wird gern dazu beitragen. Dich, liebes Kind, zu belehren. Sie ist eine hochgebildete und auch im Jüdischen sehr unterrichtete Frun. — Kathi, laß die Zuspeise auftragen!" (Fortsetzung folgt.) Räthsel. Der Unschuld wird mein Antlitz gleichen. Liest Du von vorwärts meine Zeichen, Doch Israel ward ich zur Pein. Willst Du mich gar von rückwärts lesen. Bin einst ein Schurke ich gewesen. Und Schurke werd' ich ewig sein. S. G. Auflösung erfolgt in Nr. 32 u. 33. Die Namen der richtig Lösenden werden, wenn uns solche bis längstens Dienstag Bonnittag den 22. April zugegangen, in der folgenden Nnmmer veröffentlicht. Auflösung des Räthsels in Nr. 27: Friede — Die richtigen Losungen siehe zweite Beilage, Seite 53L. Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Nedaction: vr. Lehmann in Mainz. — Verlag nnd Expedition des »Israelit* gr. Bleiche 4L I. Gottsleben'S Buchdrnckerei (MainzerAnzeiger).