Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 28-29 (8.4.1884)
- Date
- 1884-04-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXV. Jahrgang.' Erste Lcilage M Nr. 88 & 29 bes Israelit. SeiieuDct Slttifel. Briefe nöer Bumänien, den neuesten Stand der dortigen Israeliten betreffend. Mitgetheilt von Dr. I. 6 nc. VII. Ich habe schon in einem meiner Briefe an Sic im Vorbeigehen den christlichen „Handelsclub zu Jassy (bei Leibe nicht: Wahlclub) berührt und sein Wirten in einem Punkte angegeben. Obwohl ich über diesen Club sehr vieles zu sagen hätte, will ich mir den größeren Theil für ein andermal aufsparen und heute nur einiges, mit meiner letzten Ankündigung in - Verbindung Stehendes, mitthcilen. Wie Ihnen schon sein anderer Namen andentet, ist es keineswegs der Vorsatz des "Club" sich mit dem zu befassen, was sein Aushängeschild glauben machen null; denn es kann'nicht genug gesagt tverden, das; ein wirklich nationaler Handel in Rumänien gar nicht vorhanden ist, das christliche Stück aber (ohne national, d. h. der griechische n. s. w. Handel) sich, abgesehen von wenigen Armeniern, im unterem Theile der Moldau und der Walachei befindet, daher ein christlicher „Handels-Club" im obersten Theile Rumäniens, zu welchem die Stadt Jassy gehört, überhaupt ein Unding ist. Die Wahrheit über den „Handels-Club" will ich Ihnen sagen. Der Ministerpräsident Bratiauu, welcher nach langen Kämpfen endlich im Mai 1S7(> zur „Macht" gelangte, um sich zum Schaden des Landes und zum Verderben der Israeliten bis heutigen Tages darin zu behaupten, ist in der ganzen Moldau nicht beliebt. Ja, er ist sogar verhaßt, weil er, ein wlalachischer Cmporkömmling, (Tschocoi) nach der im Jahre 1859 zu Stande gekommenen Vereinigung der neiden Fürstenthümer zu einem einzigen Rumänien den einen Theil des Gesannntlandes, die Moldau gänzlich vernachlässigte und ihn in Verfall brachte, indem er dem noch mehrere Jahre darauf üblichen Regierungsmodus entgegen die gesammte Administration und. was davon entspringt, langsam nach Ducarest überführte. Cben aus dem Grunde ferner, daß durch die Centralisation die Walachei den ganzen Profit des Vereinigungsgeschäftes einsteckt, während die Moldau sichtlich schon zu Grunde gegangen ist; und weil die Moldauer es nicht vergessen können, daß sie am 8. April 1806, an welchem sie sich von den Walachen mittelst Revolution in Jassy wieder trennen wollten, von w al ach.ischen Soldaten niedergeschossen wurden — — giebt es in der Moldau viele und natürlich in deren Hauptstadt am meisten Seperatisteu und auch ein paar Throucandidaten für den Fall einer möglichen Trennung. Schlau, wie Herr Bratiauu istist er auf verschiedene Mittclchen bedacht gewesen, um erstens die Trennnngslnstigen zu überwachen und zweitens für seine Person, nach einem ganz großen Muster eine Partei “sans pbrase“ zu schaffen, die im Zusammenhang mit dem in Rumänien geltenden Wahlgesetze wohl zur Befestigung seiner unzähligen Jlickregiernngen seit 8 Jahren mehr als nothig gethan, die oDer V mit der wirklichen öffentlichen Meinung in der Mol-; bau in gar keiner Verbindung steht. Darum also gerade in Jassy ein christlicher „Handels-Club", darum die verschiedenen Vereine in der Moldau, welche angeblich zum Zweck haben, den „uätionellen" d. h. antisemitischen (richtiger als: christlichen) Handel und die Industrie zu fördern — — wenn das Bestreben zur totalen Vernichtung des israelitischen Handels gleichbedeutend ist mit der Hebung des christlichen! Und dieser ganze Leibtroß des Herrn Brätianu. welche die „ökononlischen" und „kaufmännischen" Vereine ausmachen, besteht seinem wahren Zwecke entsprccheud aus — ratheu Sie — steltensuchenden Hungerleidern (die sich vielfach aus durch „noble" Passionen ruinirteu Guts-) Beamten alter Rangklaffeu, die vom rumänischen Volke (und von der „israelitischen Station" in Numüttien), wollte sagen, von der Regierung des .Herrn Prämierministers bezahlt tverden, aus einigen clientenlosen Advocaten, Universitäts-Professoren und allerhand dunklen C'hrenmännern-mir aus Kauffeuteu nicht! Diese alle sind Walachen — nicht Moldauer — und von ihrem Herrn und Meister in den verschiedensten Cigenschaften nach der Moldau hinüberbescheert, um den „Handel" durch Antisemitismus zu „heben" und als Hauptgeschäft: . Die Wahlen im Sinne Bratianos ausfallen zu lassen. Dazu freilich hat er noch 30 Oltener Bewohner jenseits des in dieDormu mündenden Flußes Olt, zwischen bicfem und Orschowa: sogenannte „kleineWalachei") auf Kosten des Staates (und auch der Israeliten!) nach