Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 28-29 (8.4.1884)
- Date
- 1884-04-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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598 Da umarmte die alte.Frau das junge Mädchen und rief laut weinend: „Gelobt seist Du Ewiger, unser Gott, König "der--. Welt,, der gütig ist und Gutes erweist!^ , Lauge hielten, sich die- Beide umschlungen, und Frau Budweis wollte nicht, aushören, die Enkelin zu umarmen und zu küssen. ' Dann aber erinnerte sie sich des herannahendcn Sabbats und sprach: „Ich will nur erst anzünden!" Und auß den Armen der Enkelin eilte sie hinweg an den Tisch, um die sechs Lichter anzuzünden, die auf silbernen Leuchtern dort aufgestellt waren. Dann rief sie das Mädchen herbei und befahl ihm, das gnädige. Fräulein in das Fremdenzimmer zn führen und das Gepäck hinaufbringen zu lassen. Während Bernhardine sich umkleidete und sich kn dem ihr angewiesenen Zimmer wohnlich einrichtete, betete Frau Budweis die für den Freitag Abend bestimmten Gebete. Mit großer Innigkeit sprach sie die Worte: „Wohlan, laßt uns jauchzen dem Ewigen, jubeln dem Fels unseres Heils. Laßt uns vor sein Angesicht kommen mit Dank, mit Lobgesängen zu Ihm aufjubcln!" Wie paßten doch diese Worte so sehr zu dem Gefühle des unendlichen Glückes, das ihr Herz erfüllte! Ihre Enkelin war bei ihr, das einzige Kind ihrer tiefbetrauerten Tochter. Und diese Enkelin war nicht dem Judenthume verloren, wie die Großmutter so oft bangend und zagend gefürchtet hatte! Frau Budweis vermochte nicht weiter zu beten; ihr ganzes Herz ging auf in den zwei ersten Versen des Psalms, der die Sabbatgebete einleitet. Der Verwalter, die jüdischen Knechte und Mägde, die. an Sabbat- und Feiertagen am Tische der Gutsherrschaft speisten, traten herein und wünschten: „Gut Sabbat." Da erinnerte sich Frau Buttweis erst, daß sie noch am Anfang der Sabbatgebet«: hielt, und jetzt gelang es ihr das Gebet fortzusetzen. Als sie fertig war, sah sie, daß der Verwalter schon den Becher 'gefüllt hatte, um über ihn die Heiligung des Sabbats ausznsprechen. „Lassen Sie noch, Kalmus," rief ihm Frau Budweis zu. „Wir werden heute etwas später essen. Ich habe einen lieben Besuch bekommen; meine Enkelin ist hier. Ich werde sitzt hinaufgehen und sie hcrunterführeu." Mit diesen Worten verließ sie das Zimmer und eilte mit elastischen, jugendlichen Schritten, die Treppe hinauf. Die Freude hatte sie verjüngt. Sie stürmte in Bernhardinens Zimmer und umarmte die Enkelin aufs Neue. „Mein geliebtes Kind," rief sie, „wie glücklich bin ich, daß Du bei mir und daß Du noch Jüdin bist!" Und wiederum fing die alte Frau an zu weinen. „Großmütterchen," sagte Bernhardine, „wie wohl thut mir das, daß Du mich so lieb hast und Dich so sehr mit mir freust' Seit dem Tode meiner Mutter hat mich Niemand mehr lieb gehabt." „„Und Dein Vater?"" „Ich bin heimlich ans seinem Haufe entflohen." „„Entflohen? Weßhalb?"" „Er wollte mich zwingen, den Bruder feiner Frau zu heirathen.' Da bin ich heimlich fortgereist, um bei Dir Schutz und Hilfe zu suchen." „„Das hast Du gut gemacht, ich werde Dich schon zu schützen wissen. Du mußt mir noch Alkes ausführlich erzählen. Jetzt über müssen wir zum Essen hinuntergehen. Meine Leute warten, und die sind gewiß hungerig. Nach Tisch haben wir einen langen Abend vor. Komm, mein Herzenskind! Me schön Du bist! Gott, mein Gott, wie kann ich Dir genug danken!"" (Fortsetzung folgtZ3 Preis * Räthsel. Verdrängt zn werden ist mein ständig Loos, Ich, die der Herr des Weltall einst bedienet. Durch die Du zogest, wurdest Du entsühnet. Und doch, reichst Du mir kosend Deine Hand, Hast Du Dich auch von mir schon abgewandt. Ein wenig änd're, doch nicht meinen Klang, Groß war ich einst, groß werd' ich wkederkehreu. Hältst trcn Du Deines Gottes weise Lehren; Du, die durch mich im Trübsal angetrant. Dem Herrn der Schaaren, die beglückte Braut. Io». Lehman». Auslösung erfolgt in Nr. 3L Der Preis besteht aus beide» ^heilen »Nabbi Iojetmanu“. Prachtband. £?et mehrere» richtigen Losungen, die unS brS spätestens Mittwoch Vormittag den 23. April ^«gegangen sein müssen, entscheidet das Loos und erhalt der Gewimrer die Bücher franco zugesandt. Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaktion: Pr. Leh mann irr Mainz. — Verlag mib Expedition bei »ISraelit* gvoge Bleiche 43. Z. Gvt 1 Sieden'S Buchdruckerei (MainzerAnzeigers