Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 28-29 (8.4.1884)
- Date
- 1884-04-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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500 Jassy spedirt, um dem Handel der „Fremden" wirksamentgegenzuarbeiten, worüber Sie aber bald etwas Hochlächerliches zu hören bekommen sollen. Ihrem statutenmäßigen Zweck entsprechend, sich mit ,-conunerziellen und industriellen Fragen" zu beschäftigen, kann man es nicht gerade in ihren privaten "Sitzungen, dafür aber aus den öffentlichen Zeitungen (leider nur in Rumänien!) erfahren, daß die „commerziellen Clubs" u. s. w. sich nicht blos auch mit, sondern, daß sie sich ausschließlich mit Politik befassen und ganz und gar nicht mit Handel und Gewerbe,von welchen sie, schon nach ihren Bestandtheilen geurtheilt, keine blaue Ahnung haben können. Es wird in den Sitzungen der Fußtritt des Fürsten Bismarck (dessen vertrauliches Circular an die deutschen Handelskammern, 1882, betreffend Creditgewähren nach Rumänien) noch einmal und wieder einmal bekannegießert; es wird der weithinschallende Backenstreich debattirt, welchen dieselbe Durchlaucht dem Gernegroß-Rumänien 1883 ertheilte, als er ihnen sagte: ihr habt hier nichts zu suchen in der Antichambre könnt ihr auf Bescheid warten, und sie durch den Grafen Minister von der Londoner Donau-Collferenz ausschließen ließ; es werden politische Glaubensbekenntnisse (Partei-Programm) verfaßt; es werden Vorbereitungen zu den Wahlen getroffen, die aus antisemitischen Agitationen ihren Lebensstoff beziehen; schließlich sind die Wahlen herangekommen, bei welchen dann, zur Erlangung von „freigewählten" Vertretern des (christlichen!!) Volkes, der seit 1867 berü—hmt gewordene sogenannte „normalische Einfluß" aufgewendet werden muß, bestehend in sehr materiellen Holzknüppeln, welche auf die Schultern der gegnerischen Wähler (es ist ein wahres Glück, daß die „Juden„ keine Wählerrechte haben — welche Fürsorge der rumänischen Regierung,) nur so vom Himmel regnen. Es wird in den „Clubs" auch über Handel gesprochen und zwar über den wirklichen-Kleinkram, aber nicht um ihn zu fördern, sondern um ihn definitiv zu begraben durch Monopole, welche für die schon erwähnten Oltener befürwortet und bei der Stadtverwaltung sehr leicht erlangt werden, indem man den niedersten Kleinhandel aus den Händen der Israeliten nimmt, die einen Theil davon haben. Daß die „Clubs" sich außerdem mit Vorschlägen zur Vernichtung des (israelitischen!) Großhandels befassen, habe ich im Vorbeigehen schon erwähnt; in welcher Weise dies geschieht, muß ich einem andern Briefe überlassen zu sagen. Verzeihen Sie, daß ich mich durch die antisemitischen Negierungsclubs oder regierenden Antisemiten-Clubs bis nun aufhalten ließ. Wollen Sie jedoch positive Auffchlüsse über den neuesten Stand der rumänischen „Judenfrage" haben, so muß ich auch von den dortigen Verhältnissen im Allgemeinen sprechen; ich muß Ursachen und Wirkungen mit in Betracht ziehen. Aber nun haben Sie auch die Güte sich vor Lachen zu schütteln, denn ich bin im Begriffe über die Oltener und den „Kleinhandel" zu sprechen. Die Oltener sind in Bucarest das, was die französischen Auvergnaten in Maris sind, aber — versteht sich: ländlich, sittlich — in vergröberter Form und ohne den industriellen Geist der Ersteren. Während der französische Kleinstädter aus der Auvergne nach Paris geht, um sich da ein Hotel— garni, Restaurant, Weinschank u. s. w. einzurichten, dabei aber sich in jedem beliebigen Handel und Gewerbe sehr schnell zurechtfindet: weiß der rumänisch oltener — Hemdarmel-Bauernbursche nichs Anderes, als schon mit Tagesanbruch die Stadtbewohner aus dem. Schlaf zu wecken, mit dem durch alle Straßen gellenden Ausrufen seiner: Milch, Kohl, Kartoffeln, Petersilie und anderem Grünkram, Fleisch, Fische u. f. w., die er an zwei zu beiden Seiten abhängen-. den Körben ausbietet. Dieser GrünundVictualienkram führt in Rumänien den anderwärts nach etwas Anderem klingenden Namen „Kleinhandel" — und, wenn Sie sich unter Letzterm vorgestellt haben, auch Nadeln, Knöpfe, Zwirne, Stoffreste, Toillette- Seife, Bänder Spangen u. s. w. für den armen Mann aus dem Volke, wenn Sie geglaubt haben, das; diese und andere Artikel in kleinen Läden, in der Stadt, in Ständen oder auch nur „fliegend" auf den Wochenmärkten, wie im Auslande, von den fabelhaft betriebsamen Oltener kaufmännisch vertrieben werden: so haben Sie sich natürlich geirrt! Von diesen Oltenern nun hat Herr Bratiann 50 Stück von der „kleinen Walachei" nach Jassy geschickt, um mit ihrem Grünkram dem „fremden" -Großhandel in Manufactur n. s. w. Eoncurrenz zu machen (und mit ihren Traghölzern dem „moralischen Einflüsse" den gebildeten Commerzial- Clublingen nachzuhelsen) . ....! Man scheint aber, trotz des offen zuTage liegende» Zwecks und trotz der ungeheuren Lächerlichkeit eines nur entfernten Gedankens an wirklichen Handel, steif und fest zu glauben, daß wirklich die Oltener „den commerciellen Aufschwung" des Landes herbeiführen werden!! Es ist wahr, man soll im Kleinen anfangen; allein, Grünzeug und Seiden- oder anderes Zeug und was noch alles Gegenstände des wirkliche» .Handels bilden, sind denn doch grundverschiedene Dinge und es läßt sich mit apodictischer Sicherheit vorher sagen, daß der wirklichnationale Grünkram den inlaudisch-„Fremden" Großimport des Allslandes trotz oder gerade wegen der großen Stiefel, mir