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Der Israelit · 1884-04-08 · Heft 28-29 (8.4.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 28-29 (8.4.1884)
Date
1884-04-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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597 ist; denn: der erste Rabbiner, der aus dem! Pesther Seminar entlasten wurde, und in Groß- Kanizsa als Rabbiner und Prediger ausgenommen, hat schon, dem Geist des Seminars angemessen,' die reformatorischen Ideen eines Geiger und Eonsorten ° in's Werk gesetzt. Herr Dr. Reumann,'Rabbiner in G. K., hat nach einem Jahre seines Wirkens die Gebetbücher, in welchen die glorreiche Erinnerung an das heilige Land '01 ncs nx, D^n^i abgeschafft und das Geiger-Sidur eingeführt und wenn man , solches von den Ersten hört, was werden crft bic i Andern beginnen! Bei der in vorigem Monate stattgehabten Eomi-! - tatswahl in Maros Wasarhely hat auch der vortheilhaft bekannte Med. Dr. Moritz Turnaßly — der sich auch als Hebraist eines guten Rufes erfreut und vor Jahren von Wien aus im luaS-i literarisch thätig war, — versucht, auf dieEomt.Pysikus-Stelle zu reflectiren; er wurde aber aufgefordcrt, sein-Gesuch zurückzunehmen, da man dasselbe nicht berücksichtigen wird, weil er ein — Jude ist. Feuilleton. Kur standhast. XXXVII. Frau Budweis hatte soeben die Lichter „zum Anzünden" ausgestellt. Alle Vorbereitungen für den Sabbat waren beendet, ja cs war sogar noch eine halbe Stunde Zeit, und das will etwas heißen an einem „kurzen Freitage" und in einer so großen Haushaltung. Ja, ja, die kurzen. Freitage, die machen unfern Hausfrauen zu schaffen! Einst hatte eine jüdische Frau einen Prozeß. Als der Richter einen neuen Termin auf den 9. November bestimmen wollte, sagte die Frau: Ich bitte Sie, Herr Richter, verlegen Sie es lieller aus einen Tag früher; der 9. November fällt auf einen Freitag, und die Freitage sind jetzt so kurz. — Was, fragte der Richter erstaunt, sind denn die Donnerstage jetzt länger? — lind nun erst in einem großen Haushalte, da macht der kurze Freitag zu schaffen! Und Fran Budweis, wiewohl eine alleinstehende Frau, hatte einen sehr großen Haushalt. Sie hatte so viele Knechte und Mägde, meistens Juden und Jüdinnen. In ihrem' herrschaftlichen Hause hatte sie eine Synagoge einrichten lassen, in der cs niemals an der zum Gottesdienst erforderlichen Zehnzahl fehlte. Auch der Verwalter des Gutes'war ein Jude; er fnngirte zugleich in der Synagoge als Borbeter und Thoravorleser. Frau Budweis sah nach der Uhr. I „Es ist noch eine halbe Stunde Zeit zum Anznnden," sprach sie vor sich hin, „da kann ich mich noch ein wenig ausruhen."; Sie setzte sich in einen Lehnsessel und fuhr in .ihrem Selbstgespräche fort: T ' „Habe ich heute schon tüchtig, geschafft! Ach Gott, für was quäle ich mich eigentlich! Ich bin doch eine recht vereinsamte Frau. Mein einziges Kind ist gestorben, mein ehemaliger^Schwicgersöhn hat sich taufen lassen und ist für mich ebenfalls gestorben. Meine Enkelin — ich weiß nicht, ob sie dem Beispiele des Vaters gefolgt ist. Ich muß daran denken, Testament zu machen , damit mein : Hab und Gut zu wohlthätigen und nützlichen Zwecken ■ verwendet werde. Ich glaube, es wäre das Beste,; wenn ich das Gut bald verkaufen würde; ich könnte ' dann leichtermeine Dispositionen treffen. Freilich die gewohnte und mir lieb gewordene Arbeit ist cs, die mich so gesund erhält und mir die trüben Gedanken verscheucht. Allein, ich fühle es, ich werde alt und 'schwach und bin der großen Arbeit nicht mehr gewachsen." Ein Dienstmädchen trat herein und meldete: „„Gnädige Frau, es ist eine fremde Dame; draußen."" „Jetzt," fragte Frau Budweis, „in der Sabbat- - stunde.? Frage sie, wer sie ist und was sie will." „ .Ich habe sie schon gefragt; sic will es der gnädigen Fran selbst sagen."" „So laß sic cintreten." Frau Budweis erhob sich und ging der Einj tretenden entgegen.; „Sie wünschen?" fragte sie. „„Sie kennen mich nicht?"" fragte die Fremde! zurück. „Meine Augen sind leider sehr schwach; der Ton Ihrer Stimme ist mir bekannt. Ich muß Sie. bitten, sich kurz zu . fassen; es ist bald Sabbat." j „„Großmama!"" Bei diesem Worte stieß Fran Budweis einen j lauten Schrei aus. Sie trat ganz nahe au die Fremde heran, ergriff ihre beiden Hände, führte sie ans Fenster, schanle ihr ins Gesicht und rief mit , last vor Thränen erstickter Stimme: „Bei Gott, Du bist es, meine Enkelin Bernhardiner Doch ehe ich Dich an mein Herz drücke, sage mir eins: Bist D» noch Jüdin?"! „„Ich bin eS,-Großmama!""

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