Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-04-08 · Heft 28-29 (8.4.1884) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 28-29 (8.4.1884)
Date
1884-04-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449435--19944-2509451
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

496 Bewegung), und wir Alle müssen uns dcßhalb schuldi bewußt an die Brust schlagen. Ich schiede die Schuld nicht ausschließlich der Negierung zu; aber durch.-die Duldung des Antisemitismus in ihren Neil)EWx> sie viel dazu bei, diese Verwilderung zu förbeffi; Hätte die Negierung rechtzeitig gegen diese Propaganda protestirt (Rufe reckts: Sie that es ja!), so wäre Manches anders geworden. Der Antisemitismus ist nicht bei der unwürdigen Verfolgung einer Eonfession stehen geblieben, denn wir gewahren ja bereits auch Antiphatien und Feiudseligketien zwischen christlichen Confessionen. Bald werden alte Confesstoncn des Landes, sich bekämpfend, einander gegennberstehcn. Dasselbe wiederholt sich bei den politischen Parteien, und es ist daher die Pflicht des Abgeordnetenhauses, im vorliegenden Falle auf die größte Strenge zu dringen. Hier handelt es sich nicht um den Abgeordneten Hermann allein, sondern um das Ansehen der ungarischen Legislative. Minister-Präsident Tisza will jetzt auf die Angriffe Helfy's im Einzelnen nicht eingehen, sondern nur constatiren, daß er von der Opposition heftig angegriffen worden, als er zur Bekämpfung .des Antisemitismus königliche Commissäre entsendete und das Standtrecht verkündete. Auch er ist der Ansicht, daß es sich jetzt nicht um Personen oder Parteien, sondern um das Ansehen der Legislative handle, und daß es Pflicht Aller sei, zum Schutze desselben znsammenzustchen. (Lebhafter, allgemeiner Beifall.) Aus Siebenbürgen^ So wie bis heute noch sehr wenig über die Siebenbürger Inden und ihre Gemeinden geschrieben wurde, so wenig historische Spuren finden wir über ihre Vergangenheit. Wir wissen nur, daß in der Mitte des 17. Jahrhunderts die Juden Siebenbürgens in geringer Anzahl einzeln zerstreut, als Branntweinbrenner und Oekonomiebeamtc, von dem Landvolke Mißhandlungen erdulden mußten. Der erlauchte Landesfurst Rackozy I., ges. Andenkens, erlaubte in seiner damaligen Residenz Korlsburg, daß die eiugewauderten Juden sich eine Synagoge und alle jüd. Institutionen bauen durften und crtheilte ihnen zugleich die Eoucession zu einer jüd. Geulekudc. Augezogcu durch den großen Hofstaat des Fürsten kamen die Sophiaer und Tcmesvarer Spaniolen, die in T. um das Jahr 1716 — als Prinz Eugen die türkische Herrschaft vernichtete — eine große portugiesische Gemeinde bildeten, nach Karlsburg, und diese jüd. Gemeinde war die erste in Siebenbürgen. Eine Gemeinde der AsÄkcnasim finden wir erst im Jahre 1830, siehe .'Ui?) r"w i"o '"o ns'D cnn, wo die Letzteren, die in der Majorität waren, gegen die portugiesischen Minhagim Protest einlegten; sie trugen auch den Sieg davon. In dieser Stadt war auch der Sitz des Landesrabbinats, und nach einer Ueberlieferung soll der erste Siebenbürger Landcsrabbiner der bulgarische Rabbiner ans Sophia rv*»o 'i rwn gewesen sein, ^bekannt-sind nur drei Landrabbiner: Rabbi Abr. Donat, Rabbi Jechezkel und Rabbi Friedmann, mit dem Letztere» erlosch in Folge des im Jahre 1868 - in. Pesch abgehaltenen jüdischen Congreffes das Skebenbürger Landrabbinat. Gegenwärtig ist dort der Lokal-Obcrrabbiner Salomon Weiß, Verfaffer des ' geistreichen Werkes cr'^-'e, dessen Frömmigkeit und Intelligenz der Gemeinde, dem Gotteshause und der Schule zum Segen gereichen. Seit dem Jahre 1818, dem Jahre der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, sind auch mehrere ansehnliche Gemeinden in Siebenbürgen entstanden; ich nenne die Gemeinden Klausenburg, Dees und Kronstadt; von der ersteren kann man leider nichts Erfreuliches berichten, Zank und Hader der Ehasidim, Neologen und der Schomre- Hädath-Gemeiudcn ist die dortige Parole. Der junge Rabbiner, der durch den w2x not zur Stelle gelangte, besitzt nicht die Energie feines Vaters, die Einheit der Gemeir.de wieder herzustellen und so liegt die Schule, die Pflanzstätte der Zukunst, öde und wüst; es wurde ihm gekündigt; und nur durch das energische Einschreiten und die Klugheit des in unserer Gegend berühmten Oberrabbiners zu Dücs, würde er wieder in sein Amt eingesetzt. Die Leitung der Matriken wurde ihm aus Händen genommen, da seine mm' von seinem sel. Onkel nicht. ausreichend war, um seine Befähigung in der Führung der M. zu qualifizieren. Die Gemeinde Dees ist die ansehnlichste Gemeinde in Frömmigkeit, und wahrlich hier ist das Wort unserer aisn o'osn o-pcn nx -1230 anwendbar, eine Zierde Israels, pis n'w 'nonjn crua 'n-o pxan. Diese Responsen sind in diesem Monate in Druck erschienen; sie werden in Fachkreisen als meisterhaft gerühmt. — Sem geistreicher und intelligenter Schwiegersohn, Herr Schabse Riscl, der sich einer großen Popularität in Siebenbürgen erfreut, hat sie edirt und die Correctur besorgt. Die zuletzt genannte Gemeinde Kronstadt ist eine reiche, ansehnliche Gemeinde. Die Schule, eine wahre Zierde derselben, wird durch den wackern Director Hr. Stcinhard geleitet. Obzwar eine verhältnißmäßig große Gemeinde, hat sie doch keinen Rabbiner und seit der Zeit, daß Hr. Löbl Aronsohn Präses ist, wurde die Rabbinerfrage ganz verdrängt, da er wie auch andere Gemeinden in Ungarn keinen Rabbiner acceptiren wollen, bis die vacante Stelle durch einen ung. Seminar-Zögling besetzt wird, und diesem Beschlüsse haben sich auch mehrere Reologen angeschlossen, und leider, dies führt zu Zänkereien zwischen den gesetzestreuen Israeliten und den Cougreßlern, da die Furcht der erster» keine unbegründete

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.