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Der Israelit · 1884-04-08 · Heft 28-29 (8.4.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 28-29 (8.4.1884)
Date
1884-04-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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„In jedem Zeitalter ist der Israelit verpflichtet, ’ cs sich so vorzustcllen, wie wenn er selbst ans Aegypten gegangen wäre," wie cs heißt: lliib Dn sollst verkünden an dcmsclbigen Tage Deinem rsohne- - wie folgt: Um dieses willen hat der Ewige mir ge- , tha», als aus Aegypten ich zog." Nicht allein, daß die Befreiung unsrer Vater? aus dem Stlavcnjoche auch unsre Befreiung in sich schließt — dieselben Vorgänge haben sich im Laufe der Jahrtausende vielfach wiederholt. „Siehe," so sprach Pharao zu den Aegyptern: „das Volk der Kinder Israel wird zahlreicher und mächtiger als wir; es ist ein fremder Volksstamm, der sich mit unfern Feinden verbinden und uns ans nnserm Lande vertreiben könnte." Aus dieser Meinung des Aegypterkönigs entsprang all das entsetzliche Elend, welches unsre Voreltern inMizrajim erdulden mußten, und hätte Gott sic nicht in wunderbarer Weise befreit, so wäre von uns längst keine Spur mehr vorhanden. Fast ein Jahrtausend war verflossen; der isracl. Staat war zertrümmert, und wiederum befand sich Juda im fremden Lande; da sprach der im persischmcdischcn Reiche allmächtige Minister zu seinem Monarchen: ..Es gibt ein Volk, zerstreut und getrennt unter den Völkern in allen Provinzen Deines Reiches, und ihre Gesetze sind anders als die der übrigen Nationen, und die Gesetze des Königs halten sie nicht. Wenn cs dem König gefällt, so möge der Befehl erlassen werden, sie zu vernichten." Und der König willigte ein, ohne zu untersuchen, und ein ganzes Volk, das nichts verbrochen hatte, wurde dem Tode geweiht, und hätte Gott unsre Voreltern nicht in wunderbarer Weise errettet, so wäre der Name Juda's schon damals von der Erde verschwunden. Wiederum waren Jahrhunderte vergangen; an Stelle der Perser waren die Griechen die.Herren der Welt geworden. Im syrischen Reiche sollte die Religionscinheit eingeführt werden, und die Anbetung des cinziacn Gottes und die Erfüllung Seiner heiligen Geoote wurde mit dem Tode bestraft. Schon war die nur noch glimmende Kohle Israels dem Erlöschen nahe, als Gott die heldcnmüthigeu hasmonäischen Priester erweckte, die ihr Leben einsctzkn zur Errettung und Befreiung ihres Volles, und hätte nicht Gott ihren Waffen in wunderbarer Weise den Sieg verliehen, so wäre mit Israel die Erker.ntniß der Wahrheit vertiMworden. Nicht, daß die Römer unser'Heiligthum verbrannten und unfern Staat zerstörten, war die größte Gefahr, die uns von diesem Volke gedroht, sondern jene furchtbare Verfolgung unter Kaiser Hadrian, die dem mißglückten Aufstande des Var Kochba folgte. Kaiser Hadrian wollte das Jndcnthnm in; der Wurzel ausrotten; aber Gott hat unser Volk beschützt und behütet und unsre Voreltern jene schreck- : liehen Gefahren überdauern lassen. Wären die , Blut befehle Hadrians so ansgcführt worden, wie sie , gegeben wurden — es wäre von Juda nichts übrig : geblieben.! Der Aufstand des Bar Kochba war die letzte politische Erhebung unsres Volkes. Niemals wieder haben die Inden sich znsammcngethan, um das Joch ihrer Beherrscher abzuschüttcln und einen jüdischen Staat wieder hcrznstcllen. Trotzdem haben die Verfolgungen und Unterdrückungen nicht aufgehört, nicht unter den byzantinischen Kaisern, nicht unter den Herrschern der germanischen Stäunne, die zur Zeit der Völkerwanderung dem weströmischen Reiche ein Ende machten, und als Mahomed ausstand, eine neue Religion zu gründen, die, ebenso wie das Ehristenthum, ans dem Jndenthnm hcrvorgegangcn war, richtete sich sein Haß und seine Verfolgungssucht zunächst gegen die Juden. Aber Gott wendete die Herzen seiner Nachfolger, so daß in ihren Staaten die Inden vielfach Schutz und Ruhe fanden. Nicht kann es unsere Absicht sein, hier die Verfolgungen und Unterdrückungen aufzuzählen, die in den finstern Zeiten des Mittelalters unser Volk mit Tod und Vernichtung bedrohten. Als das Mittelalter sich feinem Ende zuncigte und die Sitten ansingen, milder zu werben, da verhängte man in vielen Ländern Europas das schreckliche Loos der Verbannung über unsre Voreltern, ein trauriges Geschick, fast schlimmer noch als der Tod. Aber Gott hat uns beschützt und behütet und uns vor dem Untergänge bclvahrt. , Daun war eine glückliche Zeit gekouunen, eine Zeit der Ruhe und des Friedens. und wenn wir am Sedertische saßen und in der Hagadah die Worte lasen, daß man in jeder Zeit gegen uns anfgestanden, uns zu vernichten , daun dankten wir Gott in unfern Herzen, daß wir in einer erleuchteten Epoche leben, in der uns Ruhe geworden von allen Feinden ringsumher. Ta wurden wir plötzlich ansgerüttclt aus der Ruhe. Aus kleinen Anfängen entwickelte sich die antisemitische Bewegung, bis sie große und drohende Dimensionen annahm. In Rußland fanden Judenverfolgungen statt, die denen des Mittelalters um nichts nachstandcn, und die alten, grauenhaften Beschuldigungen, dietausendmal als wahnwitzige Verläumdungen nachgewicsen lvordcn sind, tauchten wieder auf. Noch stehen wir iumUleu dieser traurigen Bewegung; aber wir verzagen nicht. Das Pesachtest naht heran und erneut in uns die beglückende Ueberzeugung, daß der allgütige Gott, der uns aus Mizrajim erlöst hat, um uns zu Seinem Volke zu er-

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