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Der Israelit · 1884-04-08 · Heft 28-29 (8.4.1884) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 28-29 (8.4.1884)
Date
1884-04-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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4Ö2 Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Tie Frankfurter Indengasse (mit Illustration). — Tie Erlösung auL dem Sklavenjoche. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Hegenheim. LudwigSburg. — Lest.-Nng. Monarchie: 2mol Pesih. Aus Siebenbürgen. — Feuilleton: Nur standhaft. — PreiS-Räthsel. — Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Briefe über Rumänien. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Oest.-Ungar. Monarchie: Pesth. — Italien: Venedig. — Türkei: Konstantinopel. — Afrrka: Tunis. — Feuilleton: AnSdemLeben eines orthodoxen Rabbiners. — i Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Test. - Ungar. Monarchie: 4mal Pesth. Lfm. — Feuilleton: Das Feld der Rabbinen. — Sikben-Räthsel. — Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. surt wurden auf einen sehr engen Raum beschränkt,; In Folge dessen mutzten die Häuser ganz unverhältnißmüßig in die Höhe gebaut werden, was der engen , Gasse einen ungemein düstern und melancholischen Charakter verlieh. Jetzt ist die eine Seite vollständig; abgerissen, so daß man sich keine Vorstellung mehr; von dein schauerlichen Eindruck machen kann, den das; Frankfurter Ghetto auf den Besucher hervorbrachte. ' Und doch war dieses Ghetto die Gcbnrtsstätte und; der Wirkungskreis vieler großer und bedeutender - Männer mid Frauen. , ' Im Jahre 4711 wurde die Frankfurter Juden-; gasse fast gänzlich vom Feuer zerstört. Damals war! der berühmte und gelehrte Rabbi Raphtali Kohen! Rabbiner in Frankfurt. Cs wurde das Mährchen - erzählt, der Rabbiner habe, um das Feuer zu löschen,! den über den Hagel gesetzten Engel durch eine Vc-; schwörnngsformel hcrbeizuführen' gesucht, habe sich aber in der Beschwörung geirrt und den Engel des Feuers herbeigezogen, wodurch dann der Brand eine so überaus große Ausdehnung gewonnen. Selbst bei der Behörde fand dieses Mährchen Glauben. Der Rabbiner wurde gefänglich cingczogen, aber wieder in Freiheit gesetzt, als er durch einen feierlichen Schwur bekundete, datz an. der ganzen Geschichte kein wahres Wort sei. Der Aufenthalt in Frankfurt war ihm jedoch verleidet. Er verließ diese Stadt und wollte später nach dem heiligen Lande auswandern. Ans der Reise ereilte ihn in Constantinopcl der Dod (1719). Von den Dielen großen Männern, die in der Frankfurter Judengasse das Licht der Well erblickt haben, wollen wir nur einige nennen: Rabbi Tewele Scheuer, später Rabbiner in Bamberg und Mainz, dessen Sohn Rabbi Herz Scheuer, später Rabbiner in Mainz, Rabbi Nathan Adler, kurze Zeit Rabbiner in Voslowitz in Mähren, Rabbi Moses Soser (Schreiber), später Rabbiner in Pretzbnrg, Rabbi Abraham Bing, später Rabbiner in Würzbnrg, Rabbi Meier Rothschild, Begründer des weltberühmten Bankhauses. Seine Gemahlin Gndnla, welche ihren Gatten um etwa 40 Jahre überlebte nnd den großen Glanz ihres Hauses erschaute — sie starb im Jahre 1848 in einem Alter von 98 Jahren — war nicht zu bewegen, das alte Haus in der Judengasse zu verlassen und einen der Paläste ihrer Söhne zu beziehen. Ihre fünf Söhne, die später an der Spitze der haute finance in Frankfurt, Wien, London, Paris und Neapel standen, sind sämmtlich in der Frankfurter Judengasse geboren. — Auch der berühmte Schriftsteller Ludwig. Börne, der jedoch dem Judenthum untreu wurde, hat hier das Licht der Welt erblickt. Das Geburtshaus Börnes wird demnächst abgerissen werden: es ist das mittlere auf unserem Bilde. Ludwig Börne hieß ursprünglich Lod Baruch; er wurde im Jahre 1786 geboren und starb 1837. Das Haus seiner Geburt wurde durch eine marmorne Gedenktafel ausgezeichnet. Das Verbot, außerhalb der Judengasse zu wohnen, wurde im Anfänge dieses Jahrhunderts, als unter Napoleons Aegide Dahlberg Großherzog von Frankfurt wurde ansgehoben, und nach und nach wurde die Judengaste von den Juden verlassen. Die engen und düstern Häuser, in denen einst so viele große und edle Männer und Frauen gelebt und gewirkt hatten, wurden nunmehr zu Wobnnngen des Proletariats; Wirthschastcn niederen Ranges und zweifelhaften Rufes wurden daselbst etablirt. Es war daher mit Freude zu begrüßen, daß die Häuser zerfielen und abgerissen werden inußten. Roch steht die eine Seite; es reiht sich dort Ruine an Runie. Die Dächer und die Fronten sind mit grauen Schindeln bedeckt; die unteren Stockwerke sind behängen mit alten Stiefeln, alten Kleidern und sonstigem Gerümpel. Bald werden auch sie von der Erde verschwunden sein. Möge die Zeit des miltclalterlichen Druckes und der finstern Verfolgungssncht niemals wiederkehren! Die Grtöstmg ans dem Skkavenjoche. IT.*) Mainz, 3. April. Die Feier des Pesachfestes ist uns mehr als eine bloße Gedenkfeier. son tVso losy rx dix ~>ni in V22 x*nn w'2 yib mm -»dxmt d'-öbd xs* : d'-.üdd 'V *1 nrji nt *) Fortsetzung und Schluß.

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