Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 27 (3.4.1884)
- Date
- 1884-04-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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480 so vielfach in Anspruch nehm.cn, noch Interesse genug für dieses Studium bewahren, um weiter zu lernen. Da wo,- wie z. B. in einer einktaffigcn Schule, wahrend der gewöhnlichen Unterrichtsstunden dieser Unterricht nicht zu ermöglichen ist, läßt sich vielleicht ein besonderer Enrsns dafür cinrichten, und davon bin ich überzeugt, daß, wenn erst der ganze hebräische Unterricht in der von mir angedeuteten Weise mehr auf grammatikalischer Unterlage aufgebaut werden wird, durch die Vereinfachung der Lehrmethode so viel Zeit, die heute -unnütz verschwendet, gewonnen werden wird, daß überall sich etwas für den Mischna- Unterricht erübrigen läßt. Unsere Weisen, die die naturgemäße Entwickelung des menschlichen Geistes beobachteten und das der Kindesnatur Angemessene stets mit richtigem Verständnis; erkannten, gaben für den Beginn des Mischna- Unterrichts das zehnte Lebensjahr an. d’jet -"ry p. Wenn nun dieser Zeitpunkt» wie auch die Erfahrung lehrt, keineswegs zu früh ist, denn die Reite des Verstandes, die das Studium der Mischna erfordert, ist in den allermeisten Fällen - wohl vorhanden, so ist die Frage zu erwägen, ob in - unseren Zeiten, wo die Schuljahre, die vom zehnten j Lebensjahre au noch bleiben, durch ffo vielerlei; Gegenstände in Anspruch genommen werden und die j Aufmerksamkeit so vielfach zersplittert und abgelenkt; wird, nicht schon früher mit dem Mischna-Nnterricht s zu beginnen ist, wenn etwas Ersprießliches geleistet j werden soll. Meiner Ansicht nach kann ganz gut! schon mit dem neunten Jahre begonnen werden. , Hinsichtlich des Wie des Mischna'-Unterrichtes sind es zwei Schwierigkeiten, deren Ueberwindung in Frage kommt, erstens das Lesen der unpunktirten! Schrift und zweitens das llebersetzen rcsp. das Ver-; ständniß des Textes. Das Lernen wird erleichtert ‘ werden, wenn man jede dieser Schwierigkeiten einzeln! zu überwinden sucht, wenn der Schüler eine Mischna : erst auswendig verstehen (mit und dann erst das? Lesen derselben an die Reihe kommt. Man verfahre z. B. in folgender Weise. Man gebe den Inhalt einer Mischna erst vollständig an, erkläre, dem Schüler den ganzen Text derselben auswendig und erst wenn er alles so begriffen hat, daß er es wiedergeben kann, lese man sie inwendig vor, worauf er seine ganze und nngethcilte Aufmerksamkeit auf die richtige Aussprache der Wörter legen kann, die ja bei dem Lesen des Untcrpunktirtcn mit dem Verständnis; innig verbunden ist. Eine gute llebung zum Lesen des llnpunktirtcn ist z. B., wenn man von Zeit zu Zeit die Schüler einen Abschnitt, den sic im Pentateuch gelernt haben, im opn lesen läßt. Man sei ferner bedacht darauf, auch hier den Unterricht immer wieder auf die grammatikalische Basis zurückzusnhren, ohne daß ja dabei auf die Grammatik zu viel Gewicht gelegt zu werden braucht, so daß der Hauptzweck verabsäumt werden könnte; man behalte nur immer das Eine im Auge: je weniger wir mechanisch zu Werke gehen, je mehr wir stets die Sprache mit klarem und richtigem Verständniß uns zu eigen machen, desto leichter und sicherer werden wir auch voranschreiien, bis wir in alle Zweige eingedrungen und den ganzen Baum der göttlichen Lehre in feiner vollen Schönheit überblicken und durchschauen. ."»sexo n'Dsmi nu O'p'nsv nv» D”n yy „Ein Baum des Lebens ist sie den an ihr Festhaltenden, und die sie erfaffen, sind selig gepriesen." Zeitmrgsrrachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Harberstadt, 20. März Triftige Gründe veranlassen mich erst heute. Ihnen eine traurige Nachricht zu übermitteln. Einer unserer bravste» Jehudim u»d.o'M'dp2, Herr Herz Meyer, Ehefsemor der Firma H. I. Meyer und söhne, Mctallhandlung hier, ist plötzlich nach kurzem Krankenlager, im Alter von 75 Jahren am Rausch Ehaudcsch Adar gestorben. HerzMeyer, ans der als religiös und hochachtbar bekannten Familie Jsaac Meyer (Soest) hier stammend, bildete sich aus, verheiratete und etadlirte sich in der Altmark in einem Orte, wo kein Jude bis dahin existirte, hatte dort 30 Jahre seinDomicil, lebte aber trotzdem streng religiös mit seiner ebenso religiösen Frau. Sie lebten als Iehudim im wahren Sinne des Wortes, trotz ihrer. so sehr beschränkten Mittel hielten sie alle Speise-, Sabbat-, ReinignngSgesetze re. Auf Veranlassung seiner Brüder zog er vor ca. 30 Jahren nach seinem Geburtsorte Halberstadt. Alls eigener Kraft mw dllrch das-Vertrauen, das man in ihn setzte und das er auch rechtfertigte, war es ihm schon nach kurzer Zeit möglich, sich empor zu raffen, seine 4 Söhne, die auswärts als Kausteute conditionirten, nach und nach in sein Metallgeschäst zu nehmen, imb da diese einen immensen Fleiß entwickelten, so gelang es ihnen noch weiter empor zn kommen und gründeten nun die heute als groß dastehende Firma H. I. Meyer u. Söhne, was sie aber hauptsächlich dem Verstorbenen danken, da er bis zu seinem Tode praktisch und theoretisch mitwirkte, und in geschäftlichen, privaten, Familien-und Gemeindeverhältniffen bis dahin auch am Platz war. Für das Judenthum lebte er, seine Söhne dursten