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Der Israelit · 1884-04-03 · Heft 27 (3.4.1884) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 27 (3.4.1884)
Date
1884-04-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXV. Jahrgang. Erste Beilage?u Nr. 27 -es Israelit. Leit eit d er A rt i ke l. Beiträge zur Wctt-odiK des hebräischen Unterrichts. (Siehe Nr. 8 uns 11.) IIL .Soll der Mischna-ilnterricht schon in der gewöhnlichen Elementarschule ertheilt werden? zu welcher Mt kann derselbe beginnen? und in welcher Weise kann inan am besten die Kinder in die Mischna einsühreu? sind Fragen, die schon oft erörtert worden sind, die aber immer wieder angeregt zu werden verdienen, weil darüber noch die verschiedenartigsten Ansichten vorhanden sind und noch lange keine Klarheit erzielt ist. Wenn der Zweck de» Schulunterrichts in der Erlernung derjenigen Kenntnisse und Fertigkeiten besteht, die jeder Mensch im Leben unbedingt nöthig hat, so würde die jüdische Schule ihren Zweck nur sehr unvollkommen erfüllen, wenn sie den Schülern nicht das Lerstäuduiß der Mischna erschließen wollte, desjenigen Zweiges unserer heiligen Lehre, dessen Kcnntniß für jeden Israeliten von größter Wichtigkeit ist. Das Lernen des Pentateuch allein genügt noch nicht, um eine vollständige Kenntniß der göttlichen Gesetze zu gewinnen, da ja unsere schriftliche Lehre, die mm, auf pbeui Schritte auf die mündliche, die ns tysv htp, hinweist und das Forsche» in dieser gebieterisch zur Pflicht macht. Deshalb sagt auch der Talmud: «opös o^po-yn mo ru-ati mo. Um die Kenntniß der mündlichen Lehre zu erlangen,, ist aber ganz besonders die Mischna geeignet, welche in kurzen Grundzügen das Wesentliche der mündlichen Lehre vorführt und das Schriftwort mit der Tradition auf's Innigste verbindet und deren klare und einfache Sprache auch von jedem leicht erfaßt werden kann. Außer dem direkten practiscken Nutzen, den also das Mischnalernen dadurch gewährt, daß wir uns durch dasselbe die Kenntniß der mündlichen Lehre aneigne», ist durch das Vertrautwerden mit der Sprache der Mischna noch ein weiterer Vortheil verbunden, der für das ganze Leben von außerordentlicher Bedeutung ist. Mit der Ausdrucksweise der Mischna hat die meiste Aehnlichkeit die Sprache des Pentatench- Eommentars von Naschi, der mit seiner schönen Zusammenstellung von Schrifterklärung und Schriftdeutung für das ganze jüdische Leben von so großer Wichtigkeit ist, sowie auch diejenige jener so beliebten populären rabbinischen Schriften, wie -ns»r,‘ -»Ncn muD oik "n, cnx ncsn u. s w., und wenn wir durch den Mischnaunterricht gleichzeitig unsere. Schüler in den Stand setzen, in späteren Jahren in diesen Büchern zu lernen, die auch für denjenigen, der nicht Gelehrter im strengen Sinne des Wortes ist, geeignet sind, sich über alle religiösen Fragen des jüdischen Lebens Aufklärung zu verschaffen, so Haben wir denselben damit auch die Mittel an . die Hand gegeben, die Pflicht des Thora-Lernens voll und ganz zu erfüllen. Für die besonders begabten Schüler aber, die bei dem Unterrichte in der Mischna Geistesschärfe und Deukgewandtheit genug verrathen, um in die Gemara eingeführt werden zu können, wird die , Mischna die naturgemäße Vorschule für die Gemara sein und es wird ihnen dann auch.nicht schwer fallen, deren kunstvollen und schwierigen Schlüssen zu folgen. — Es ist sehr bezeichnend für die Wichtigkeit des . Mischna-Lernens, daß man einen Abschnitt aus der Mischna, loipoV.rat, in unser tägliches Morgengebet eingeschaltet hat. und daß wir ebenso nach Beendigung des Gebetes beim Eintritt des Sabbat den Abschnitt inp'tnanos sprechen, damit wir auf diese Weise jeden Tag uns die Mahnung des Mischna-Lernens eindringlich vorführen. . Wenn nun die Wichtigkeit, ja die Nothwendigkeit des Mischna-Lernens für jeden erwiesen ist, so ist leicht einzusehen, daß diese Kenntniß schon in der Schule und zwar frühzeitig angebahnt werden muß, denn das ist klar, daß mir ein verschwindend kleiner Theil derjenigen, die nicht schon in der Schule wenigstens einen Einblick in die Mischna gewonnen haben, jemals im Leben dazn kommen wird, sie überhaupt zu lernen. Nur wer schon in der Schule, in der Zeit des systematischen und pflichtmaßigen Lernens Unterricht in der Mischna empfangen hat, nur wer schon in früher Jugendzeit erfahren hat, welchen Reiz das Erlernen der Mischna. gewährt, wie durch sie dem Worte der Schrift Geist und Leben eingehaucht wird, wie das Schriftwort durch die mündliche Lehre erst concrete Gestalt annimmt und mit dem praktischen Leben in Verbindung gesetzt wird, kurz, wer schon in frühen Jahren Liebe zur Mischna gewonnen hat, wird auch später, wo die Arbeit und die .Zerstreuung des Lebens die Kräfte

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