Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 27 (3.4.1884)
- Date
- 1884-04-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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474 seiner Jugend dem SfjovafiuMum obgclegen hatte, weis; man, wen R. Sira meint (x^u p^o *2\ wenn er sagt b222 -pnx ncrin p*. Die Worte *pnx sind natürlich, wie wir schon oben andcuteten. hinzutretcnder Commentar eines Lehrers oder der Talmndredactoren. Die Vorliebe, Schmuel Arjoch zu nennen, beruhte, wie wir schon srüher zeigten, in der Anspielung aus die drei ersten Buchstaben ^r». Daß im Nebrigen die Halacha's und Aussprüche Schmuels unter tiefem seinem nationalen und ofsickellen Namen sorrgcpflanzt und niedergcschrieben sind, ist selbstver- Negistriren wir noch, daß durch unsere vier Tallnndncüen, wie wir saben, das Ergebniß der ^eilschristforschnng betreffend Arjoch — eri-aku eine Bestätigung erhält. ZeitrmgSnachrichte» und Correfpondenzen. Deutschland. Aus Mitteldeutschland. Es ist eine landläufige Ansicht, daß die Freizügigkeit die längst bestandenen großen jüdischen Gemeinden in ihrem Eharakter und Wesen vielfach geschädigt haben. Es ist ja wahr, daß ein großer Theil der Zuzügler dem eigentlichen Kehilaleben. keinen Zuwachs bringt und der ans'ihre Ehre stolzen Stammgemeknde auch manche unlautere Beimischung zuführt. Meist sind es ja auch Zugezogene, welche durch übermäßigen Pomp und durch thatlose gesellschaftliche Vordringlichkeit sich bemerklich machen und dadurch judengehässiger Gesinnung Vorschub leisten. Manche derselben suchen auch in Mißachtung religiöser Vorschriften so manchem Alteingebürgerten noch „über" zu sein'; denn sie wohnen ja jetzt in einer großen Stadt und müssen doch zeigen, daß sie auch „gebildet" sind. Bei vielen unserer Angehörigen deckt sich ja leider! in der Jetztzeit Religionslosigkeit mit ihren Begriffen von „Bildung" und erschöpft diese vollständig. Anderntheils aber läßt sich nicht leugnen, daß die alten Gemeinden durch Zuzug von außen auch manchen schätzenswerthen Zuwachs erhalten und in nicht selteiicn Fällen das im Abfterbcn begriffene religiöse Leben eine wohlthätige Auffrischung erfahren hat. Es ist nicht blos in der medizinischen Praxis der Fall, daß dem absterbenden Körper durch frischen Llutzufluß Verjüngung zu Theil wird. In kleinen Gemeinden, die 'in gewerblich und geschäftlich günstig gelegenen Ortschaften sich befinden, deren Lage daher eine gewisse Anziehungskraft auszuüben im Stande ist, hat sich die Freizügigkeit noch vortheilhafter erwiesen, da hier schon der Zltzug nur einiger tüchtiger Mitglieder wohlthätig und einflußübend auf die Gestaltung der Gemeinde zu wirken im Stande ist. Mir drängt sich bei dieser Betrachtung eine Erinnerung aus dem Jahre 1865 auf. In G., einem kleinen, in einer sehr fruchtbaren Gegend Süddeutschlands bclcgenen Städtchen, wohnten damals nur 6—7 jüdische Familien. Sie waren nicht wohlhabend und' schienen von Allem, was Eultur heißt, noch vollständig unberührt geblieben zu sein. Die religiösen Verhältnisse befanden sich in einem Zustand gräßlicher Verwahrlosung. Sie hatten zwar eine kleine Synagoge, aber der Gottesdienst war unter aller Würde. Da sie zu unbemittelt waren, um einen eignen Lehrer halten zu können, so wurde ihre Religionsschule dem Schulverbande einer in der Nähe befindlichen größer« isr. Gemeinde in der Weise eingefügt, daß der dortige Lehrer wöchentlich an zwei Nachmitagen in G. 'Religionsunterricht ertheilen mußte. Im Jahre 1865 wurde die Lehrerstelle in jener Gemeinde einem achtzehnjährigen, eben aus dem Seminar entlassenen Lehrer zngetheilt, der heute noch im Amte ist und zwar in sehr angesehener Stellung in einer ziemlich großen Gemeinde. Als er schon einigemal den Religionsunterricht in G. errhci.lt hatte und eben wieder demselben Geschäfte oblag, bemerkte er, daß die meisten Kinder während des Unterrichtes ein offenes Buch im Pulte-vor sich liegen hatten und jeden freien Augenblick dazu benutzten, sich aus demselben Etwas ins Gedächtnis zu vrägen. Er ließ sich eines der Bücher geben Und fand zu feinem Erstaunen, daß es ein Lutherischer Eatechismus war. Auf die Frage, wem die Bücher gehören, antworteten die Kinder, daß dieselben ihr Eigenthnm seien. Ihre Eltern hätten sie gekauft, weil sie solche in der christlichen Ortsschule, welche sie besuchen, bei dem Religionsunterrichte haben müßten. Ter wackere Lehrer nahm vor der Hand die Bücher in Beschlag. Auf weitere Erkundigung erfuhr er, daß die Kinder wirklich in der Schule zur Theilnahme am christlichen Religionsunterrichte angehalten wurden, ohne daß die Eltern Einsprache dagegen erhoben hatten oder zu erheben gewillt waren, weshalb sie auch die Bücher willig angeschafft hatten. Das Dazwischentreten des Lehrers fand bei ihnen nicht nur keine Unterstützung, sondern eine sehr abfällige Beurtheilung. Ter wackere Lehrer ließ sich indessen hierdurch nicht beirren, sondern behielt die Bücher in Gewahrsam trotz dringender 'Aufforderungen zur Wiederherausgabe Seitens der Eltern und trotz der Drohungen Seitens des Pfarrers und des ersten Lehrers des Ortes. Ein Besuch beim Pfarrer, der ein getaufter Jude war, um die Dispensirung der jüdischen Kinder vom christlichen Religionsunterrichte zu erlangen, blieb erfolglos. Ter Lehrer wendete