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Der Israelit · 1884-04-03 · Heft 27 (3.4.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 27 (3.4.1884)
Date
1884-04-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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473 Was nun die zweite Vorbedingung betrifft, die Existenz des Eigennamens „Arjoch" zn Schmuels Zeit, so erscheint er bekanntermaßen zum ersten Male bei dem König von Elasar in Babylon (Beresch. 14, 1.). Erst vierzehnhundert Jahre später tritt er uns wieder ebenfalls auf babylonischem Boden, im ueubabylonischen Reiche des Ncbukadnezar entgegen, dessen N’rnü 22 Arjoch heißt (Daniel 2, 14.). Also war dieser Name noch bis in Daniels Tage gang, und gäbe (vgl. Schräder K. A. T. II. Aufl. S. 430). Es würde nun dies allein schon genügen, sein Vorhandensein nach weiteren siebenhundert Jahren, in lalmudischer Zeit, glaubhaft zu finden, zumal sich hier Analoga reichlich bieten (so die Einbürgerung und Erhaltung hebr., griech. und latcin. Namen allüberall, wie ferner alldeutscher 2c. in jüdischen Kreisen). Aber der Talmud selbst ist es, der uns die kräftigsten Beweisstücke in die Hand gibt. In ihm treffen wir aus affyrische Sprachreste, wie da sind die vier Winde: aonDx, «nzvatnix, «m», ferner, was uns hervorragend interessirt, auf einen babylonischen Weisen man, bcr mit unserem Schmnel in freundschaftlichem Verkehr stand (Sabb. 156 b. Aboda S. 30 a). Dieses bisher unerklärte d'“2x ist sicherlich eine Bildung des assyr. balalu leben, wie man sie unter affyr. Namen antrifft (s. .Schräder K. A. T. S.472 u. a.) ist also entweder oder (mit n prosthet) und entspricht, dem talmudischen Namen a*"n, bcm heutigen In der heiligen Schrift findet sich ein Name mit Irnlatu z. B. Nch. 2, 10. d?2jd d. i. Sin (der Mondgott) schenkte das Leben. So gut wie nun in Babylon unter der Perser- Herrschaft ein assyrischer Name auftrilt und im Talmud Erwähnung findet, ebensogut ist der im babyl. Reiche (s. 0.) gebräuchliche „Arjoch" in der Pcrscrzcit noch angewandt und im Talumd genannt. Nachdem nun durch die vorhergehenden Ausführungen fcstgcstcllt ist, daß alle Verhältnisse dafür sprechen, daß Schmuel den nichtjüdischen Namen „Arjoch" neben seinem jüdischen recht wohl führen konnte, erübrigt noch die Beantwortung der Frage, warum grade „Arjoch" dieser Beiname Schmuels gewesen. Die Wissenschaft der Keilschriften hat nachgewiesen, daß uns (Beresch. 14, 1. und Dan. 2, 14.) identisch ist mit einem altbabylonischen eri-aku oder iri-aku (vgl. Schräder K. A. T. S. 135 u. 430. Delitzsch Paradies S. 224) und dieses bedeutet: „Diener des Mondgottes." Daß sich der Begriff „Diener des Mondgottes" im Wandel der Zeit und Anschauung zu dem „Diener Gottes" verallgemeinert, ist einleuchtend. Wir finden das bereits Dan. 1, 7, wo (nach Friedr. Delitzsch, vgl. Schräder K. A. T. S. 617)iv'v — mi-sclia-aku und dieses, da cS entspricht bxV'v — mi-sclia-el uii-cha-el, gleich ist „wer ist wie Gott." Also damals schon besagt aku einfach: „Gott." Nachdem wir aber oben zeigten, daß bwü® „Diener Gottes" heißt, erweist sich -p'-.x nunmchr als wörtliche Wiedergabe von bxw. Schmuel und Arjoch bedeuten beide: „Diener Gottes." Wir wollen nun keineswegs behaupten, daß zur Zeit des Amora Schmuel man noch den Sinn von „Schmuel" und garaus „Arjoch" gewußt hätte, ob- - gleich die Möglichkeit immerhin vorhanden wäre. Die Auslegungen solcher Namen in der Agadah sind nur rcnT 2"y (jcmdiit mib üou ihnen läßt sich nichts gegen letztere Annahme beweisen. Trotzdem sind wir eher zu glauben geneigt, daß die Glcichwerthigkcit von Schmuel und Arjoch traditionell war und die beiden Namen seit alter Zeit neben einander hcrlicfen,. ohne daß man mehrwußte, wieso und warum. Grade Eigennamen, die Erbstücke der Familie, werden lange und lebhaft conservirt und Belege hierzu können wir aus dem frischen Leben gewiß in Menge herausgreifen. In der That weiß au den Eingangs / citirten Stellen 1. und 4., als zur Zeit dcr Nieder- . schrift des Talmud, vielleicht auch schon etwas früher/ " gefragt wird, wer Arjoch ist, die Gcmara noch gauzgut, wie ihre Antwort zeigt, daß Schmuel es ist, was allerdings auch auf der Lehrtradition beruhen kann. Es ist mm gleicherweise möglich, daß Schmuel von Jugend auf Arjoch hieß, wie daßer sich diesen Slawen erst beilegte, als er kn Berühruug mit der nichtjüdischen fürstlichen und gelehrten Welt Baby-., lons trat. Für letzteres denken wir an das sehr / freundschaftliche Berhältniß unseres Amora mit dem Pcrscrkönig Schabur I. (Berach. 56a., Mord Kat. 27 a., Sukk. 53 a.), dem Philosophen a*?2x (s. 0.) und vergegenwärtigen uns Dan. t, 7., wo Daniel, Ehaunanja, Älischael und Asarjah ihre indischen Naiucu am Hofe Nebukadnezars mit babyl. tauschen mußten, um die Nothwc'idigkcit für Schmuel eiuzuschen, sich in jener Umgebung entsprechend Arjoch zu nennen. Für ersteres sprechen verschiedene Umstände, die ihm sogar die größere Wahrscheinlichkeit verleihen. Denn es sind uns die vier Talmudstellen, die den Namen Arjoch bieten, in der Tendenz auf eine Halacha hin wörtlich überliefert, , während den Thatsachen getreu aber ganz,iuib gar unbeabsichtigt die Nennung des Schmuel als Arjoch ncbcnhergcht. Hieraus entnehmen wir, daß diese Bezeichnung Schmuels etwas Alltägliches und nichts Besonderes oder Auffallendes war. Ferner sind es nicht nur die demselben nahstehcnden Genossen- und Schülerkreise wie Levi und R. Sira, die ihn Arjoch nennen, sondern auch in Palästina, wo,Schmuel in

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