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Der Israelit · 1884-03-31 · Heft 26 (31.3.1884) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 26 (31.3.1884)
Date
1884-03-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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461 bekannten, dann aber die Maske abwarfen und dilrch die Handelsverbindungen, welche sie den Städten eröffnet hatten, schon zu so großem Ansehen gelangt waren, daß man ihnen auch offiziell Duldung gewährte. Aus diesen spanischen Inden ging u. A. Pcreire, der Stammvater der berühmten Banquierfamilie, hervor, der sich um die Ausbildung des Taubstummenunterrichts große Verdienste erworben hat. Noch mehr wuchs die Zahl der Juden durch die Annexion vom Elsaß und Sundgau von 1643—81, aber sie blieben hier in derselben gedrückten Stellung, in welcher sie auch unter deutscher Herrschaft gestanden. Hierin schuf auch das Hereinbrechen einer neuen Weltanschauung im Laufe des achtzehnten Jahrhunderts keine Besserung. Der Hantvertreter der neuen Richtung, Voltaire, harte für die Erhabenheit der jüdischen Geschichte keinen Sinn uudwar außerdem aus Persönlichen Gründen den Juden feindlich gesinnt. Auch die Reformversuche, die in der ersten Zeit Ludwig des Sechzehnten angeregt wurden, kamen nicht zur Ausführung. Der erste, welcher in Frankreich die Judcnfrage von dem höchsten Gesichtspunkte aus anregte, war Mirabeau. Derselbe war nach Berlin gekommen, unmittelbar nach dem Tode Moses Mendelssohns, und die allgemeine Trauer, in welche er Berlin um diesen jüdischen Weisen versenkt fand, legten ihm zuerst den Geoanken nahe, welch' schmähliches Unrecht den Stammesgenoffen dieses Mannes geschehe. Aber dann erschien ihm auch die Unterdrückung der Juden nur als ein Ausfluß jenes Feu- .dalstaates, den zu bekämpfen und durch die wahrhaft konstitutionelle, auf Grundlage des Rechts aufgebaute Monarchie zu ersetzen, er sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte. Mit den Waffen scharfer Ironie und hinreißender Beredsamkeit bekämpfte er alle Einwände der Judenfeinde, und er wies ganz besonders auf den Widerspruch hin, daß einige von ihnen den Juden die Bilduugsfähigkcit absprechen, andere dagegen die Befürchtung äußern, zur allgemeinen Bildung zugelaffen, möchten die Juden die Christen überflügeln und verdrängen. Auf eine im Jahre 1788 von der Akademie in Metz ausgeschriebene Preisfrage wurden dann mehrere Gutachten über die Judcnfrage cingereicht, unter denen das bedeutendste die Schrift des Abbe Gregoire, eines Geistlichen, der mit inniger Ergebenheit an die Lehren seines Glaubens auch die Erkcnntn'lß verband, daß die echte Religion sich in der Menschlichkeit und Duldung äußere. In diesem Sinne trat er für die Aufhebung aller bisher den Juden gesetzten Schranken ein, verlangte ffür sic Freizügigkeit durch das Königreich, Zulassung zu den Bilduugsanstalten, wie zu allen Staatsämtcrn und Gewerben. Diese Bewegung wurde dann für einige Zeit in den Schatten gestellt durch die große französische Revolution, welche 1789 ausbrach und die zunächst unmittelbar nach dem Bastillensturme auch einige Excesse gegen die Inden in ihrem Gefolge hatte. Bald aber, besonders nach dem 4. August und der Proklamation der Menschenrechte traten die Vcrtheidiger der Juden in der Nationalversammlung nnt dem Anträge auf deren vollständige Emancipation hervor, der aber erst nach schweren Kämpfen zur Ausführung gelangte. Zunächst wurde nur den - Inden von Bordeäur die Gleichberechtigung gewährt,e'-- und erst nach einer lebhaften, von der Stadt Paris ausgehenden Agitation, an der sichalle Stadtbezirke bis auf den der Halle, den Sitz der Trödler, bethciligte'n/wurde am 29. September 1791 allen französischen Juden das Bürgerrecht Anerkannt. Kaum in den Besitz der Freiheit gelangt, wurden die Juden bald durch die Religion der ..-Vernunft", welche Ehristenthnm und Judenthum verdrängen wollte und deshalb die Sabbatfeier ebenso streng, wie die des Sonntags verbot, in neue Gefahren gestürzt, die aber schwanden, als im Laufe des Jahres 1794 die Revolution in ein ruhigeres Fahrwasser gelenkt wurde. 2 An dem Kampfe der Republik gegen die äußeren Feinde betheiligtcn sich die Juden mit Gut und Blut und die Begeisterung, mit der sie der Heldenlaufbahn Napoleons folgten, zeigt sich besonders in einem herrlichen hebräischen Gedichte „der Friede"; von : Elia Halevi, dem Vater des berühmten Eomponisten, zur Feier des Friedens von Amiens gedichtet. Napoleon, später gegen die Inden aufgereizt, berief im Jahre 1206 eine Versammlung jüdischer Notabcln, unter denen sich besonders der berühmte Talmudist Rabbi David Sinsheim auszeichnete, nach Paris und. : legte ihnen hier zwölf Fragen über das Verhältnis; des Judenthnms zum Staate vor. Ganz im Geiste des Judenthnms antworteten diese Notabcln, daß die jüdische Religion von jeher ihren Bekennern Treue gegen das Land, das ihnen Am'nahme gewähre, zur Pflicht gemacht habe, daß ferner das Iudenthum durchaus keine Art von redlichem Erwerb verpöne und daß nur der äußere Druck die Juden i zum Handel gedrängt habe und daß der Wucher auch! Nichtjuden gegenüber, durchaus dem Iudeuthumc! widerstrebe. In der Frage der Mischehe betonten j sie, daß das Iudenthum keine Ausschließung gegen | den ausüben würde, der von der durch den Code Napoleon hierzu gewährten Erlaubniß Gebrauch mache, aber, und cs ist wichtig, dies hcrvorznhcben, sie sprachen es unzweideutig aus, daß eine solche Ehe auf religiöse Giltigkeit keinen Anspruch erheben könne. Napoleon war mit diesen Beschlüssen höchlichst zufrieden, und ein im Jahre 1807 zusammcntretcndes großes Sinhedrion aus hervorragenden Männern Frankreichs, Deutschlands und Italiens gab ihnen die Sanktion. Napoleon begründete die noch heute in

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