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Der Israelit · 1884-03-31 · Heft 26 (31.3.1884) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 26 (31.3.1884)
Date
1884-03-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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458 Ich preßte meine Hand auf meine Brust, als ob ich dadurch den raschen Schlag meines Herzens hemmen wollte und wandte ihm mein.Gesicht zu. „Ah! — Sind Sie unwohl, Herr Doctor? Sic sehen so blaß aus! — Und was für ein finsteres Gesicht Sie dabei machen?! — Zn solchem betrübten Gesichte wird die erfreuliche Nachricht, die. ich Ihnen zu übcrbringen im Begriffe bin, kaum sonderlich stehen! — Ich bin nämlich in der glücklichen Lage, Ihnen ein kräftiges Maseltof zuzurufen. — Sie sind soeben einstimmig zu unserein Rabbiner erwählt worden, und empfangen Sie aus meinem Munde die ersten und herzlich gemeinten Glückwünsche!" — „Ich zum Rabbiner ... gewählt? Das ist ja gar nicht möglich!" — „Nicht möglich? —Nein, lieber Freund. Möglich ist eben Alles — aber Jhrx Wahl war nach Ihrer vorzüglichen Predigt eine Gewißheit! — Keine einzige Stimme war gegen Ihre Wahl zum Rabbiner." „Also gewählt — wirklich gewählt?" — stotterte ich und fühlte eine heiße Blutwelle in mein Gesicht steigen. — „O dann Maseltof und die aufrichtige Versicherung meiner Freude, von einer solchen Gemeinde mit ihrem Vertrauen beglückt worden zu sein! Aber wie kam es denn, daß die Gemeinde zur Wahl schritt?" — „Die Repräsentanten wollten Sie in ihrem Hanse schon als ihren Rabbiner empfangen und da Sie sich des allgemeinen Beifalls erfreuten, so beschloß der Vorstand heute noch die Wahl vorzunehmen." „Ich fühle mich in der That durch dieses Vertrauen sehr geehrt und werde durch unermüdliches Schaffen und Wirken für das Wohl dieser Gemeinde zu beweisen suchen, daß mir ein solch freundliches Entgegenkommen nicht unverdient zu Theil geworden! — Jetzt stehe ich ganz zu Ihren Diensten. Herr Nathansohn! Bei wem wollen wir zuerst anklopfen?" „Hm! Herr Doctor! Sie scheinen Ihre Zeit verträumt zu haben. — Haben Sie. denn auf Ihre Uhr nicht geschaut, daß Sie nicht wissen, daß die Besuchszeit schon längst vorüber sei?" Ich zog meine Uhr und war nicht wenig überrascht, den Zeiger auf Chiffre 1 zu erblicken. „Ich wußte in der That nicht, daß es schon so spät sei!" „Sie scheinen aber auch jetzt noch nicht zu wiffen," scherzte Nathansohn, „daß es an der Zeit sei, an welcher sich bei sonstigen Menschenkindern ein lästiger Gläubiger einstellt, der Herr Hunger genannt wird. Haben Sie denn noch nicht seinen Mahnruf vernommen? Nun, mein Magen bekommt gewöhnlich Frostfieber, wenn er einen solchen Ruf ertönen hört. — Oder sollte etwa dieser Herr Hunger vor Euch Gelehrten mehr Respect haben und anständiger gegen Euch verführen? Ha! ha!" „Nein, lieber Herr Nathansohn," — gab ich lachend zur Antwort — „was das betrifft, so dürfen Sie sich schon beruhigen. Mein Appetit soll Ihnen den Beweis liefern, daß der Herr Hunger bei uns mit ganz derselben Unablässigkeit mahnt. — Er kennt eben keinen Standesunterschied in seinem Wirkungskreis!" „Dann rasch heimwärts, lieber Doctor!" — sagte Nathansohn, meinen Arm erfaffend. — . Meine Frau wird mit unserem langen Ausbleiben schon ohnehin weniger als zufrieden sein. Sie sieht es Samstag sehr ungern, wenn die Eßzeit unbenutzt voröbergeht. Die arme Frau hat aber ganz recht! denn wenn das Effen kalt ist, so kann es ja am Sabbat nicht mehr gewärmt werden." „Aber wann wollen wir die Besuche machen?" „Keinesfalls jetzt! denn wenn ich sogar geneigt wäre, dieser.Besuche wegen mit meiner Alten Fehde anzufangen, so würde der Herr Hunger cs kaum dulden. Auch haben die Herren mit ihren Kugeln zu viel Beschäftigung, als daß sie die Störung, welche unsere Aufwartung verursachen wird, gnädig aufnehmen. Nach dem Minchagebet natürlich werden wir uns beeilen müssen, das Versäumte einzuholcn. Ah, da sind wir schon!" . „Es ist aber die höchste Zeit, daß Ihr endlich da seid!" — kam es ärgerlich von den Lippen der Frau Nathansohn, welche uns entgegenkam — „Du weißt ja, Heinrich, daß ich Samstag nicht gerne über die Zeit warte. Man kann ja am Samstag ...!" „Nicht wärmen," siel Nathansohn lachend ein. „Sehen Sie, Herr Doctor, habe ich es Ihnen nicht gesagt, daß wir uns beeilen müssen? Jetzt aber zu Tisch! — Ist der Kidduschwein gerichtet? — Es ist gut! — Nun waschen wir uns." (Fortsetzung folgt.) iSJ“’ Die Fortsetzung der Erzählung «Nur standhaft" erscheint in der nächsten Nummer. Hierzu drei Geila-en. Verantssrtlkche Redartion: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition der ,33raelU* große Bleiche 45. 3» Gott Siebend BuHdruckerei (Mainzer Anzeigers

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