Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-03-31 · Heft 26 (31.3.1884) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 26 (31.3.1884)
Date
1884-03-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449433--19891-2509396
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

455 Menscheu voll anerkannte. Die Mischua in Sanfjebrin sagt, daß jeder Mensch gewissermassen berechtigt ist, zu sagen, daß seinetwegen die ganze Welt geschaffen sei. Im dritteil Buche Moses wird gesagt, daß wie der Einheimische der Fremde gehalten werden solle, den man wie sich selbst -lieben müsse. „Und Du sollst Dich erinnern, daß Du selbst ein Fremdling gewesen bist im Lande Egypten", sagt die Bibel an mehreren Stellen. Rotenburg a. d. Fulda. In der Nacht vom 20. auf 2t. d. M. verschied hier nach kurzem Krankenlager Frau Sara Frank in ihrem 84. Lebensjahre. Es war dies eine in vielfacher ^Hinsicht ganz ungewöhnliche Frau: Von feinem Verstände, mit einer für ihr hohes Alter höchst seltenen Energie und Lebhaftigkeit begabt, hing sie mit asten Fasern ihres Herzens am jüdischen Glauben und dessen Satzungen und übte sie Werke der Menschenliebe nach allen Seiten. Nicht unerwähnt wollen wir laffen, daß der Tod hier eine Ehe von 64 Jahren mit ihrem nun 89jährigen. würdigen und immer noch rüstigen Gatten, Hr. Moses Frank, sowie eknDienstverhältniß von über 50 Jahren, in welchem ein Mädchen zu ihr gestanden, gelöst hat. n"n"s;'Vp. Reustetii», 21. März. Die „N. Stett. Z/ berichtet: Anläßlich einer gestern Abend in der zehnten Stunde stattgehabten Schlägerei, bei welcher ein jüdischer Lederhäudler der Geprügelte war, wurden durch eine Miliärpatrouille drei Verhaftungen vorgenommen. Der kommandireude Offizier muß dem Auftritt eine, gewisse Bedeutung beiznlegen genöthigt . gewesen sein, denn derselbe ließ die Truppen alainiren und schickte mehrere Patrouillen in die Unterstadt. Tags zuvor wurde, wie ich erfahre, in einer jüdischen Wohnung ein Fenster eingeworfen. Rettstettiu, 25. März. Unmittelbar vor dem Ausrücken des noch hier stehenden Militärkommandos nach Köslin ist der Befehl eingetroffen, daß dasselbe vor der Hand noch in Neustettin belassen werden solle. Es scheint demnach, als ob die Behörden Ursache haben müssen, der Niche, welche bei uns eingegekehrt zu sein scheint, vor der Hand noch nicht allzu sehr zu trauen. Die während des Krawalls vorgekommenen Beschädigungen belaufe» sich nach den bei - der Ortspolizeibehörde bis jetzt eingelausenen Nechuungeu u. s. w. auf ca. 725 M. 150 M. entfallen davon auf den Kaufmann Löwe, dem allein 92 Scheiben eingeworfen sind. Wo bleiben da nur die Paar beschädigten Fenster? Die Untersuchung, welche gegen die aus Anlaß der Unruhen Jnhaftirten eröffnet wurde, lautet auf Landfriedensbruch. Könitz. Wie von competenter Seite mitcletheilt wird, sind bei der vom 29. Februar bis einschließlich 7. März stattgehabten Schwurgerichtsverhandlung in Könitz in Angelegenheiten des Nenstcttiner Synagogenbrandes 6500 Mark an Zeugcngebühren ausgezahlt worden. Hierbei ist noch zu erwägen, das; der betreffende Schw urgerichtspräsideut, Landgerichts-Nath Arndt (Danzig), alle Zeugen sofort wieder entließ, sobald eine weitere Vernehmung derselben nicht mehr nöthig erschien. Oesterr.- Ungar. Monarchie. Wien, 23. März. Der im vorigen Jahre ganz von uns veröffentlichte Bericht des Herrn Th. Berger über seinen Besuch der russich-jrrischen Ackerbaukonicu" in den den Vereinigten Staaten war an den Vernu" Israel Allianz" in Wien gerichtet, was wir auf Wunsch des Professers hiermit bestätigen. Pesth. Die orthodoxe Judengemeinde im Vereine mit der Chewra Kadischa haben beim Magistrat um einen abgesonderten Begräbnißplatz auf dem neu . anzulegenden Ccntralfriedhofe, auf ^welchem dieTodten allerConfessionen gemeinschaftlich beerdigt werden f ollen, angesucht. Die Stadtbehörde hat — obgleich sie im Sinne des Gesetzes nicht verpflichtet ist, für die Begräbnißplätze einzelner Neligionsgemeinden zu sorgen' — doch daran gedacht bei Eintheilung des neuen ' Friedhofes den Israeliten einen separaten Begräbnißptatz anzuweisen. Dies wurde den Gesuchstellern mit . der Bemerkung bekannt gegeben, sie mögen sich wegen Erlangung eines abgesonderten Vegräbnißplatzcs auf dem für die Israeliten bestimmten Friedhofsterrain an die israel. Neligionsgemeinde wenden. ' Budapest. Der Thercsienstädter Schulstuhl hat in einer motivirten Eingabe an den Magistrat das Ansuchen gerichtet, in den konfessionslosen Elcmentar-Bolksschulen mögen zur Hebung des religiössittlichen Gefühles der Kinder wieder die Gebete vor und nach dem Unterrichte eingesührt werden. Mit dem gleichzeitig unterbreiteten Texte der Gebete haben sich die Seelsorger aller Konfessionen einverstanden erklärt. Der Text dieser Gebete lautet: (Vormittag.) „Allmächtiger, großer Gott! Der Du uns Allen ein liebender Vater bist, wir preisen Dich, daß Du uns die Nacht erhalten hast, .erleuchte unser Gehirn, spende uns Fleiß, Ausdauer und Folgsamkeit, fache in uns die brüderliche Liebe an, damit wir uns m brüderlicher Liebe umarmen, in allen schonen und guten Dingen sortschreitcn und streben können, Deiner unendlichen Güte immer tvürdiger zu werden. Amen."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.