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Der Israelit · 1884-03-31 · Heft 26 (31.3.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 26 (31.3.1884)
Date
1884-03-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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453 unserer Auseinandersetzung, für unS genügt es zu wissen, daß bei den Juden diese sittliche Anlage aus ihrer Religion entstanden ist und durch ihr erhabenes Schriftthum, worin seit Jahrtausenden, unumstößliche Prinzipien der Menschen- und Volksmoral niedergelcgt, unterhalten und vererbt wird. Es fehlen daher den Juden die Grundbedingungen, um dem Wunsche des Vers, zu folgen, und einen Selbmord an sich zu begehen. a. Der zerstörende hinreichend mächtige Einfluß von Außen. b. Innere FLulniß und Auflösung. c. Verlust der Selbstachtung und des Selbstbewußtseius. cl Moralische Ueberlegenhcit auf der anderen Seite. An zerstörenden Einflüssen von Außen hat cs den Juden nie gemangelt. Rom allein, (Caesaren ~ und Päbstc) legen seit 2000 Jahren die Axt energisch " genug an die Zeder Israels an. Aber ist das Opfer dafür verantwortlich,, daß es den Streichen nicht erliegt? Gleich dem Dornbusch in der Wüste wurde Israel von den Flammen der Inquisition nicht verzehrt. Wohl finden sich im Judenthume Fäulnißherde genug, aber diese werden von der Kirche begierig verschlungen, und für das Judenthum im Großen, und Ganzen unschädlich gemacht,, wodurch die Kirche mittelbar zur Erhaltung der Juden das Ihrige beiträgt. Ob aber in der frischen aufblühenden Cultur anderer Länder und Zeiten, an die der Vers, uns hinweist, nicht mehr Fäulniß undVerwesung herrscht,als i n u ns e r u läugst überlebten K u l t u r f o rm e n, darüber geben uns die Vorgänge der letzten Zeit genügenden Äufschlüß. Um nur eins zu erwähnen. So, viel Verworfenheit, Verlogenheit, so viel Verleugnung der primitivsten Grundsätze der Cultur und Sittlichkeit, wie die Vorgänge in der Tisza-Eszlar-Angelegenheit in allen Schichten der ungarischen Gesellschaft zu Tage gefördert haben, können unsers Erachtens auf dem Boden unserer überlebten Culturformen nicht 'entstehen. Selbflverachtung, Mangel an Selbstbewußtsein herrscht blos in jenen 5kreisen des jüdischen Stammes, zu denen der Verfasser und Consorten gehören. Wie viel die Münchhaustaden dieser jüdischen Antisemiten dem Antisemitismus Vorschub geleistet haben, kann ich nicht beurtheilen; ihre Fäulniß hat das Judenthum nicht angesteckt. Gegenüber den Ausbrüchen der letzteren Zeit bewundern wir die Zähigkeit, mit der der Verf. am Glauben an diese frische, aufblühende Kultur festhält. Unsere Vertrauensseligkeit ist längst erschüttert. Nicht blos die Erneuerung der Concordatsepoche, sondern auch die Gespenster der Inquisition jage» uns einen panischen Schrecken vor dieser ausblnhenden Cultur ein. Auch fehlt es bei uns nicht an jenen Vctllcrn an fremden Thüren, denen Alles gefällt, was im' fremden Hause da ist, die alles Heimische hingegen veraltet und verächtlich finden. In manchen jüdischen Häusern sieht man den Christbaum statt der Tempclweihelichter brennen; so mancher der Unsrigen findet einen erhabenen Sinn in der chr. Osterfeier, und im jüdischen Osterfeste Aberglauben. Aber der Antisemitismus in seinem Sturme hat wohl manches welke Blatt dem Judenthume entrissen, dafür aber Halbwelten Blättern frische Lebenslust zngewcht. Wir glauben in unserm Interesse und im Interesse der europäischen Gesellschaft genug gethan zu haben, wenn wir uns mit den Nationen durch Annahme ihrer Sprache und ihrer Cultur amalgamircn. Wir gehen Hand in Hand mit denselben im öffentlichen Leben in der Politik, und überlassen das Uebrige der weisen Fürsorge des allmächtigen Gottes, die sich an uns bewährt durch Festhalten an unfern alten Culturformen, an unserm alten Schriftthnme, - in dem es heißt : mo» ns na'fpn .oy.yn rvcija Auf die Gefahr hin, Idealist gescholten zu werden,— und was hat man schon uns Inden nicht Alles gescholten — will ich mich noch auf einen polnischen Schriftsteller berufen. Dr. Carl Libelt, von den unabänderlichen sozialen Naturgesetzen — lange vor Prof. Gumplowicz — ausgehend, meint: so wie im Universum jede Schöpfung ihren bestimmten Zweck hat, und so lange existirt. bis sie diesen Zweck erfüllt hat, so hat auch jede Nation, jeder Volks- “ftaimu seine bestimmte Mission zu erfüllen und ein nationales Ideal für die Gesammtmcnschheit zu - verwirklichen. Und erst nachdem er dieses Ziel erreicht hat, hört seiner Existenzberechtigung auf, tritt er vom Schauplatzder Geschichte zurück, um emem andern Volksstamme, einer andern Nation Platz zu machen, die die Erfüllung einer neuen Mission zur nationalen Aufgabe hat. Freilich gibt es auch im Universum, wie in den Völkerfamilien hie und da Existenzen, die aus Mangel an Lebensfähigkeit abortiv zu Grunde gehen. Der 4000-jährige Bestand' des jüdischen Stammes ist der Beweis seiner Lebensfähigkeit, daß er abortiv nicht zu Grunde gegangen ist. Eben seine fortdauernde Existenz berechtigt uns zum Rückschlüsse, daß er noch eine civilisatorische Mission zu erfüllen habe. , . . Aus der Erfüllung dieser Mission wird der gesanrmten Menschheit Heil und Segen erblühen. vr. Lippe.

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