Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 25 (27.3.1884)
- Date
- 1884-03-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Deine Väter mit dem Zwergsack durch das Land zogen, um getragene Kleider einzuhüudeln!"" „Es ist wohl möglich, daß einer meiner Vorfahren gezwungen war, ein so niederes Gewerbe zu treiben; das ist aber gewiß, daß sich Keiner meiner Ahnen eine Kugel vor den Kopf geschossen, um der Armuth und der Schande zu entgehen." „„Warte, warte,"" schrie Agathe, „„das sollst Du büßen! Nicht ungestraft beleidigt man eine Wolkenberg! Du mußt Bruno heirathen; ich werde Dich zu zwingen wissen'"" ...» ‘ „Soll das vielleicht die Strafe sem?" „„Nein! Aber bist Du erst Bruno's Weib, so wird er die Beleidigung rächen, die Du meinem und seinem Geschlechte angethan."" „Schöne-Aussichten!" die könnten mich allerdings bestimmen, dem Freiherrn von Wolkenberg, meine Hand zu reichen?" Zu spät bemerkte Agathe, daß sie etwas gesagt hatte, was besser ungesagt geblieben wäre. Dieser Gedanke steigerte ihre Wuth: „„Hinaus!"" schrie sie, „„elende Judenbrut, hinaus aus meinem Zimmer! Ich werde dafür sorgen, daß Löwenheim Dich aus seinem Hause jage, wenn Du es ferner wagen solltest, unseren Befehlen ungehorsam zu sein!"" Bernhardine ging. Sie eilte in ihr Zimmer, verschloß es und sank, wie gebrochen, in einen Stuhle - Der hohe Muth, den sie ihrer Stiefmutter gegenüber gezeigt hatte, war jetzt dahin; sie fing an bitterlich zu weinen. „Ach, mein geliebtes Mütterchen," sagte sie schluchzend, „warum mußtest Du sterben und mich hilflos zurücklassen? O, hätte ich damals Deinen Wunsch erfüllt und Dir das Versprechen gegeben, als Jüdin zu leben und zu sterben — ich wäre durch dieses Versprechen gebunden, und jenes brutale Weib, das die Gattin meines Vaters geworden, hätte keinen Anlaß, mich zu mißhandeln! Ach, ich fühle es, diese Vorkommnisse sind nur eine gerechte. Strafe dafür, daß ich Dir die Erfüllmrg Deines letzten Wunsches versagt habe! Allgütiger Gott, verzeihe mir und stehe mir hilfreich bei, damit es mir gelinge, aus den Kämpfen, die meiner warten, siegreich hervorzugehen! O mein geliebtes Mütterchen, Du warst ja jo edel und fromm! Möge Dein verklärter Geist ein Fürsprecher für mich sein am Throne des allmächtigen Gottes!" So weinte und betete Bernhardine noch lange Zeit. Sie fand Trost im Gebete. Sie trocknete ihre Thränen und sprach vor sich hin: „Gott wird mir helfen. Gott hat mir ja schon geholfen, indem er mir rechtzeitig die Augen öffnete Welchem Abgrunde wäre ich entgegengegangen! Die adelige Gesinnung der Schwester, die dem Bruder, nachdem ich sein Weib geworden, die Rache für die ihr gewordene Beleidigung übertragen will, zeigt mir deutlich das schreckliche Loos, dem ich entgegengegangen wäre! Sei standhaft. Bernhardine! Des Allmächtigen. Beistand und das Andenken an mein gutes Mütterchen werden mir Kraft verleihen, alle Drohungen dieses entsetzlichen Weibes zu Nichte zn machen. — Mein armer Vater, was wird er jetzt leiden müssen! Aber er trägt nur die Folgen seiner eigenen Handlungsweise. Mag auch er sich aufraffen und zeigen, daß er der Herr ist!" (Fortsetzung folgt.) rrächfel. Drei Zeichen neun' ich Dir, ernst und hehr; Sie leben in Israels Munde; Du siehst, was sie nennen, schon lange nicht mehr. Doch gibt Dir die Schrift davon Kunde. Ein Segen des Himmels, zur Wunderzeit, Bezeugend des Ruhetags Heiligkeit. Das Wort wird alltäglich vernommen Im Kreise der Treuen und Frommen. Doch Fluch wird's, änderst Du kaum die Gestalt, Ein Scheusal, zur Mordgier entflammet; Zu würgen er strebte mit wilder Gewalt, Von gottlosen Ahnen entstammet. Es ward ihm ein schmähliches Ende zu Theil, Den Lieblingen Gottes ward Segen und Heil. Alljährlich wird's fröhlich vernommen Im Kreise der treuen und Frommen. Trier. Michel Levy. Auflösung erfolgt in Nr. 27.. Die Namen der richtig Losenden werden, wenn uns solche bis längstens Mittwoch Voxmittag den 2. April zugegangen, in gleicher Nummer veröffentlicht. Auflösung des Nathsels in Nr. 23: Thor, Thora. Die richtigen Lösungen siehe ziveite Beilage, Seite 448. WW- Die Fortsetzung der Erzählung „Aus dem Leben eines orthodoxen Rabbiners" erfchemt in der nächsten Nummer. Hierzu zwei Meilageu. VrrantworUicke Redactron: Pr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des .Israelit' große Bleiche 45. I. Gott «leb en'G Buchdrucker« (Mainzer Anzeigers