Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 25 (27.3.1884)
- Date
- 1884-03-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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.437 Fr. Baronesse an verschiedene Wohlthätigkeits-Anstalten betragen ca.L. 100,000 Sterling. (2 Millionen Mark.) London, 24. März. Der berühmte Revd. M. Hast vollendet sein großes musikalisches Werk, ein Oratorium; „Azariah" betitelt, historische Scencn aus der Zeit der babylonischen Gefangenschaft darstellend. Die Grundidee des Werkes gibt uns gleichzeitig eine getreue Schilderung der jüngsten Verfolgung unserer Glaubensbrüver in Rußland, welche so sehr an die Leiden unserer Nation zur Zeit des Exilcs von Babylon erinnern. . Musik und Text verfehlen ihren Eindruck nicht, weshalb das Werk allgemeine Sensation erregt. FeuiUetorr- "glitt standhaft! xxxv. „Was soll ich thun?" sagte Baron Löwenheim zu seiner Frau, als er dieser von seiner Unterredung mit Bernhardine berichtete. „Ich will und kann sie nicht zwingen." „„Du wirst wollen und können,"" antwortete die Baronin im befehlenden Tone. „„Du hast mir versprochen, allen Deinen Einfluß aufzubietcn. Ja, wenn Bruno dem Mädchen mißfallen hätte! Aber erst nimmt sie seine Huldigungen entgegen, gibt ihm alle Hoffnung, um sich auf einmal von einer entgegengesetzten Laune beherrschen zu lassen. Du mußt ein Mann sein und dem widerspenstigen Dinge beweisen, daß Du Herr und Vater bist!"" „Sie motivirt ihre plötzliche Abneigung damit, daß sie herausgebracht haben will, daß Bruno lediglich aus pecuniären Rücksichten nach ihrer Hand strebe. Bernhardine hat sich stets durch ihren Scharfsinn und durch ihre Beobachtungsgabe ausgezeichnet." „„Du mußt auch noch Partei für sie nehmen! Was meint denn dieses Dingelchen? Meint sie, ein Freiherr von Wolkenberg würde sie um ihres hübschen Lärvchens willen nehmen? Sie sollte froh und glücklich sein, daß ihr Gelegenheit geboten wird, in eine so hochadelige Familie einzutrcten? Schicke sie zu mir; ich werde ihr das Köpfchen schon zurechtsetzen."" Gehorsam folgte der Baron dem gegebenen Befehle, und wenige Minuten nachher trat Bernhardine in das Boudoir ihrer Stiefmutter. „Gnädige Frau haben befohlen?" fragte die Eintretende. „„Warum nennst Du mich nicht Mama?"" „Ich kann nicht, Frau Baroninhaben ja gar nichts Mütterliches." „»Ich hatte gehofft. Du würdest mir eine Schwester werden. Nun erfahre ich, daß Du den armen Bruno neuerdings'zurücksetzest und seine Bewerbungen mit eisiger Kälte aufnimmst."" „Ich habe nicht die Absicht, Baronin von Wolkenberg zu werden.". „„Es ist aber mein und meines Mannes Wunsch, daß Dü Bruno Deine Hand reichst."" „Ich bedaure, diesem Wunsche nicht Nachkommen zu können." „„So befehlen wir cs Dir."" „Ich werde diesem Befehle nicht gehorchen." „„Was hast Du an Bruno auszusetzen? Ist er nicht ein vollendeter Cavälier, ein junger, schöner, geistvoller Mann? Darf sich nicht jedes Mädchen glücklich schätzen, wenn er^es zu seiner Gemahlin erheben will?"" „Ich wünsche nicht, daß mein Vermögen die Leiter sei, auf der ich zu meinem Gatten emporsteigen müßte." ,,„D e t n Vermögen? Ich meine die großen Reichthümer seien ein unbeschränkter Besitz meines Gatten. . Im Vergleich mit diesen ist ja Dein mütterliches Vermögen kaum der Rede werth."" v „So kann ja Papa dem Herrn Baron von Wolkenberg schenken, so viel er will. Hat er ihm ja schon 100,000 Thaler zum Geschenke gemacht. Meinetwegen mag er ihm noch mehr geben." „„Sieh da, die Jüdin will „graußmicthkg" sein!"" Bernhardine wurde leichenblaß. Sie wollte auffahren; allein sie bezwang sich und sagte mit großer Ruhe: „Es ist wahr, Großmuth ist ein Erbtheil meines Stammes. Sie wird nicht dadurch beeinträchtigt, wenn das Wort nicht regelrecht ausgesprochen wird. Auch mein Vater hat seine Großmuth bewiesen, da er die Dienerin. der Frau von Lebkowitz zu seiner Gemahlin erhob und einen armen abgedankten Officier zu einem reichen Rittergutsbesitzer machte!" Phlegmatische Naturen pflegen, zum Aeußersten gebracht, in unbändige Wuth zu gerathen. So erging es der Baronin von Löwenheim. Zornfunkelnd stürzte sie auf Bernhardine zu und hob die Hand gegen sie auf. „Schlagen Sie zu, gnädige Frau," sagte Bernhardine lächelnd. „Die Frau Baronin von.Löwenheim scheint die Manieren, die in der Gesindestube herrschen, noch nicht verlernt zu haben." Agathe ließ die erhobene Hand sinken. „„Mir das, mir das!"" rief sie keuchend. „„Meine Voreltern waren hochangesehen bei Kaisern und .Königen, waren reichsunmittelbare Herren, als