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Der Israelit · 1884-03-27 · Heft 25 (27.3.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 25 (27.3.1884)
Date
1884-03-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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434 ZeitmrgSrrachrichrerr und Sorrefpvndeuzen. Deutsch! an d. Mainz, 24. Marz. Heute Nachmittag 4^ Uhr versammelten sich viele Hunderte von Leidtragenden, um den sterblichen Ueberresten der allgemein verehrten und tief betrauerten Frau Helene Hirsch *y"z das Geleite bis an den Bahnhof zu geben. . Herr. Rabbiner Dr. Lehmann hielt im Hofe des Sterbehauses eine ergreifende Ansprache, in welcher er, anlehnend an die letzten Verse des Buches der Sprüche, die hohen Tugenden der Verklärten zu schildern versuchte. — Das hochtragische Geschick, so ungefähr sprach der Redner, dys die Dahingeschiedene so plötzlich ereilte, hat überall, wohin die Trauerkunde gedrungen, die schmerzlichste Theilnahme erregt. Zn einem Freudenfeste war sie aus dem Norden unseres Vaterlandes nach dem benachbarten Frankfurt gereistum dort einige Tage des Glückes im Wonnegefühl mütterlicher Zärtlichkeit zu verleben. Dann war sie in Begleitung des Brautpaares hierhergekommen, um auch die hiesigen Verwandten an ihrer Freude theilnehmen zu lassen. Aber die Freude wurde uns in Trauer verwandelt; plötzlich trat , der Tod an sie heran, ihr nicht einmal Zeit lastend, sich zum Abschiede vom Leben vorzubereiten. Allein die Edle bedurfte keiner besonderen Vorbereitung, jnn« oi'> pnc/ni riwaa -nm ry „Macht und Herrlichkeit war ihr Gewand und so konnte sie lächelnd dem letzten Tage entgegenschauen." nim tttN ny per Wenn sie auch selbst als Frau nicht verpflichtet war, in der Thora zu forschen, so hat sie doch ihre Kinder in derselben und für dieselbe erzogen. „Und prächtig war ihr Gewand," nicht dys Gewand, das sie selber trug, sondern die Gewänder, mit denen sie die Armen anklcidete. Wer kennt nicht die Frömmigkeit und Wohlthäiigkeit der weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus berühmten Familie Hirsch? Und die Heimgegangene war eines der hervorragendsten Mitglieder derselben. njvzo by ion mim noana nnns rrs Von frühester Kindheit an beseelte die Dahingeschiedene ein Streben nach Bildung und Erwerben von Kenntnissen, das von dem schönsten Erfolge gekrönt wurde und selbst ihr Vater, der unvergeßliche Eommerzicn-Rath Joseph Hirsch v"L"r verschmähte cs nicht, bei wichtigen Vorkommnissen den Rath seiner Tochter einzuholen; allen, die das Glück hatten, ihr näher zu stehen, war sie Freundin und Beratherin. „Ihren Mund öffnete sie mit Weisheit und eine Lehre der Liebe, war auf ihrer Zunge." ‘jDNr, nosy oröi ntva n«aVn .tbis „Sie überwachte den Gang ihres Haushalts und das Brod der Trägheit aß sie nicht." Als ich gestern an ihrem Bette saß und sie bat, nur nicht früher fortzureisen, bis sie vollkommen wieder genesen sei, da sprach sie lächelnd: „Und die Pesacharbeit?" — Wiewohl ihre reichen Mittel ihr gestatteten, Dienerinnen zu halten, so viele sie deren brauchte, wollte sie doch die Vorbereitungen für das herannahende Fest nicht Anderen überlassen. ndya nnpst'i r.\n Wie hochbeglückt dürfen ihre Kinder sich fühlen, eine solche Mutter besessen zu haben und wie groß muß ihr Schmerz sein, eine solche Mutter verloren zu haben! Und ihr Gatte, der edle Süßkind Hirsch b"L"r, der ihr vor sieben Jahren in die Ewigkeit vorausging, wie hat er sie geehrt und geliebt, wie hat er das kostbare Kleinod, das er in diesem Weibe besaß, zu schätzen gewußt! nAa by n^y nw a'n npy nua nm Die Verewigte hat ein wahrhaft mustergiltiges Leben geführt; sie war eine Mutter der Armen und Bedrängten und fand ihre höchste Freude im Wohlthun. vb.inn N’H 'i nen» nw» aam;nn ipv All das Gute, das ihr Gott verliehen, daß sie von hervorragenden Eltern geboren und erzogen, daß sie die Gattin eines selten edlen Mannes gewesen, daß sie die Liebe ihrer Kinder und Geschwister im reichsten Maße genossen, all das ist nicht zu vergleichen mit den großen Schätzen, die sie durch ihre innige und aufrichtige Frömmigkeit und Gottesfurcht für das ewige Leben sich erworben. . . rnpyo o'iyzo r.vArpi rin' nso na un Sie wird die Früchte-ihres frommen Lebens genießen, und ihre edlen Thaten werden ihr ein segensreiches Andenken sichern n"a"s"i"n. Halberstadt, 25. März. Unter überaus großer Betheiligung fand heute das Leichenbegängniß der verewigten Frau Helene Hirsch y"2 statt. Von den Mitgliedern der hiesigen israel. Gemeinde fehlte wohl Niemand; auch viele Nichtjuden und viele Fremde aus der Nähe und aus der Ferne waren üierhergekommen. Im Trauerhause sprach zuerst der Bruder der Verewigten, Herr Benjamin Hirsch, dann Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer aus Berlin, Herr Rabbiner Dr. Löb aus Altona und Herr Rabbiner Nobel von hier. Am Grabe sprach der hiesige Rabbiner Herr Dr. S. A uerb a ch, selbst im höchsten Grade erregtdurch seine Rede Alles mit sich fortreißend. Wenn schöne Reden den Trauernden Trost spenden können., so muß dies heute geschehen sein. Das Andenken der theuren Verschiedenen wird in unserer Gemeinde stets unvergeßlich bleiben.

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