Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 25 (27.3.1884)
- Date
- 1884-03-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449432--19867-2509371- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
432 nizier unb Juden zusammen an. Er nennt diesen Vorgang, diesen Kampf, wodurch die Menschenracen entstanden sind, sociales Naturgesetz, dem jeder Stamm, jede Nation bedingungslos unterliegt, ohne sich ihm widersetzen zu können. Die Wege, die zur Vereinigung zweier feindlicher Stämme zu einer Nation führen, sind: Die Annahme der Sprache des Einen durch die Andern, die Annahme, oder die Vermischung der Religion, oder durch Verschmelzung beider Religionen zu einer einzigen, gemeinsamen, und endlich die Mischehe. Diese Verschmelzung entsteht nach harten Kämpfen im offenen blutigen Kriege, im friedlichen Beisammcnwohnen. den» jeder Stamm kämpft erbittert für die Erhaltung seiner nationalen Güter, die er als sein heiligstes Eigenthum schätzt und liebt. Jeder bemüht sich mit aller ihm zu Gebote stehenden Kraft seine Sonderexistenz zu erhalten, und sich vor dem Aufgehen in eine andere zu bewahren. Diese nationalen Güter, Sprache und Religion, sind bei jedem spontan entstanden , und Glauben ist jedem Menschen eine Naturriothwendigkcit, und jeder glaubt, er wäre ganz allein im Besitze der höchsten Wahrheit, von der er nicht lassen kann. Angclangt bei Phöniziern und Juden geräth der Verf. unerwartet mit seiner Theorie in Widerspruch. Was er von erster» behauptet und was er von letzteren beansprucht, ist eine Verleugnung seiner Theorie der unabänderlichen, socialen Naturgesetze. Er meint nämlich, die Phönizier, die au allen Küsten des mittelländischen Meeres, an den Säulen des. Herkules, Handel und Civilisation verbreitet 'und Städte gegründet hatten., haben es verstunden, M mit den Nationen, unter die, sie gerieth'en, zu amalgämiren, die Juden hingegen, welche, den Phöniziern überall hin folgten, hätten es nicht verstanden, und verstehen es im Großen und Ganzen n o ch h e u t e n i ch t — unterz u g e h e n. Es ist nicht unsere Aufgabe, zu untersuchen, warum der Verf. den Phöniziern bei ihrem Untergänge Verstand und freie Willensbestimmung unterschiebt, was bei allen andern Nationen infolge eiserner Naturnothwendigkeit geschieht. Wir wollen uns auf die Frage nicht einlassen, warum er bei andern Stämmen den Kampf um die. Erhaltung ihrer Eigenart und den Widerwillen gegen das^Aufgehen in andere Stämme gerechtfertigt und natürlich findet, den Inden hingegen für diese« naturnothwendigc Verhalten die bittersten Vorwürfe der Har tnäckigkeit und des unsinnigen Trotzb i e L e n s den ewigen Gesetzen macht, weil sie sich nicht selbst aufgeben, Glicht sich selbst morden!! Wir wollen hier blos bemerken, daß wir in den punischen Kriegen den Beweis zu finden glauben, daß auch die Phönizier hartnäckig gegen ihr Aufgehen in das Enlturvolk der Römer kämpften, und daß die Juden wohl im Staate, nicht aber in der Natur unter Ausnahmsgesetzen stehen. Was daher mit der kleinen Minorität des jüdischen Stammes in der Geschichte seit 4000 Jahren vorgeht, sollte doch nach den Grundsätzen des Herrn Professors ebenfalls auf denselben unabänderlichen, socialen Naturgesetzen, auf Naturnothwendigkeit beruhen, wie der Untergang der Phönizier. Kann die Zeder des Libanon „dafür," daß sie seit 4000 Jahren weder der Axt, noch der innern Fäulniß erlegen ist, und daß ihre Bestandtheile noch nicht in andere Organismen aufgegangen sind? Ihre Lebens- und Widerstandsfähigkeit ist weder ihr Verdienst, noch ihre Schuld. Der Verf. selbst — und vor ihm schon Bucle — hat die Identität der Natur- und der socialen Gesetze, nachzuweifen versucht, denen gegenüber weder Widerstand noch Abänderung durch den Willen des Menschen gedacht werden kann (S. 370.) Der Verf. macht (S. 335): „Die hochentwickelte, alte, jüdische Literatur (ipsissima verba) verantwortlich für diesen widernatürlichen Starrsinn, mit dem die Juden es vorziehen, einen ewigen Nacenkampf aller Völker gegen sich wach zu erhalten, als diese mumienhafte Nationalität der aufblühenden, frischen Cultur anderer Länder und Zeiten zum Opfer zu bringen. Dazu hätte das Christenthum durch Anerkennung und Heilkgerklärung dieses Schriftthums die Juden in der Einbildung erhalten, als hätten sie nationale Heiligthümer zu bewahren. In diesem starren Festhalten an längst überlebten Culturformeu, die in Wahrheit nur in den Katakomben der Geschichte, nicht aber im Leben der Völker an ihrem Platze wären, liege ein schweres Vergehen gegen das großeNakurgesetz der Geschichte!!!" (Fortsetzung folgt.) Warum wird der Amora Schmnek Arjoch genannt? Bon I. B o ndi -L ehren. Der hervorragende Amoräer Schmuel, deffen Namen uns auf jedem Blatt des d"» fast mehrmals entgegentritt, wird an vier Stellen des Talmud Babli mit dem Worteiinx bezeichnet. Ein Versuch, diese bisher nicht zur vollen Befriedigung gelöste Erscheinung aufzuklären, sei unsere Aufgabe, während wir auf andere Benennungen desselben Mannes hier nicht eingehen werden.-