Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1884)
- Date
- 1884-03-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXV, Jahrgang. Beilage ju ttr. 24 des Israelit. ZeLtungSuachrichtev und Correfpondenzerr. Deutfchla n d. Mainz, 24. März. Eine der edelsten und besten Frauen in Israel, Frau Helene Hirsch aus HalbcrsLadt, ist in der verflossenen Nacht.sanft hinübergeschlummert. Sie war in voriger Woche zur Verlobung ihres ältesten Sohnes nach Frankfurt a. M. gereist, kam gestern Mittag, schon krank, hier an, und, nachdem.sie den Nachmittag und den Abend im Kreise ihrer hiesigen Verwandten munter und vergnügt verbracht, machte um 10 Vs Uhr Abends ein Herzschlag ihrem allem Guten geweihten Leben ein rasches Ende. — DieBeerdigung wird in Halberstadt stattfinden. — Es ist erschütternd, wie die große Freude und der tiefe Schmerz so nahe aneindcr traten! Möge der Allgütige Denen, die um die Edle y"} trauern, und das sind.wohl Alle, die das Glück hatten, ihr im Leben näher zu stehen, Trost spenden in ihrem, in unserm tiefen Leide! W'n Waderborn. Dem vierundzwanzigsten Jahresbericht über die israelitische Waisen-Erziehungs Anstalt für Knaben und Mädchen au» Westfalen und Rhein? land zu Paderborn entnehmen wir: Auch in diesem Jahre haben wir all' den verehrten Gönnern und Wohlthätern unserer Waisen unfern herzlichen Dank an dieser Stelle auszusprechen. Wir wären ohne ihre freiwilligen edelmüthigen Gaben nicht im Stande, die Pforten unseres Hauses so vielen armen verwaisten Kindern zu öffnen. Wer da weiß, welche Summe von immer bereiter Opferwilligkeit erforderlich ist, um die Ledürfniffe von sechsundfünfzig Waisen zu befriedigen — diese Anzahl befindet sich augenblicklich in unserer Anstalt —, wie viele edle Herzen beisteuern müssen, um den Anforderungen zu genügen, welche die Jetztzeit an die Erziehung und Ausbildung der Kinder stellt, der wird mit uns erkennen, daß der Sinn für Wohlthätigkeit in dem Herzen unserer Glaubensgenossen nicht erloschen, und daß sie, welcher Art auch ihre Stellung und ihr Beruf im Leben, wie verschieden ihre Gesinnungen, dennoch in dem Einen, ewig dauernoen, in der Menschenliebe und Barmherzigkeit übereinstimmeir. Die Anstalt, die am 1. März 185G mit zwei Waisenknaben eröffnet wurde, zählt zur Zeit sechsundsünfzig Zöglinge. Von diesen sind fünsunddreißig aus Westfalen, ztvanzig aus der Nheinprovinz, einer aus Mecklenburg-Schwerin. Von Oktober 1882 bis Oktober 1883 wurden zwölf Waisen ausgenommen. Welch' einem tiefen Bedürfnisse unsere Anstalt meist abhilft, ersieht man am besten aus den Aufnahme-Gesuchen, die bei uns beständig einlaufen und die doch nur in knappen Umrissen die bedrängte Lage der Familie schildern. Wenn wir ein derartiges Aufnahme-Gesuch hier an dieser Stelle, veröffentlichen, so werden die edlen Gönner unserer Waisen erkennen, welcher Noth sie mit und durch uns Hilfe bringen und wie unsere Anstalt bei vielen Unglücksfällen einen festen Anhaltspunkt bildet. An .-"V " '• '' ■■■■■ das Curatorium des isr. Waisenhauses für Westfalen und Rheinland zu Paderborn. ' Dem Wohllöbliche» Curatorium erlaube ich mir Nachstehendes ergebenst zu unterbreiten. Am 12. August er. ist in hiesiger Stadt' der 'Lohnschreiber beim hiesigen Amtsgerichte M. Frankenhaus mit Hinterlassung einer zahlreichen Familie gestorben. Derselbe hat eine schwache Wittwe und sieben kleine Kinder hinterlassen, zwei Knaben im Alter von 11 und 6 Jahren, fünf Mädchen, im Alter von 14, 12, 9 und 2 Jahren und einen Säugling im Alter von 2 Monaten. Vermögen ist nicht vorhanden. Somit sind die Verhältnisse der Familie Frankeuhaus so trostlos, wie man nur denken kann. Die hiesige städtische Armcnkommission hat derselben denn auch sofort eine für hiesige Verhältnisse erhebliche Unterstützung bewilligt. Die jüdische Gemeinde, welche ans etwa acht Familien besteht, steht der Familie zwar auch hilfreich, bis jetzt zur Seite; die Gemeindemitglieder leben jedoch nicht in solchen Verhältnissen, daß sie Erhebliches leisten können. Unter diesen Umständen dürfte die Bitte, zwei der ms dortige erscheinen. .. ..... __ Nachricht zu erhalten, zeichnkt Ahaus, 10. Aug. 1883. Ergebenst Forckenbeck, Bürgermeister. Wir dürfen annchmen, daß jeder fühlende Mensch in solch' traurigen Fällen gern hülfreiche Hand bietet