Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1884)
- Date
- 1884-03-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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421 geben wird, und wird dieselbe unter der Redaktion des bisherigen Mitarbeiters, des Herrn M. Ehrentheil, weiter erscheinen. Der Verewigte, ein Sohn ganz armer Eltern, war vollständig Autodidakt; unter großen Mühe und schweren Kämpfen hat er sich ein nicht unbedeutendes Wiffen erworben, das er zum allgemeinen Besten in angemesienster Weise verwerthete. n"2"sV'n. Feuilleton Aus dem Leben eines orthodoren Pabbiners. Skizze von Dr. Sta . , . 10. Capitel. Gewissenspein. Vor dem Thore des kleinen Städtchens, unweit von der Wohnung des Amtsrichters liegt ein großer schattiger Park, dessen duftige, dunkle Allee, sowie sein geheimnißvoll murmelnder Bach, welcher sich durch denselben in zierlichen Wendungen schlängelt, mir gar verlockend erschienen. Dorthin lenkte ich meine Schritte, um von meiner Erregtheit und geistigen Ermattung ein wenig auszuruhen, bevor ich meiner mit Herrn Nathansohn getroffenen Verabredung gemäß in dessen Begleitung den Vorstehern und Repräsentanten meinen Besuch abstatten wollte. Ich ließ mich auf eine Bank in der Nähe des. leise rauschend und plätschernden Baches nieder. Es war ein gar lauschiges Plätzchen. — Der kühle Lufthauch fuhr sanft säuselnd durch die Blätter der.Bäume, als wolle er wie eine sorgliche Mutter ihre Wangen liebkosend streicheln. Die wohlgepflegten Blumenbeete und die künstlich angelegten Rasenplätze, welche in ihrem Farbenschmucke von den Sonnenstrahlen ganz umflossen waren,, schienen mit dem in der Allee herrschenden Halbdunkel Mitleid zu empsinden; denn, wie neckisch zuckte ihr lichtvoller Glanz vorüber und ließ für wenige Augenblicke.ein buntes Farbenspiel aus dem Kies des Pfades erzittern. Aus der sich zu einer Hütte wölbenden Laubkrone der Bäume ertönte der süße Sang der Vögel, welcher bald in melodisch gewirbeltem Liede, bald in zierlich schwungvollen Trillern weithin zu vernehmen war. Diese zauberhaft schöne Umgebung versetzte mich zuerst in einen traumähnlichen Zustand und gleich darauf schlossen sich meine Augenlider und ich träumte weiter — aber im tiefen Schlafe. — Ich mag wohl so mehrere Minuten geschlafen haben, als ich plötzlich erwachte und wie electrisirt auffprang. In meiner Nähe wurde ein lautes Selbstgespräch geführt und der Klang der Stimme, welcher mich durch ein bitteres, hohnvolles Lachen vorhin so jähe aus meinem Schlafe auffahren ließ, kam mir so bekannt vor, daß ich auf die Gefahr hin ein großes Unrecht zu begehen mit athemloser Spannung lauschte: \ „War es Liebe? — Unbewußte das ganze Wesen durchleuchtende Liebe, die mich zu jenem unseligen Schritte trieb? — Rein, nein! tausendmal nein! Liebe ist selbstlos von jeder uneigennützigen, selbstsüchtigen Regung frei. Wie sollte nun jenes edle verklärende Gut der Menschheit mich zu einem Schritte gedrängt haben, der wie ein giftiger Lufts hauch seit jener verhängnisvollen Stunde den Frieden meiner Seele zerstört,, die Ruhe meines Innern zertrümmert hatte? — Nein: Liebe war es nicht! — Gewiß.nicht! Diese erhabenen Gefühle haben Dein Herz nicht berührt! — Aber eine glühende, sinnliche und verzehrende Leidenschaft war es,. — geblendeter Thor! — die Dich fluchbeladenen Hauptes aus dem Vaterhause verbannte, aus dem Mutterherzen verstieß. Ja, .die Gewalt Deiner dämonischer!Leidenschaft hatte Deinen Vater in den besten Jahren getödtet. Deiner Mutter das Leben vergiftet! Deine Pflicht wäre es — ungerathener Sohn — Deine wildauflodernde Leidenschaft zu bezwingen, zu zähmen; denn wer ist heldenmüthig, sagen unsere Weisen, der seine Leidenschaft zu bekämpfen im Stande ist! Unsere Weisen? — Nein — wie lächerlich! Wie vermögen nur meine Lippen durch diese Bezeichnung den Namen derer zu entheiligen, die in meiner Jugend mir als das höchste Ideal der Menschheit vorkamen? — Unsere Weisen? — Habe ich nicht mit dem Gotte meiner Väter gebrochen, die Lehren jener Weifen aus meinem Herzen entfernt und eine undurchbrechliche Scheidewand zwischen mir und dem Volke, welchem ich entstamme, aufgerichtet?Oh, wie es da pocht und stürmt fort und fort! Wie die Wunden meiner Brust brennen, so heftig schmerzen und mir Tag und Nacht die Ruhe rauben! Die Saiten meines Herzens drohen zu zerspringen und zerbersten vor dem .Sturm meines Innern! — Aber war ich denn in der That an allen Vorgängen und Wendungen meines Schicksales schuld gewesen? Bin ich der Urheber meines fluchwürdigen Lebens? Bin ich denn auch ganz allein an Allem schuld? — Warum wollte mein Vater auf meinen bittenden Blick nicht sehen, als ich in wilder Jugendlust die Stätte meiner Kindheit durch die Verletzung des Sabbats entweihte? Warum, stieß er mich von sich, als ich ihm fußfällig gestand, daß ich an den Lehren unserer Religion zweifle? Warum wies er mich von sich, statt mich zu belehren? —= Weshalb kamen alle meine Briefe unaufgebrochen zurück? — Ach, vielleicht hätte mich ein mildes Entgegenkommen meines Vaters von jenem entsetzlichen Schritt abgehalten, für den es keine