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Der Israelit · 1884-03-24 · Heft 24 (24.3.1884) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 24 (24.3.1884)
Date
1884-03-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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420 in die neuere Zeit kür das nächste Mal in Ansstcht stellend. . Neustetiin, 16. März. Das zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung nach hier entsandte Militär. Kommando sollte nach den ursprünglichen Dispositionen bereits am Montag, 17. März, unfern Ort wieder verlaffen. Eine am Sonnabend stattgehabte Verhaftung eines angetrunkenen Menschen, infolge deren das Kommando alarmirt wurde, scheint aber in maßgebenden Kreisen die Umstoßung obiger Disposition veranlaßt zu haben, denn es soll, wie ich soeben erfahre, das Militär-Kommando bis auf Weiteres hier verbleiben. Dabei bemerke ich aber ausdrücklich, daß die öffentliche Ruhe und Ordnung durch Ausschreitungen von Volksmassen in keiner Weise mehr gestört worden ist. Naugard, 10. März. Der„Ztg. f. Pommern" schreibt man von hier: Vor einigen Tagen saßen Abends bei einem Glase Bier zwei hiesige, den höheren Ständen ungehörige. Herren in der Bahnhofs-Restauration und unterhielten sich über allerlei. Ein nicht weit von ihnen sitzender fremder feingckleideter Herr versuchte es mehrere Male, sich in das Gespräch hineinzumischen, wurde jedoch energisch zurückgewiesen; als er sich indessen als Kammergerichtsreferendar von Pöllnitz aus Berlin und als Reserve- Lieutenant vorstellte, wurde er nicht nur angenommen, sondern in das Roloffsche Hotel eingeführt. Hier waren unter anderen Gästen auch zwei hiesige Referendare, welche, nachdem dann die Vorstellung in aller Form stattgefunden hatte, von Herrn v. Pöllnitz sofort als verehrte Herrn Kollegen begrüßt und angeredet wurden. U. a. erzählte Herr v. Pöllnitz auch, er sei mehrere Monate in Greifenberg i. P. beim dortigen Amtsgericht beschäftigt gewesen, und zeigte sich mit den dortigen Verhältnissen auch ziemlich vertraut. Dann versuchte eres mehrere Male, antisemitische Gesprächein Gangzu bringen, fand aber keine rechte Gegenliebe. Ueberhaupt benahm sich derHerr recht sonderbar und zeigte sich als arger Judenfeind. Als sich nun der Herr Kammeraerichts-Referendar für einige Minuten entfernte und" in seinem zurrückgelassenen Hut die Anfangsbuchstaben W. D. wahrgenommen wurden, stieg bei der Gesellschaft ein recht unangenehmer Verdacht auf, der bestätigt wurde, als etwas später ein hier bekannter Reifender den angeblichen Kammergerichts-Referentar v. Pollintz als einen im Disziplinarwege entlassenen Hilfsprediger Dänneil aus der Greiffenberger Gegend, der seiner Zeit in Stettin wegen der von ihm gehaltenen antisemitischen Hetzreden viel von sich reden machte, erkannte. Daß der entlarvte Antisemit nun schleunigst an die frische Lust befördert wurde, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Welche Beweggründe denselben dazu verleitet haben, hier unter falschem Namen autzütreten, ist nicht bekannt geworden. Von hier reiste er nach Gollnow. Oest.-Ungar. Monarchie. Pesth. Aus der Gemeinde Jant (Beregher Komitat) wird uns folgende verbürgte Geschichte mitgetheilt: Der dortige Richter begab sich vor einigen Tagen zum Markte nach Beregßüß und lud einen ihm befreundeten Israeliten, der sich anschickte, denselben Weg zu machen, auf seinem Wagen Platz zu nehmen. In Beregßaß angelangt, begegneten ne dem dortigen Gemeinde-Schächter, der von dem Begleiter des Richters aufgefordert wurde, für ihn eine fette Gans zu kaufen und sie gleichzeitig zu schlachten. Der Richter hörte das letztere Wort und — da die jüdischen Osterfeiertage im Anzuge sind — stutzte er; doch schwieg er vorläufig; er wollte die Juden in flagranti ertappen. Nachdem sie ibre Angelegenheiten geordnet, machten sie sich auf den Heimweg; tun zuvor hatte der Schächter die in einen blutigen Sack gehüllte Gans gebracht und auf den Wagen geladen. Unterwegs fühlte der Richter nach dem Sack, er stieß auf einen weichen Gegenstand und es unterlag daher keinem Zweifel, daß der Sack den Körper eines geschlachteten Mädchens enthielt. Als sie in . der Heiniathsgemeinde anlangten und der Jude sich unter Dankesbezeugungen entfernen wollte, herrschte ihn der Richter an, daß er ein Gefangener sei und ohne, auf dessen erstaunte Frage eine Antwort zu ertheilen, berief er die Geschwornen und Dorfältesten zusammen, die er mit einer Rede ewpßng, in welcher er sagte, daß nun alle Pesther Advokaten zusammengenommen nicht bestreiten werden können, daß die Juden Chrrstenblut benützen, er Habe ein corxns delicti in der Hand. Und mit feierlicher Miene , hob er den Sack aus dem Wagen und legte ihn vor den Versammelten auf die Erde, worauf er mit einer dem Anlässe entsprechenden Feierlichkeit den Sack öffnete: „Hier ist das hingeopferte Christenmädchen!" rief er emphatisch aus und mit einem kühnen Griff' krachte er die bedauernswerthe Gans zum Vorscheine. Der Richter ward erst seines „Versehens" gewahr, als die Dorfbewohner hellauflachten. Der Jude aber wurde mitfammt der Gans sofort freigelaffen. Budapest, 17. März. Am voriger Sabbat verschied Herr M a y e r R e i s, y"i, Begründer, Redacteur und Eigenthümer der „Jüdischen Pesther Zeitung", im Alter von nur 43 Jahre.. Die genannte Zeitung, welche in deutscher Sprache und jüdisch-deutscher Schrift erscheint, ist wohl die einzige jüdische Zeitschrift, welche dreimal wöchentlich herausge-

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