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Der Israelit · 1884-03-24 · Heft 24 (24.3.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 24 (24.3.1884)
Date
1884-03-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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der Stadt gegründet worden sind oder subventionirt werden, die vielmehr den humanen Schenkungen Einzelner ihre Entstehung verdanken und durch ba& wohlthätige und in reiner Menschenfreundlichkeit geübte Zusammenwirken Vieler unterhalten werden. Sehr bezeichnend, so bemerkte in der Sitzung .des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur ein Mitglied, ist es, daß man in alter Zeit und noch bis auf unsere Tage die jüdischen Krankenhäuser vip.1, sowie auch die Armenstiftungen d-'jj, tznpn genannt hat, denn so lange das Nationalheiligthum in Jerusalem stand, weihte jeder, der ein Geschenk bringen wollte, seine Gabe jenem Mittelpunkte des geistigen Lebens in Israel, aber seit der Zerstörung des Tempels kennt der Jude keine bessere Verwendung für seine Spende, als sie den.Stätten der Krankenpflege oder der Armenunterstützung zu weihen, die dadurch geheiligt erscheinen. Möge die Sonne der wahren Humanität bald alle Nebel zerstreuen, die noch immer den Horizont verdüstern, und möge das Judenthum in seinem reinen und ungeschmälerten Glanze auch von Allen erkannt und gewürdigt werden. Zeitungsnachrichten und Corres-sndenzen. De u t f ch I a n d. - Frankfurt a. M Verflossenen Mittwoch Abend hielt Herr Dr. H. Heinemann im Vereine für jüdische Geschichte und Literatur einen Vortrag über die französischen Juden bis zum fünfzehnten Jahrhundert. Die erste'Ansiedelung der Juden in Frankreich, läßt sich nicht' mit voller Sicherheit bestimmen; wir wissen nur, daß der Sohn des Herodes, Archelaos, mit seinem. Gefolge nach Nienne in der Dauphine verbannt wurden. Genauere Nachrichten finden, wir erst aus dem vierten Jahrhundert, die uns zeigen, daß die Juden damals in ziemlich bedeutender Anzahl in Gallien ansässig waren, Staatsämter bekleideten und außer dem Handel sich auch dem Ackerbau, den Handwerken, ja auch dem Waffendienst widmeten, wie denn noch im Jahre 508 die Juden von Arles sich in den Kämpfen zwischen Chlodwig und Theoderich auszeichneten. Aber diese günstige Stellung der Juden änderte sich durch die von dcnConcilien gegen sie erlassenen Gesetze, welche sie zunächst von der Bekleidung von Staats- und Ehrenämtern ausschloffen, ihnen alsdann das Halten von christlichen Dienstboten untersagten, bis endlich unten dem merovinigischeu Könige Dagobert das Gesetz erlassen wurde, welches den Juden nur die Wahl zwischen Verleugnung ihres Glaubens und Auswanderung ließ. Der Beginn des . siebten Jahrhunderts, in welchem dies geschah, war überhaupt einer der gefahrdrohendsten Zeitabschnitte für das israelitische Volk. Außer der Verfolgung, der es im Frankenreiche ausgesetzt war, bedrängte es in Persien Chosroßs, im oströmischen Reiche Heraklius, im westgothischen Spanien Sisibut, und es war ein unendliches Glück für das jüdische Volk, daß gerade in diesem Momente im Osten sich der Islam erhob, welcher ja auch später Spanien kn seine Kreise mithineinzog, und daß in Frankreich die Macht der Merovinger bereits so gefunken war, daß das Edikt Dagoberts nicht mehr vollständig zur Durchführung kommen konnte. Das mächtige Haus der Karolinger, das bald an die Stelle der Merovinger kam, wußte die Bedeutung der Juden vollständig zu würdigen. Besonders erwies sich Karl der Große denselben günstig. Er verwandte einen Juden, Namens Jsak, zu einer Gesandtschaft an Harun al Raschid; er berief einen jüdischen Gelehrten aus Italien nach Mainz und schützte die Juden gegen feindliche Angriffe. In noch höherem Mage zeigte sich der wahrhaft edle Kaiser Ludwig der Fromme den Juden günstig zum großen Verdruß der Geistlichkeit, deren Vertreter, der Erzbischof Agobard in Lyon, dem Kaiser die bittersten Vorwürfe machte. Unter den späteren Karolingern und Capetingern wurden dann, die Juden durch die Verhältnisse vom Ackerbau, der immermehr aus den Händen der freien Bauern in die der Leibeigenen kam, und von den Handwerken, die einen innungsmäßigen Charakter annahmen, zurückgedrängt und waren so ausschließlich auf den Handel angewiesen, innerhalb dessen ihnen wieder enge Grenze gezogen wurden. Vollends ungünstig gestaltete sich nun die Lage der Juden in der Zeit der Kreuzzüge. Der erste Kreuzzng freilich, der in Deutschland so viele Opfer forderte, ging an den französischen Juden verhältnißmäßig glimpflich vorüber. Der zweite war schon von furchtbaren Plünderungen begleitet, und der durch die Kreuzzüge aufgestachelte Fanatismus äußerte sich in der, soviel wir wissen,^ zuerst in Frankreich gegen die Juden geschleuderten Anklage des rituellen Mordes, welcher 1171 in Blois die ersten Opfer fielen. Unter Philipp August hatten die Juden schwere Verfolgungen zu erdulden. Sie wurden zunächst in den Kerker geworfen und nur gegen. ein unerhörtes Löfegeld freigelassen, sodann wurden ihre sämmtlichen Forderungen an die Christen annullirt, aber so, daß ein Fünftel dem königlichen Schatze zufallen sollte, und endlich wurden sie gänzlich aus Frankreich verbannt. Freilich wurde dann die Verfolgung bald aufgehoben, aber das dreizehnte Jahrhundert, und namentlich die Regierungszeit Ludwigs des Heiligen, bietet eine fast unausgesetzte Reihe von gegen, die Juden .'und das

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